architektur.aktuell 06/2007

architektur.aktuell 06/2007

architektur.aktuell

Michael Maltzan: Skid Row Housing/Rainbow Apartments, Los Angeles, USA

Photos: Wil Carson; Text: Bradley Wheeler
Regenbogen über Skid Row

Es ist 16.10 Uhr im Herzen von Skid Row (dem homeless-Viertel von Los Angeles). Auch wenn die Sonne an diesem Frühlingsabend nicht vor 19.30 Uhr untergehen wird, treffen die Obdachlosen aus allen Richtungen ein, bauen ihre Karton-Unterkünfte auf, machen Feuer in Abfalleimern und bereiten sich für eine lange Nacht vor. Heute, wie jede Nacht, wird es ein Kampf ums Überleben. In einer Szene wie in einem Brueghel-Bild wird die Essenz des Lebens auf die fundamentalen menschlichen Notwendigkeiten heruntergeschraubt: Essen, Behausung und Hygiene. Und dennoch gibt es in diesem Wahnsinn Hoffnung für diese Mittellosen, dank des beharrlichen Bestrebens des zukunftsorientierten Architekten Michael Maltzan.


Dietrich | Untertrifaller, Hermann & Johannes Kaufmann, Hubert Rieß: Wohnsiedlung am Mühlweg, Wien | Housing development on Mühlweg, Vienna

Photos: Bruno Klomfar, Thomas Gomilschak, Michael Schuster; Text: Matthias Boeckl
Vom Experiment zum Standard

Vor vier Jahren begann in Floridsdorf eine vorsichtige Liaison des traditionsreichen Wiener sozialen Wohnbaus mit neuartigen Holzbauweisen. Als Testfall diente dort die Wohnanlage Spöttlgasse von Hubert Rieß, einem österreichischen Pionier des Genres. Was vor der Wiener Bauordnungsnovelle 2001 noch schwer vorstellbar schien, wurde mit Projekten wie diesem, spätestens aber mit jenem vom Mühlweg realisierbar und könnte nun zum Standard werden. Auch wenn die Bauträger nach wie vor nur von “Demonstrationsprojekten” und hohen Kosten sprechen: Mehrgeschoßige Holzwohnbauten sind ökologisch hochwertig, (mit Förderungen) finanzierbar, technisch machbar, formal flexibel und kommen daher auch bei den Nutzern gut an. Holzbau-Architekten, Bauträger und Behörden haben nun ihre Erfahrungen und gegenseitigen Erwartungen einander angenähert sowie Vorurteile abgebaut – am Mühlweg kann man so den ersten Routinefall der neuen Bauweise unter den Bedingungen des dichten Regelwerks im Wiener sozialen Wohnbau kennen lernen.


Essay

Materialforschung und Architektur – Fortschritt durch große Demonstrationsprojekte | Material Research and Architecture – Progress through major demonstration projects

Text: Robert Temel
Die Baubranche ist ein Sorgenkind der Forschungspolitik – und das gilt genauso für Architekten und Planer wie für Ausführende und Produzenten. Obwohl die Bauwirtschaft durch ihre Größe (mehr als 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) eminente volkswirtschaftliche Bedeutung besitzt, ist ihre Forschungsquote lächerlich niedrig. Ein Bereich, in dem es vergleichsweise noch am Besten läuft, ist die Materialforschung, die Entwicklung neuer und die Verbesserung bereits existierender Baumaterialien. Doch auch hier gibt es noch vielfältige Möglichkeiten für Innovation, die am wirksamsten im verdichteten Wohnbau gezeigt werden können. 

 

huggen_berger: Wohnbau Zurlindenstraße in Zürich, Schweiz | Apartment Building on Zurlindenstrasse in Zurich, Switzerland

Photos: Beat Bühler; Text: Kornel B. Ringli
Lustvolle Detaildichte

Das junge Architektenduo huggen_berger hegte beim Entwurf für sein Wohngebäude im Stadtbezirk Wiedikon nicht nur architektonische Ambitionen – neben dem städtischen sollte auch das soziale Gefüge positiv beeinflusst werden. Entstanden ist ein Gebäude, das geeicht ist am Vorhandenen und Bewährten. 

 

RUNSER / PRANTL architekten: FamilienRAThaus, SOS-Kinderdorf Wien-Floridsdorf | FamilienRAThaus, SOS Children’s Village, Vienna-Floridsdorf, Austria

Photos: Margherita Spiluttini; Text: Ursula Graf
Dorf findet Stadt

Der Grundstein zu den derzeit weltweit über 440 SOS-Kinderdörfern wurde 1949 in der Tiroler Kleinstadt Imst gelegt. Eines der 26 im Jahr 2006 errichteten Projekte ist das erste urbane SOS-Kinderdorfprojekt Österreichs, ein internationales Pionierprojekt, das dem Gründer dieses großen, privaten, konfessionell und politisch unabhängigen Sozialwerkes, Hermann Gmeiner (19191986), alle Ehre macht. Die Architekten Christa Prantl und Alexander Runser führen die geglückte Loslösung vom “Dorf” unter Bewahrung der Prinzipien Gmeiners inmitten einer Stadt vor.


Essay

Das avantgardistische Triest -Sozialer Wohnbau in der k.u.k.-Monarchie und die Folgen | Avant-garde Trieste – Social Housing in the Habsburg Monarchy and its Effects

Text: Diego Caltana
In Mitteleuropa ist im sozialen Wohnungsbau unter all den Erfahrungen, die aus Versuchen, Recherchen und Innovationen resultierten, die Episode des Roten Wien die wohl wichtigste und bemerkenswerteste. Doch die Wurzeln dieses Projekts liegen im vielgestaltigen und noch wenig bekannten Geflecht philanthropischer Initiativen, gesetzesgeberischer Maßnahmen und erster Schritte der öffentlichen Hand, das zur vorigen Jahrhundertwende in einigen Städten des österreichisch-ungarischen Reichs entstand. Eine zentrale Rolle spielt darin der Bautypus des Hofes, der politischen Veränderungen und Modellversuchen zu neuen Arten des Wohnens trotzt.

 

gerner°gerner plus: Wohnbau “MEI”, Wien-Donaustadt | “MEI” housing development, Vienna-Donaustadt, Austria

Photos: Manfred Seidl; Text: Robert Temel
Goldhaube

Unweit der Wagramer Straße in Wien-Donaustadt, entlang derer die soeben eröffnete Verlängerung der U-Bahnlinie U1 läuft, befindet sich das Grundstück des gemeinnützigen Bauträgers Gesiba. Architekten S&S (Cornelia Schindler und Rudolf Szedenik) und das Atelier gerner°gerner plus wurden mit der Planung von insgesamt 146 geförderten Mietwohnungen direkt beauftragt. Der Bauteil von gerner°gerner plus liegt unmittelbar gegenüber der größten geschlossenen Siedlungsanlage der Wiener Zwischenkriegszeit, nämlich der ab 1923 von dem Stadtbauamts-Mitarbeiter Karl Schartelmüller errichteten Freihofsiedlung.


SNAPSHOT

RAHM architekten: Der Sprung ins kalte Wasser | The leap into ice-cold water

Text: Andrea Nussbaum
Der Sprung ins kalte Wasser

Ein realisiertes Einfamilienhaus, zahlreiche andere im Modell und in der Schublade, ein Badesteg, zwei Ordinationen, Möbelentwürfe, Theaterausstattungen, Ladengestaltungen und knapp an einem Großauftrag vorbei – so geht es vielen Architekturbüros in Wien und anderswo. Wie man überlebt und dennoch nicht die Lust an der Architektur und dem innovativen Bauen verliert, zeigen RAHM architekten. 


David Chipperfield: Freshfields Bruckhaus Deringer, Amsterdam, Niederlande

Photos: Bruno Klomfar; Text: Matthias Boeckl
Das Atrium-Büro

Ein Bürohaus ist ein Bürohaus ist ein Bürohaus. In Anlehnung an Gertrude Stein könnte man das von den meisten einschlägigen Immobilien sagen. Anders macht es der deutsche Investor und Developer DEKA: Dort begnügt man sich nicht mit Standardobjekten, sondern schafft mit ureigensten Architekturqualitäten wie Raum und Licht, Material und Wegführung hochwertige Qualitäten, die man in diesem Metier sonst kaum erwarten würde.

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