architektur.aktuell 01/02/2002

architektur.aktuell 01/02/2002

urban catalysts

Herzog & de Meuron: Geschäftsviertel “Fünf Höfe” in München, Deutschland|Fünf Höfe Commercial District in Munich, Germany

Photos: Margherita Spiluttini, Joachim Hofer
Text: Wolfgang Jean Stock
Städtebau nach innen

Wer vom Isarhochufer aus die Münchner Stadtsilhouette in den Blick nimmt, sieht zwischen den vertrauten Türmen und Giebeln einen Wald von Baukränen. An vielen Stellen wird die bayerische Landeshauptstadt umgestaltet – und mitten im Zentrum liegen die “Fünf Höfe”, deren größerer Südteil als erster fertig gestellt wurde. Die Pritzker-Preisträger Jacques Herzog und Pierre de Meuron verstehen ihre städtebauliche Intervention als europäische Alternative zum Typus der amerikanischen Shopping-Mall.


Lacaton & Vassal: Mietbüros in Nantes, Frankreich|Rented Office Space in Nantes, France

Photos: Philippe Ruault
Text: Dominique Boudet
Weniger (Geld) ist mehr (Architektur)

Entgegen dem Trend der zeitgenössischen Architektur zu höchstentwickelten Lösungen – sei es in technischer, formaler oder programmatischer Hinsicht – gehen die Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal von Projekt zu Projekt den schwierigen Weg der Architektur mit kleinem Budget. Armut ist keine Schande, sagt der Volksmund. Für die beiden ist sie sogar eine Tugend. Indem sie dazu zwingt, das Überflüssige abzuwerfen, um das Notwendige zu bewahren, führt sie zum Wesentlichen: nämlich zur Qualität des Raumangebots für die Benutzer. Indem sie den leichten Weg versperrt, setzt sie die Kreativität frei.


Katzberger Loudon: Medizinzentrum Anichstraße, Universitätskliniken Innsbruck|Anichstrasse Medical Centre, Innsbruck University Clinics, Austria

Photos: Günter Richard Wett
Text: Otto Kapfinger
Baukunst für die Heilkunst

Kunst dient oft dazu, reale Defizite symbolisch zu kompensieren. Der Windfang am Haupteingang des neuen Spitalstraktes in Innsbruck empfängt die Ankommenden mit dem in riesigen Lettern leuchtenden Schriftzug HEILKUNST. Farblich und grafisch dominiert dieser Begriff über das in der hinteren Glasschicht sichtbare Wort MEDIZIN. Die künstlerische Applikation von Heimo Zobernig ist kein Euphemismus. Sie kommentiert den heute spürbaren Paradigmenwechsel von der reinen Apparatemedizin zu gesamtheitlichen Therapiekonzepten; sie signiert zugleich ein Gebäude, das eindrucksvoll die auch in Österreich vor zehn Jahren einsetzende Trendwende im Spitalsbau bestätigt – die Abkehr von den industrieähnlichen Versorgungsanlagen, geplant von technokratischen Spezialisten und Großbüros, und die Rückkehr der BAUKUNST in ein Terrain, das für ArchitektInnen und kleinere Büros schon verloren schien.


Jiran Kohout: Gemeindezentrum und St. Prokop-Kirche in Prag; Rathaus in Budweis, Tschechien| Community Centre and St. Prokops Church in Prague; Town Hall in Ceske Budejovice, Czech Republic

Photos: Ester Havlova
Text: Veronika Maurer
Postsozialistische Stadttransformation

Für zwei Institutionen hatte die realsozialistische Stadt Mitteleuropas keinen Platz: nämlich für Kirchen und Bürgerservice-Stellen. Die Umrüstung der tschechischen Städte nach der Samtenen Revolution bringt nun hohen Nachholbedarf für eben diese Kennzeichen demokratischer Gesellschaften. Mit einem Sakralbau in einer Prager Plattenbausiedlung und einem Rathaus-Umbau zu einem Bürgerservice-Zentrum zeigen Jiran Kohout die realdemokratischen Möglichkeiten in einer Proto-EU-Gesellschaft: Bei der Kirche bedeutet das einen fast aussichtslosen Kampf gegen katastrophale Planungsruinen der Zeit vor und nach der Wende, beim Rathaus vor allem die formale Demonstration des frischen Geistes.


Essay

Stylish Ginza

Photos: Anna Blau
Text: Sonja Stummerer, Martin Hablesreiter
Die Stadt als Shopping Mall

Jedem Kosmopoliten ist sie bekannt: die Ginza in Tokio, eine der berühmtesten und teuersten Einkaufsregionen der Welt. Doch nicht nur die phantastischen Bodenpreise, die sündhaft teuren Restaurants und die riesigen Kaufhäuser definieren dieses Gebiet im Umkreis des Kaiserpalastes. Die Ginza ist mit eleganten Einkaufsvierteln, wie wir sie aus Europa kennen, nicht vergleichbar, obwohl sie ursprünglich für die Gaijins – die Fremden – gegründet und gebaut wurde. Durch die Ginza zu spazieren ist anders als durch die Bond Street in London, entlang den Champs Elysees in Paris oder über den Wiener Kohlmarkt. Obwohl gerade die Ginza jenes Gebiet in Tokio ist, das sich als erstes gegenüber dem Westen öffnete und sich bis heute stark am Westen orientiert, unterscheiden sich sowohl das Einkaufsverhalten als auch das architektonische Erscheinungsbild von Europa und den Vereinigten Staaten. Wer nach kleinen, exquisiten Boutiquen sucht, die vielleicht noch architektonischen Wert besitzen, der wird der Ginza enttäuscht den Rücken kehren. Vielmehr ist der Besucher mit einer Fülle von Werbescreens, monumentalen Großkaufhäusern und Menschenmassen konfrontiert. Eine Unmenge aller Weltmarken trifft in der Ginza auf eine ebensolche Unmenge an potentiellen Käufern.

Delugan_Meissl: Stadthaus in Wien-Neubau|’Townhouse’ in Vienna-Neubau, Austria

Photos: Margherita Spiluttini, Roman Delugan
Text: Matthias Boeckl
Urban Feelings

Zu den zentralen Ideen des zeitgenössischen Stadt-Umbaus zählt die “Hybridisierung”, also die Vermischung mehrerer verschiedener neuer Funktionen in alten Quartieren. Roman Delugan und Elke Delugan-Meissl haben unter den jungen Wiener Architektur-Stars eine unverkennbare Handschrift zeitgeistig-eleganter Oberflächen und Proportionen entwickelt. Diese Entwurfssignatur wurzelt in der Idee von fließenden Räumen als einer Art Stadt-Landschaft. Für den zeitgenössischen Stadt-Umbau ist das eine angemessene Sprache, wie sich beim aktuellen Projekt eines “Stadthauses” mit Wohn- und Büronutzung zeigt. Die “tiefe” Fassade bietet Zusatz-Lufträume für die Wohnungen, während die Faltungen der rückseitigen Trakte eine Terrassenlandschaft für den professionellen Bereich bereitstellt. 

Kopper, Croce & Klug: Wohnbau und Straßenbahnremise in Wien-Ottakring|Housing Development and Tram Depot in Vienna-Ottakring, Austria

Photos: Anna Blau, Bruno Klomfar
Text: Matthias Boeckl
Quartier-Übergänge

Die Umnutzung einer größeren Infrastruktureinrichtung in einem dichtverbauten Stadtgebiet bietet die Chance zu neuen Impulsen für das Quartier. Der alte Fabriks- und Arbeiterbezirk Ottakring wurde bereits mit der Anbindung an eine U-Bahnlinie und dem Umbau vieler alter Fabriken zu Bildungseinrichtungen und Bürobauten in einen intensiven Transformationsprozess geführt. Topographische Kontraste wurden nun von einer baulichen Intervention aufgegriffen und angemessen interpretiert. 

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