architektur.aktuell 06/2003

architektur.aktuell 06/2003

urban conversion

London

Stadtumbau am Südufer der Themse | Urban Renewal On The South Bank Of The Thames

Photos: Cordelia Polinna, Christian Richters, Nigel Young; Text: Cordelia Polinna

Am Südufer der Themse in London hat sich in den vergangenen fünf Jahren ein Aufwertungsprozess vollzogen, der durch eine Reihe von Neuansiedlungen aus dem Kultur- und Freizeitsektor angestoßen wurde. Noch zu Beginn der 1990er Jahre war das ehemalige Industrie- und Hafengebiet im Norden der Stadtteile Southwark und Lambeth in vielen Teilen isoliert und für Touristen wie Londoner nicht besonders attraktiv. Bis auf historische Sehenswürdigkeiten wie die Tower Bridge oder die Houses of Parliament war London vom Wasser abgewandt, sah den Fluss eher als Transport- und Industrieraum denn als Potenzial für Erholung und Freizeitgestaltung. Doch durch eine Vielzahl von ehrgeizigen Stadtumbauprojekten, darunter der Kunstgalerie “Tate Modern”, ist mittlerweile eine Neudefinition des südlichen Themseufers als Touristenattraktion und Kulturmeile gelungen. Vorraussetzungen für diese Entwicklung des Gebietes waren die Verlängerung der U-Bahnlinie Jubilee Line und der Bau zweier Fußgängerbrücken sowie die zentrale Lage gegenüber der “Square Mile”, dem Finanz- und Dienstleistungszentrum Londons. Nach jahrzehntelanger Abkehr wendet sich die Stadt wieder dem Fluss zu und entdeckt ihn als identitätsstiftendes Element. Einen “Masterplan” zur Steuerung dieser Entwicklung hat es nicht gegeben; das in zahlreichen Städten erfolgreich beschworene Leitbild der “Stadt am Wasser” ersetzt sehr erfolgreich eine planerische Strategie.


Essay

Stadtumbau – Begriffe und Perspektiven | Urban Conversion – Concepts And Perspectives

Text: Harald Bodenschatz

Die Fachwelt ist sich einig: Wir erleben zur Zeit, so heißt es, einen “tief greifenden Wandel” – weg von der Industriegesellschaft, weg von der Familie, weg von der Alterspyramide, weg von einer Gesellschaft mit stabilen Arbeitsverhältnissen, weg von einer Polarisierung in “Ost” und “West”, weg von einer Gesellschaft, die durch lokale Ereignisse geprägt wird. Wo die Reise aber hingeht, ist viel weniger deutlich: Postindustrialisierung, mehr und mehr Singles, Überalterung, Wissensgesellschaft, Globalisierung – diese beliebten Begriffe weisen in die Zukunft, ohne sie im Detail klären zu können. Was heißt das für unsere Städte? Wie und wo werden sie sich ändern müssen? 


Graz

Städtebau als Kommunikations-Kunst | Urban Development As An Art Of Communication

Photos: Angelo Kaunat, Paul Ott; Text: Matthias Boeckl

Ist es noch Illusion oder schon Realität des postindustriellen Medienzeitalters, dass ein grundlegender und nachhaltiger Stadtumbau eher durch “weiche” Kulturfunktionen als durch traditionelle “harte” Jobfaktoren wie Industrie und Gewerbe gelingen kann? Und was wäre dabei unter “Kultur” zu verstehen? Eine neue Software für die Hardware Stadt? Welche Balance besteht zwischen temporären Festival-Interventionen und langfristigen Auswirkungen solcher Veranstaltungen? Handelt es sich um eine der berüchtigten Sternschnuppen der Festivalisierung der Städteplanung oder um ein tatsächlich neues Profil, das sich eine Stadt verschreibt?


Melbourne

Scherben-Kunst – Melbournes Federation Square als urbane Naht | Splinter Art – Melbourne’s Federation Square: The Repair Of An Urban Fracture

Photos: John Gollings; Text: Viviane Stappmanns

Bis vor kurzem wuchs in Melbourne, angetrieben durch stetige Zuwanderung, einer der größten Vorstadtteppiche der Welt heran. Während die Stadt nach außen wucherte, ließen die Pendler den Central Business District abends als ausgestorbenes Zentrum zurück. Das nun überplattete Gebiet des Federation Square teilte zudem die Stadt durch eine große Brache in zwei Hälften. Der neue Platz erfüllt mehrere wichtige städtebauliche Aufgaben: Er wurde nicht nur als Stadtteil-verbindender Freiraum geplant, sondern generiert durch Ansiedlung mehrerer Kulturinstitutionen auch neues urbanes Leben. Heute befinden sich dort die Nationalgalerie des Staates Victoria, das Australian Centre for the Moving Image, eine Produktionsstätte für den staatlichen Fernsehsender SBS, mehrere Restaurants und Pubs, sowie Geschäfte und eine multifunktionale “Plaza”. 

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