architektur.aktuell 06/2005

architektur.aktuell 06/2005

East Germany

Herzog & de Meuron: Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum Cottbus | Information, Communication and Media Centre Cottbus

Photos: Monika Nikolic; Text: Claus Käpplinger
Ein Informationskristall

Visuelle Ereignisse der besonderen Art bietet die neue Universitätsbibliothek von Herzog & de Meuron in Cottbus. Einen amorphen Vexierkörper von überraschender Transparenz und Transluzenz setzten sie in ein urbanistisch zerrissenes Umfeld, der nun auf seinem künstlich angelegten Hügel wie eine futuristische Transformation des mittelalterlichen Castel del Monte in Apulien anmutet. Kühl, distanziert, aber ebenso fantastisch erscheint er im Stadtraum, während sein Inneres von einem bunten Mix respektloser Pop-Art-Farben und – Körper gefüllt wird.


MAP Arquitectos: Filiale der Deutschen Bundesbank in Chemnitz | Branch of the Deutsche Bundesbank in Chemnitz

Photos: Jan Bitter; Text: Dominique Boudet
Fossiler Baum

Sehr schnell nach der Wiedervereinigung wurden die ostdeutschen Stadtzentren, nachdem man sie jahrzehntelang vernachlässigt hatte, Opfer einer regelrechten Bau- und Modernisierungswut. Die lokalen Verantwortlichen griffen dabei gerne auf bekannte Namen zurück, um besser auf die Erneuerung ihrer Stadt aufmerksam zu machen. Westdeutsche und ausländische Bauherren “exportierten” ihre Vorstellungen von Architektur in den Osten, ohne sich weiter um den Kontext zu kümmern. Die Stadtzentren wurden zu architektonischen Collagen, und dabei ließ man es nicht an städtebaulicher Gründlichkeit fehlen. Josep Lluis Mateo hingegen wollte auf lokale Traditionen reagieren.


Zaha Hadid: Zentralgebäude der BMW Werke Leipzig | Central Building of the Leipzig BMW Plant

Photos: Hélène Binet, Roland Halbe; Text: Dominique Boudet
Fabriks-Landschaft

Von der Autobahn Richtung Leipzig, dessen Skyline man in der Ferne sieht, führt eine direkte Abfahrt zu den BMW-Werken. Schnell zieht die Dynamik von Diagonalen den Besucher zu einem riesigen Parkplatz und zum Fabrikseingang, über den eine Art bewohnte Brücke ragt, die auf leicht schräg gestellten, skulpturalen Säulen ruht. Sobald man die Glaswand des Eingangs durchschritten hat, entdeckt man einen komplett offenen, fließenden Raum, eine lange -Halle, belebt durch fliehende Linien und kurvenförmige Betonbahnen, eine Förderanlage, aufgehängt unter dem Metalldach.


Essay

Leipzig & Halle

Photos & Text: Claus Käpplinger
Zwischen Aufbruch und Menetekel

Dramatischer Bevölkerungsverlust, Wohnraumvernichtung und Industrieabbau kennzeichneten noch bis vergangenes Jahr die ostdeutschen Großstädte Halle und Leipzig. Doch die Trendwende bahnt sich an, Leipzig verzeichnet Populationsgewinne und beide Städte beeindrucken mit vitalen Architekturszenen. In vielen kleineren Initiativen und einer Reihe größerer Projekte wird hier tagtäglich intelligenter Stadtumbau betrieben.

AS-IF: Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig | Museum of Contemporary Art in Leipzig

Photos: Christian Teckert, Wolfgang Thaler; Text: Robert Temel
Die Politik des Ausstellens

Der Ort ist das Leipziger Musikviertel in Sichtweite des Neuen Rathauses. Ein gründerzeitliches Villenviertel, dessen durch Bombenschäden entstandene Lücken mit Plattenbau-Hochhäusern aufgefüllt worden waren, sodass es heute sozial durchmischt ist. Zwischen den Hochschulen für Technik und für Grafik und Buchkunst sowie dem Johannapark liegt eine Rasenfläche, auf der die Villa Herfurth von 1893 schräg ans Eck gestellt ist. Die nach der Wende gegründete Galerie für zeitgenössische Kunst (GfZK) befindet sich seit 1998 in dem Gebäude, das vom Dresdner Architekten Peter Kulka adaptiert und erweitert wurde. Nun gibt es einen intelligenten Neubau. 

Grüntuch Ernst: Marie-Curie-Gymnasium in Dallgow-Döberitz | Marie Curie Secondary School in Dallgow-Döberitz

Photos: Werner Huthmacher; Text: Robert Temel
Nachrüstung im Speckgürtel

In den Gebieten außerhalb der Stadtgrenze nahm die Bevölkerung seit der Wende um mehr als 20 Prozent zu, während die äußeren Randregionen Brandenburgs immer leerer werden – was früher tote Grenze zu Westberlin war, ist jetzt plötzlich attraktiv. Nun folgen hier endlich die nötigen staatlichen Bildungsbauten. 

Peter Eisenman: Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin | Memorial to the Murdered Jews of Europe, Berlin

Photos: Roland Halbe; Text: Matthias Boeckl
Denkmal der Diskrepanz

Sechzig Jahre nach Kriegsende gibt das neue zentrale Holocaust-Denkmal Deutschlands Auskunft über den aktuellen Stand der Memorialkultur-Debatte. Dass man aus den zahllosen Vorschlägen für das Memorial seinerzeit das Projekt von Peter Eisenman ausgewählt hat, entsprach dem damaligen Wunsch nach Größe. Auch dass man später eine Kehrtwende vom abstrakten Symboldenken des amerikanischen Theorie-Stars zu lapidarer Information vollzog, ist Resultat der Radikalität, mit der die intellektuelle und politische Elite Deutschlands hier ursprünglich zu Werke gegangen war. Das Ergebnis ist nun ein eigenwilliges Zwitterwesen, das dem Charakter Deutschlands mit seinen radikalen Gegensätzen entspricht. So reflektiert das Holocaust-Memorial auch die schwierige kulturelle Gesamtsituation Europas. 

Klaus Block: Kinder- und Jugendmuseum MACHmit!, Berlin | MACHmit! Children’s and Youth Museum, Berlin

Photos: Ulrich Schwarz; Text: Claus Käpplinger
Vertikales Labyrinth im Kirchenschiff

Viele Kirchengebäude stehen heute in Deutschland zur Disposition, da die Zahl der aktiven Gemeindemitglieder und die Kirchensteuern stark rückläufig sind. Die Erhaltung dieser Gebäude überfordert viele Gemeinden, weshalb in den nächsten Jahrzehnten immer häufiger Sakralbauten zu Profanbauten umgewidmet werden. Ein gelungenes Beispiel dafür ist das Kinder- und Jugendmuseum “MACHmit!” in der früheren Eliaskirche im Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Einen überraschenden Raumkörper, ein vertikales Labyrinth hat hier der Architekt Klaus Block geschaffen, das sich sensibel und dennoch zugleich markant in das frühere Kirchenschiff implantiert.


Small&Smart

petersen pörksen partner: Scheune am Schaalsee in Techin | Barn on the Schaalsee in Techin

Photos: Stephan Baumann; Text: Olaf Bartels
Moderne Bauform, intern

Als Deutschland noch geteilt war, verlief der innerdeutsche Grenzzaun direkt neben der alten Scheune und das Dorf Techin, in dem sie steht, lag in einem DDR-Sperrbezirk. Seit der Deutschen Einigung ist hier viel passiert, an einigen Häusern wird noch heute gebaut. Man scheint aufholen zu wollen, denn die Zeit ist hier am Ostufer des Schaalsees weniger schnell vergangen als anderswo. Aber diesen Eindruck will man im Dorf bewahren und hält sich mit modernen Architekturformen zurück. Auch der Architekt Markus Kaupert (Partner im Büro petersen pörksen partner) rekonstruierte zunächst die Scheune, baute innen neu und bekam dafür den Landesbaupreis Mecklenburg-Vorpommern 2004. 

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