architektur.aktuell 07/08/2005

architektur.aktuell 07/08/2005

nodes of culture

OMA: Casa da Música in Porto, Portugal

Photos: Christian Richters; Text: Dominique Boudet
Neues vom Magier

Die Einweihung des Konzerthauses von Porto schließt in spektakulärer Weise eine Serie rezenter Projekte von OMA/Rem Koolhaas ab. Nach dem Student Center des IIT-Campus in Chicago, nach der niederländischen Botschaft in Berlin und der Central Library von Seattle ist die Casa da Música ein neues und überraschendes Beispiel dafür, wie Rem Koolhaas und sein Team Bauprogramme übertreffen und außergewöhnliche architektonische Objekte entwickeln. (&)


Essay

Mansilla + Tuñón: Kunstforum MUSAC in León, Spanien | MUSAC Art Forum in León, Spain

Photos: Roland Halbe; Text: Klaus-Dieter Weiß
Anagrammatische Architektur

Der scheinbar fensterlose, introvertierte Glasbehälter für zeitgenössische Kunst im Herzen Spaniens dient dem Modernisierungsschub einer Problemregion, die kaum Industrie und die geringste Bevölkerungsdichte Europas aufweist. Als expressives System gelingt es dem Bau, sich den Manifestationen der Gegenwartskunst räumlich nahezu grenzenlos zu öffnen. Gleichzeitig zeigt die alte iberische Kapitale ausgerechnet in ihrer diffusen Peripherie ein grandioses Symbol für Dichte und Verstrickung – aufgeladen durch die elektronische Umsetzung der farbigen Fenster der Kathedrale. 

Morphosis: Caltrans District 7 Headquarters, Los Angeles, USA

Photos: Roland Halbe; Text: Andrea Nussbaum
Athletisch im Krafttheater

Thom Mayne hat es geschafft: Soeben wurde er mit dem begehrten und hochdotierten Pritzker Prize 2005 ausgezeichnet. Die Aufträge in seinem Atelier in Santa Monica häufen sich. Und downtown L.A. hat er vor kurzem mit einer kraftvollen, städtischen Intervention bereichert. Das mächtige Caltrans Building nimmt zwar einen ganzen Block im Straßennetz ein, will aber mit einer lockenden Plaza im autobesessenen L.A. eine kosmopolitische, vor allem nachhaltige Urbanität schaffen, obwohl das nicht alle Bewohner und Betreiber von downtown so sehen wollen.


Essay

Brücken für Caracas | Bridges for Caracas

Text: Norbert Mayr
Ein wegweisendes Stadtsanierungsprojekt in Venezuela

Mit einer zu 75% bettelarmen Bevölkerung, einer bis vor kurzem nicht vorhandenen Zentralverwaltung für fünf verfeindete Stadtbezirke sowie einer für Autos statt für Menschen gemachten Infrastruktur gilt Caracas als Prototyp der massiven urbanen Entwicklungsprobleme Lateinamerikas. Seit 1998 arbeiten Hubert Klumpner und Alfredo Brillembourg an Planungsstrategien, die mit vergleichsweise kleinen Interventionen direkt und effizient die Lebensqualität in den Barrios verbessern. Nun scheint – unter anderem durch einen neu etablierten Oberbürgermeister – endlich auch auf der politischen Ebene einiges in Bewegung zu geraten…

Feichtinger Architectes: Kunsthaus Weiz, Steiermark | Austria

Photos: Paul Ott; Text: Matthias Boeckl
Kunst, Technik, Zukunft

Die Bezirksstadt Weiz in der Oststeiermark könnte als Modellfall der verantwortungsvollen Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik für eine Region im tief greifenden Strukturwandel reüssieren: Trotz Globalisierung, trotz massiver Angriffe des realitätsfernen Finanzmarkts auf gewachsene Wirtschaftsstrukturen und trotz der in ganz Europa drohenden Kernstadtverödung bringt es Weiz zustande, einen sozial verträglichen Kurs in die ungewisse neue Zeit zu steuern. Für die Architekturszene beispielhaft und lehrreich: Dieser Stadtumbau wird durch eine öffentliche Kulturfunktion unterstützt, welche die Bürger noch dazu mit einer avancierten Ästhetik konfrontiert. Und es funktioniert! 

Riepl Riepl: Kulturhaus Römerfeld in Windischgarsten, Oberösterreich | Austria

Photos: Josef Pausch; Text: Romana Ring
Vom Dunkel ins Licht 

Windischgarsten auf 600 Meter Seehöhe unweit des Phyrnpasses war immer schon ein Zentrum der Region. Diese ist als Teil der so genannten Eisenwurzen, einem Wirtschaftsraum, der mit seiner Industrie die Versorgung halb Europas mit Eisenwaren aller Art ermöglichte, ursprünglich nicht von der Landwirtschaft und schon gar nicht vom Tourismus geprägt. Das mag den überraschend geringen Anteil an Nächtigungszahlen steigernden Kulissen in einem der putzig-lieblichsten Luftkurorte Oberösterreichs erklären. Windischgarsten schöpft, was Baukultur anbelangt, aus dem Vollen und hat überdies seine Lektion daraus gelernt. 

Siegfried Delueg: Studentenhaus St. Michael in Brixen, Italien | St. Michaels Student Residence in Brixen (Bressanone), Italy

Photos: Ludwig Thalheimer, Günter R. Wett; Text: Bettina Schlorhaufer
Mehr als eine Schlafburg 

Durch zahlreiche neue Bildungseinrichtungen erfährt das urbane Gefüge der mittelalterlichen Stadt Brixen neue Dynamik: Junge Leute beleben die Stadt und mit den neuen Bildungsbauten ist auch eine neue Baukultur eingezogen, die ganz im Südtiroler Trend der selbstbewussten, soliden Innovation liegt. Siegfried Deluegs Studentenhaus ist ein perfektes Beispiel dafür. 

S.O.F.A. architekten: Besucherzentrum “Gärten von Schloss Trauttmansdorff” in Meran, Italien | Visitors Centre “The Gardens of Trauttmansdorff Castle” in merano, Italy

Photos: Bildraum Trauttmansdorff 2004; Text: Bettina Schlorhaufer
Gebaute Flora

S.O.F.A. architekten waren bei ihren Planungen schon mehrmals mit Um- oder Zubauten an historischen Ensembles konfrontiert. Mit ihrem Zugang zur Architektur konnten sie für spannende Auswirkungen auf das historische Umfeld ihrer Entwürfe sorgen. Erwartungsgemäß trifft das auch auf ihr neues Besucherzentrum in Meran zu.


Small&Smart

Ullmann/Ebner: Museum Heldenberg, Kleinwetzdorf, Niederösterreich | Austria

Photos: Margherita Spiluttini; Text: Matthias Boeckl
Subtile Balance

Die Privatweihestätte eines Militärfans des 19. Jahrhunderts für die k.k. österreichische Armee ist ein bekanntes Kuriosum. Ein Heereslieferant und Gläubiger des großen österreichischen Feldherrn Radetzky errichtete hier rund um dessen Grabstätte Stelen, Obelisken und sogar eine Säulenhalle im Kleinformat – eine Art Forum Romanum in Legolandgröße, das berühmten Kriegshelden huldigt. Für die niederösterreichische Landesausstellung 2005 wurde die verfallende Anlage generalsaniert und mit einem zusätzlichen Ausstellungsraum aufgewertet, der auch andere Themen als jene der Militärgeschichte präsentieren kann. Die Architekten wollten zu der filigranen Anlage des 19. Jahrhunderts nicht in Konkurrenz treten. (&)

n-o-m-a-d: Haus Boder in Rottenmann, Steiermark

Photos: n-o-m-a-d; Text: Andrea Nussbaum
Von der Idee des Doppelschwungs

Vom desolaten Zustand über das Bewohnbarmachen in kürzester Zeit bis hin zum architektonischen Zeichen – so könnte man in Kurzfassung die Aufgabe der Architektengruppe n-o-m-a-d beschreiben, als sie sich an die Herausforderung des Umbaus eines 1950er-Jahre-Hauses in der Steiermark machten.
n-o-m-a-d, ein Network von Cyberdenkern/-architekten, die in den Städten London, Wien, Graz, Edinburgh und Baltimore agieren, entschieden, die Einfachheit des Bestandes in den wesentlichen Zügen zu erhalten, die funktionale Grundfiguration jedoch grundlegend zu modifizieren. Anstatt der seriellen Raumerschließungen (Durchgangszimmer) entschlossen sie sich zu einem Zubau mit Erschließungsgang, der auch die Infrastruktureinrichtungen des Hauses aufnimmt. Ausgeführt wurde der Zubau in Form eines Doppelschwungs aus unbehandelten Lärchenholzbrettern, was – wie n-o-m-a-d betonen – zu einer Enttypologisierung des Hauses führt und gleichzeitig eine eindeutige Grenze nach Norden als Abgrenzung zu den benachbarten Wohnbauten bildet. Vom Inneren her werden die Übergänge zu den Außenbereichen durch geschützte Terrassen “weicher”. Da die Erschließung des Grundstückes nach Norden verlegt wurde, öffnet sich das Haus zur Gänze in den südlichen Garten.
Konstruktiv gesehen war man auf Einfachheit bedacht: “Die geschwungene Außenfassade ergab sich aus ebenen Holzrahmen mit unterschiedlichen Distanzen zum Bestand als Gerüst für eine Riegelbauweise, auf denen eine unbehandelte Lärchenschalung befestigt wurde”, so die beschreibende Erklärung der Architekten. Neue Fensteröffnungen zur Terrasse und Garten wie auch die Neugliederung des Erdgeschoßgrundrisses schaffen eine erweiterte Großzügigkeit. Und das alles bei knappsten Budgetvorgaben.

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