architektur.aktuell 01/02/2003

architektur.aktuell 01/02/2003

spirit & space

Rafael Moneo: Kathedrale in Downtown Los Angeles, USA | Cathedral In Downtown Los Angeles, USA

Photos: Roland Halbe, Duccio Malagamba; Text: Gudrun Hausegger
Kirchenraum als Stadtraum

Seit mehreren Jahrzehnten schon ist Downtown Los Angeles die ehemalige Vormachtstellung als traditionelles städtisches Zentrum innerhalb der weitflächigen Metropole und ihren zahlreichen kompetitiven Zentren abhanden gekommen. Seit den 1980er und vermehrt 1990er Jahren buhlt das Areal mit zahlreichen größeren und kleineren Sanierungsmassnahmen und mit spektakulären Projekten (wie z.B. Frank Gehrys Disney Concert Hall) erneut um die politische und wirtschaftliche Führungsrolle. Rafael Moneos Kathedrale “Our Lady of the Angels”, und die Entscheidung, sie an einer Stadtkante Downtowns zu platzieren, reagiert auf die Zeichen einer wiedergewonnenen Dominanz und setzt einen entsprechenden urbanen Akzent.


Jensen & Skodvin: Mortensrud Kirche in Oslo, Norwegen | Mortensrud Church In Oslo, Norway

Photos: Jan Olav Jensen, Jiri Havran; Text: Wolfgang Jean Stock
Eine feste Burg

Das alte Kirchenlied fällt einem ein, erblickt man das neue Gebäude, das sich auf einem schmalen Bergrücken oberhalb von Mortensrud erhebt, einem Stadtteil im äußersten Südosten von Oslo. Im Übergang von der Vorstadt zur Landschaft gelegen, bildet der im Frühjahr 2002 fertig gestellte Kirchenbau eine fein abgestimmte Collage aus konstruktiven, stofflichen und räumlichen Elementen. Faszinierend wirkt vor allem der Kontrast zwischen dem archaischen Mauerwerk und dem modernen Stahlbau. Ulf Grønvold, Direktor des Norwegischen Architekturmuseums, bezeichnet die Kirche als “eines der wichtigsten Gebäude, die in unserem Land während der letzten Jahrzehnte entstanden sind”.


Claus en Kaan: Ausstellungsgebäude für das ehemalige KZ in Vught, Niederlande | Exhibition Building In The Former Concentration Camp In Vught, Netherlands

Photos: Christian Richters; Text: Robert Uhde
Zentrum der Erinnerung

Das nahe der südniederländischen Stadt s’Hertogenbos gelegene Konzentrationslager Vught (ehemals “KZ Herzogenbusch”) war nach dem Übergangslager in Westerbork das größte KZ auf dem Gebiet der im Zweiten Weltkrieg besetzten Niederlande. Seit 1990 dient ein kleiner Abschnitt des ehemaligen Lagergeländes als “Nationale Gedenkstätte Kamp Vught”. Aufgrund des jährlich wachsenden Zustroms an Besuchern wurde der Komplex nun durch ein neues Erinnerungszentrum des Amsterdamer Architekten Felix Claus erweitert. Der klar und einfach strukturierte Neubau bietet neben einer Dauerausstellung auch Raum für Wechselausstellungen sowie für die neu eingerichtete museumspädagogische Abteilung.


schneider+schumacher: Das Museum “Sowjetisches Speziallager 7/1″ in Oranienburg, Deutschland | The Soviet Special Camp 7/1 In Oranienburg, Germany

Photos: Jörg Hempel; Text: Claus Käpplinger
Beredter Monolith

Das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin steht für ein doppeltes historisches Trauma: Gegründet als eines der ersten Nazi-KZs, in dem u.a. auch der Bundeskanzler des von Deutschland “angeschlossenen” Österreich einsaß, wurde es nach der Befreiung 1945 von den Sowjets als “Speziallager” weitergenutzt. Nach der schwierigen DDR-Periode holte ein rechtsradikaler Brandanschlag den Ort in das öffentliche Bewusstsein zurück. Das daraufhin erstellte neue didaktische Konzept der Anlage beinhaltet jetzt auch eine Gedenkstätte, die hermetische Geschlossenheit bei innerer Nutzungsfreiheit bietet.


Marte.Marte: Friedhofserweiterung und Totenkapelle in Batschuns, Vorarlberg | Cemetery Extension And Chapel Of Rest In Batschuns, Austria

Photos: Bruno Klomfar, Ignacio Martinez; Text: Robert Fabach
Kalkulierte Erosion
Die neue Totenkapelle von Batschuns ist ein dichtes Konzentrat mehrerer folgenreicher kulturgeschichtlicher Entwicklungen: schon in den 1920er Jahren hatte die Gemeinde einen ungewöhnlichen, für den traditionalistischen Teil der österreichischen Moderne wegweisenden Kirchenbau von Clemens Holzmeister mit Eigenbau-Engagement errichtet. Die Beauftragung von Marte.Marte bringt nun abermals eine Speerspitze der aktuellen Architekturentwicklung an den Ort und lädt ihn mit dem sinnlichen Baumaterial, der minimalistischen Form und dem abermals geleisteten Selbstbauanteil noch weiter mit Bedeutungen auf.


er Basilika und Umbau des Geistlichen Hauses in Mariazell, Steiermark | Altar Area Of The Basilica And Adaption Of The “Geistliches Haus” in Mariazell, Austria

Photos: Paul Ott; Text: Matthias Boeckl
Kill Speed

In einer Jahrhunderte alten, großen Wallfahrtskirche lagern sich die baulichen Eingriffe verschiedenster Perioden lesbar in Schichten ab. Sie reflektieren das kontinuierlich erneuerte religiöse Verständnis jeweils in einer baulichen Fassung. Auf Initiative der neuen geistlichen Führung des Mariazeller Wallfahrtsbetriebs ergänzt und verbessert nun eine aktuelle Interpretation der Liturgie im Altarbereich der Basilika und eine auch denkmalpflegerisch subtile Anpassung des benachbarten geistlichen Wohnhauses an heutige Bedürfnisse die historischen Sedimente.


Ernst Giselbrecht: Seminarzentrum in Seggau, Steiermark | Seminar Centre In Seggau, Austria

Photos: Paul Ott; Text: Isabella Marboe
Historie, Meditation, Einkehr

Als Landwirtschaftsbetrieb, katholisches Bildungshaus, Seminarhotel und Kongresszentrum spielt der ehemalige Bischofssitz Schloss Seggau in der Südsteiermark seit jeher eine große Rolle. In den letzten Jahren konnte der Betrieb nicht mehr gewinnbringend geführt werden. Ernst Giselbrecht fügt bei seiner Renovierung überlegt Neues zu Altem. Die Kategorie des Hotels kann so stark gehoben werden, ohne die Aura des Ansitzes zu zerstören. (…)

Wolfgang Ritsch: Pfarrhaus in Gaissau, Vorarlberg | Presbytery In Gaissau, Austria

Photos: Bruno Klomfar; Text: Robert Fabach
Denkmalpflege, intelligent

Als Johannes Lutz 1735 das “Wirtshaus zur Rose” errichtete, schuf er in der Bodenseegemeinde Gaissau, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts dem Kloster St. Gallen zugehörte, ein Beispiel für den damals verbreiteten Typus eines Thurgauer Fachwerkhauses. Zu Beginn der 1990er Jahre schien der nunmehrige Pfarrhof abbruchreif, als vermeintlich unsanierbares Konglomerat verschiedenster Einbauten unbestimmten Alters. Bei einem zufälligen Treffen berichtete Pfarrer Stefan Biondi dem Architekten Wolfgang Ritsch von seinen Bauabsichten. Dieser erkannte den historischen Wert und konnte in der Folge die verschiedenen Entscheidungsträger von einer Renovierung überzeugen. Ein langwieriger Planungs- und Umbauprozess begann, in dem sich das Gebäude selbst zu einem beredten Gesprächspartner entwickelte.


Small&Smart

Bramberger & Hoier: Umbau Bischofsräume im Bischöflichen Palais, Graz, Steiermark | Adaption Of The Bischops Rooms In The Episcopal Palace Of Graz, Austria

Photos: Paul Ott; Text: Isabella Marboe
Kultiviertes Amtsverständnis

Das Bischöfliche Palais in Graz spiegelt die historische Bedeutung des Amtes. Der älteste Teil ist aus dem 13. Jahrhundert, 1781 kamen Residenzräume dazu. Eine klassizistische Repräsentationsstiege führt zum bischöflichen Amtssitz mit Wohnung im zweiten Stock. Seit März 2001 amtiert hier Bischof Egon Kapellari, die vorgefundenen Räume waren für ihn nicht geeignet. Kapellari lebt, wohnt und arbeitet mit Bildern und Büchern, im handverlesenen Gleichgewicht von Alt und Neu. Sein Tagesablauf ist strapaziös. Termine von 8 Uhr früh bis nachts, ein Sekretariat mit drei Mitarbeitern, laufend Sitzungen und Einzelgespräche. Alfred Bramberger und Ulrike Hoier verwandelten den unübersichtlichen Trakt in Büro- und Arbeitsräume, die Kapellaris kultiviertem Amtsverständnis entsprechen. 

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