architektur.aktuell 09/2000

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architektur.aktuell

To Be Ortlos

Von|by ortlos

“Solange diese letzten echten öffentlichen Räume – mit ihren demokratischen Räuschen, Risiken und unparfümierten Gerüchen – nicht völlig ausgestorben sind, wird Los Angeles nicht vollständig befriedet sein.” Mike Davis. City of Quartz. Die Projekte über und für die Stadt, im Gegensatz zu den städtebaulichen Projekten, haben eine andere Logik und entwickeln eine eigene Existenz. Historisch gesehen hatte die Kontrolle der Straßen durchaus Bedeutung. Heute ist die Unterbrechung des Zugriffs auf Informationen eines der wirkungsvollsten Mittel, um Institutionen, seien sie Teil militärischer oder ziviler, privater oder staatlicher Unternehmen, zu lähmen.


Cohen & Judin: Nelson Mandela Museum in Umtata/Qunu/Mvezo, Südafrika|South Africa

Von|by Hilton Judin
Kultur als Infrastruktur

Bei der Konzeption des Mandela Museums ergab sich eine wichtige Verschiebung vom traditionellen Museum als reine “Aufbewahrungsstätte” (in diesem Falle von Geschenken an Nelson Mandela) zur Entwicklung von drei miteinander in Verbindung stehenden Orten – Umtata, Qunu und Mvezo, die alle drei als Museum im Kollektiv dienen. Dieser Wechsel im musealen Konzept sah vor, dem Museum als Speicher “ruhender” Gegenstände eine kulturelle “Arbeitsstätte” entgegenzustellen: Das Museum als Einrichtung, die die Geschichte und die Traditionen von Gemeinden durch alltägliche Handlungen in Erinnerung ruft.


noncon:form: Tribüne für das Sommertheater in Haag, Niederösterreich|Outdoor Auditorium for the Summer Theatre in Haag, Lower Austria

Von|by Matthias Boeckl
Stadt-Dramaturgie

Kunst als ein öffentliches, identitätsstiftendes Projekt – das gelingt im Spannungsfeld zwischen elitären Festspielen und volkstümelnden Kommerzproduktionen nur selten. Die Spontaneität einer Gruppe von Theatermachern, Kulturmanagern, Politikern und nicht zuletzt Architekten zeigt in einer niederösterreichischen Kleinstadt, dass die Nachfrage nach immer neuen Formen des Entertainments bei günstiger Konstellation auch zu frischen Interpretationen des öffentlichen Platzes und zu seiner Neubelebung führen kann. Die junge Architektengruppe noncon:form zeigt mit ihrem ersten Projekt, wie mithilfe einer anspruchsvollen, demontierbaren Holzkonstruktion eine Freilichttribüne nicht nur wetterfest gemacht wird, sondern auch überraschende stadträumliche Effekte erzielen kann.


Benthem Crouwel Architekten: Anne Frank Haus in Amsterdam, Niederlande|Anne Frank House in Amsterdam, The Netherlands

Von|by Klaus-Dieter Weiß
Öffentlicher Zufluchtsort

Amsterdam, die Stadt mit der größten Museumsdichte weltweit, beherbergt mit dem Versteck der aus Frankfurt geflohenen Anne Frank im Hinterhaus von Prinsengracht 263 eine Gedenkstätte, die sich des Ansturms der Besucher aus aller Herren Länder kaum erwehren kann. Angesichts des Wiederauflebens von Ausländerhass und Nationalismus nicht nur in Deutschland mag der Ansturm von 800.000 Besuchern im letzten Jahr ein positives Zeichen sein, beruhigen darf dieses Interesse nicht. Denn die verirrten neuen Rädelsführer werden den Weg nach Amsterdam nicht finden, sie leugnen auch diese Spur des Holocaust. Umso wichtiger erscheint es, der deutschen Sprache im Museum mehr Gewicht zu geben.


Sauerbruch Hutton Architekten: Des-Limites, Riachuelo-Matanzas-Tal-Projekt in Buenos Aires, Argentinien|Des-Limites, The Riachuelo-Matanzas Valley Project in Buenos Aires, Argentina

Von|by Catherine David
Olympia statt Le Corbusier

Des-Limites ist ein engagiertes, interdisziplinäres, internationales städtebauliches Umweltsanierungsprojekt in Buenos Aires. Es entstand 1997 im Rahmen eines Workshops unter der Leitung von Matthias Sauerbruch (Sauerbruch & Hutton/Berlin), unter Teilnahme junger Architekten aus Buenos Aires (Cecilia Alvis) und Berlin (Susanne Hofmann, Juan Lucas Young) zusammen mit der Künstlergruppe “el futuro esta en el papel pintado de la bauhaus” (“der bauhaus-tapete gehört die zukunft”). Zustande kam der Workshop über eine Einladung des Goethe-Instituts Buenos Aires und der Universidad Torquato Di Tella.


Essay

Peruvians Make Lima – Dritte Generation für die dritte Welt|Third Generation for the Third World

Von|by Maddalena Scimemi

Im März 1969 landete am Flughafen von Lima eine Schar junger Architekten unterschiedlichster Provenienz. Es waren 13 Persönlichkeiten, die eine internationale Kommission weltweit ausgesucht hatte: die Wahl war dabei auf jene gefallen, deren – Ende der 1960er Jahre mehr oder minder konsolidierte – planerische Erfahrung sich durch eine besondere Sensibilität gegenüber dem Problem eines kostengünstigen Siedlungsbaus im städtischen Raum auszeichnete. Der zehntägige Aufenthalt in Lima sollte es den Architekten aus der industrialisierten Welt ermöglichen, die klimatischen und geografischen Gegebenheiten in Peru hautnah zu erleben, vor allem aber die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen des städtischen Lebensraums in der peruanischen Hauptstadt verstehen zu lernen.


ortlos architects: City at Once – New Playa Vista, Los Angeles, California/USA

Von|by Andrea Nussbaum
Vom Masterplan zum Stadt-Drehbuch

Ein unbebautes Areal in Los Angeles, dreimal so groß wie der Central Park in New York, etwa so groß wie Graz, haben sich ortlos architects als Experimentierfeld ihrer städtebaulichen Methoden, die sie gerade auf Einladung vom Massimiliano Fuksas auf der Architekturbiennale in Venedig präsentieren, ausgesucht. “City at once” (“die Stadt – jetzt und auf einmal”) nennen sie die von ihnen entwickelte komplexe urbane Landschaft, deren Planung bewusst noch keinen Abschluss fand, weil Städtebau für ortlos mehr ist als die strenge Geometrie eines Masterplans.


Interview

Architektur als globales Investment|Economies’ Faith in Architectural Creation
Matthias Boeckl im Gespräch mit|in conversation with Enrique Norten

Die JVC City in Guadalajara, Mexico, gehört zu den umfassendsten privat initiierten Stadtplanungsprojekten der Gegenwart. Auf ca. 300 Hektar Fläche entsteht ein Quartier mit vielfältigen privaten und öffentlichen Funktionen, darunter ein Kongress- und Ausstellungszentrum (Planung: Enrique Norten), ein Infotainment-Gebäude (Coop Himmelb(l)au), eine Sport- und eine Messeanlage und vieles mehr. Multi-Unternehmer Jorge Vergara, dessen Omnilife-Konzern Initiator und Bauherr des Großteils des Quartiers ist, zeigt sowohl als Unternehmer wie auch als Bauherr visionäre Qualität.


Johannes Fiedler: Austrian Housing Project, Khan Younis, Gaza

Von|by Johannes Fiedler
Über das Austrian Housing Project in Khan Younis, Gaza

Die Idee des Austrian Housing Project geht auf die Vorbereitungskonferenzen zum Oslo-Friedensvertrag im Jahr 1993 zurück. Darin verpflichteten sich zahlreiche Organisationen und Staaten, den Friedensprozess und die Schaffung einer autonomen palästinensischen Verwaltung auch materiell zu unterstützen. Österreich sagte einen größeren Betrag zu, der unter anderem für die Umsetzungen von Wohnbaumaßnahmen in den palästinensischen Autonomiegebieten dienen sollte. Es ging darum, jenen Personen, die für das Funktionieren einer öffentlichen Verwaltung erforderlich sind, und deren Angehörigen angemessenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Der österreichische Beitrag zu diesem Projekt war mit 100 Millionen Schilling festgelegt worden.


Johannes Fiedler: Austrian Housing Project, Khan Younis, Gaza

Von|by Eyal Weizman & Carola Dietrich
Wohnbau-Politik

Khan Younis, wo ein von Österreich finanzierter Wohnbau jüngst fertiggestellt wurde, und Gaza City zeigen gleichermaßen die Probleme eines durch Siedlungspolitik “zweigeteilten” Landes. Als sich die Städte ausweiteten, begann sich auch das Leben ihrer Einwohner von “horizontal” auf “vertikal” zu verschieben. Geld, Macht, Dichte, Planen und Wohnen wurde immer stärker an der Höhe der Gebäude gemessen. Gaza ist ein Landstreifen mit viel Strand: 40 km Küste mit einer durchschnittlichen Breite von 8 km. Der Strand ist jener Ort, der vom Rückzug des israelischen Militärs am meisten profitiert, denn seit der Besetzung des Gaza Streifens im Jahr 1967 ist nahezu der gesamte Ausbau der Infrastruktur den jüdischen Siedlungen zu Gute gekommen.


Neno Kezic: Wohnhaus Bucal in Split, Kroatien|Bucal Apartment House in Split, Croatia

Von|by Vera Grimmer
Die aufklappbare Box

Der städtische Organismus von Split steht einerseits paradigmatisch für eine mediterrane Stadt, andererseits vermittelt er auch widersprüchliche und vielschichtige Bilder. Aus dem römischen Palast, den Kaiser Diokletian um das Jahr 300 als Sommerresidenz und Alterssitz bauen ließ, ist durch Überwucherungen und Metamorphosen während einer Zeitperiode vom Frühmittelalter bis zu unserer Zeit der heutige Stadtkern entstanden. Die Umwandlung des Palastes begann im 7. Jahrhundert, als Bewohner der nahen Stadt Salona darin Zuflucht vor den Awaren fanden. Das Kaisermausoleum wurde zur Kathedrale, ein Wachekorridor innerhalb der Stadtmauer verwandelte sich in eine frühromanische Kapelle.


Georg W. Reinberg: Solarsiedlungen in Salzburg-Gneis und in Wien-Aspern, Österreich|Solar Estates in Salzburg-Gneis and in Vienna-Aspern, Austria

Von|by Norbert Mayr
Sunny Side Up oder Besonnene Architektur

Der Ölschock vor mittlerweile fast 30 Jahren führte den Raubbau an den Ressourcen der Erde – nach Jahrzehnten schier unbegrenzten Wachstums – drastisch vor Augen. Angesichts der längst bekannten, trotzdem weiter wachsenden global vernetzten Umweltprobleme ist der Fatalismus oder Ankündigungs-Aktionismus auf der überregionalen politischen Ebene umso unverantwortlicher. Gleichzeitig beschäftigt die Verbesserung der konkreten Lebens- und Wohnbedingungen viele Menschen. Der sparsame Umgang mit Energie, die Suche nach erneuerbaren Energiequellen, die ökologische Gesamtbelastung eines Gebäudes bis zu einer künftigen Entsorgung und auch die Baubiologie.

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