architektur.aktuell 09/2002

architektur.aktuell 09/2002

cultural structures II

Daniel Libeskind: The Imperial War Museum North in Manchester, Großbritannien | The Imperial War Museum North In Manchester, England

Photos: Len Grant, Sören Bisgard, S. Swickerath, A. Nussbaum; Text: Andrea Nussbaum
Das Bauwerk als Erzählung

“Why War?”, wird in der multimedialen Panorama-Präsentation gefragt. Die Frage lässt sich wohl nie hinlänglich beantworten, schon gar nicht durch ein Bauwerk. Und dennoch ist Daniel Libeskinds Architektur zum neuen Imperial War Museum North in Manchester der symbolträchtige Versuch einer narrativen Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Krieges.


Ortner & Ortner: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Deutschland | Saxony Federal State Library – Dresden State And University Of Technology Library, Germany

Photos: Stefan Müller; Text: Matthias Boeckl
Monument der Zeitenwende

Am Übergang von einem System ins andere gewinnen große öffentliche Bauten fast zwangsläufig eine ideologische Bedeutung, werden zum politischen Statement gegenüber dem Alten und zum Entwurf des Zukünftigen: Die neue Dresdener Bibliothek entstand als Folge des Systemwechsels von der DDR zum wiedervereinigten Deutschland und steht zudem an der Schwelle der analogen zur digitalen Speicherung von Wissen. Welche alten Tugenden und welche neuen Features diese immer noch machtvolle Kulturdemonstration in einer fundamentalen Umbruchssituation erfüllen soll, versuchen Ortner & Ortner hier exemplarisch zu beantworten.


Stephan Braunfels: Pinakothek der Moderne in München, Deutschland | Pinakothek der Moderne In Munich, Germany

Photos: Achim Bunz, Reinhard Görner, Ulrich Schwarz, Jens Weber; Text: Wolfgang Jean Stock
Helle Enfiladen: Hommage an Klenze

Als “schwere Geburt eines schönen Kindes” wird die Errichtung der Münchner Pinakothek der Moderne bezeichnet. Ganz zu Recht: Seit dem Wettbewerb im Jahr 1992 war der Planungs- und Bauprozess von bösen Gerüchten, juristischen Auseinandersetzungen und politischen Debatten begleitet. Mehrfach wurde die Fertigstellung des bislang größten deutschen Museumsneubaus verzögert, doch nun ist dieses Schatzhaus der modernen Künste eröffnet – mit seiner einzigartigen Vielfalt von Malerei und Skulptur, Grafik, Architektur und Design. Vier bedeutende Sammlungen haben hier unter einem Dach ihre neue Heimat gefunden.


Erich G. Steinmayr & Friedrich H. Mascher: Erweiterung und Umbau der Graphischen Sammlung Albertina, Wien | Extension And Reconstruction Of The Albertina Graphic Arts Collection In Vienna, Austria

Photos: Anna Blau, Margherita Spiluttini; Text: Matthias Boeckl
Tiefe Schichten

Die nötige Modernisierung und Erweiterung traditioneller Kulturinstitutionen stößt in der alten europäischen Kernstadt geradezu zwangsläufig auf mehr oder weniger wertvolle historische Ablagerungen. Wenn zudem das Stadtbild nicht verändert werden darf, ist der Gang in den Untergrund fast unvermeidlich: Dort gibt es sowohl eine gewisse Freiheit für die Planer als auch eine unmittelbare physische Konfrontation mit dem Stadtkörper. Im Falle der Wiener Albertina entstand zudem ein intelligentes Gerät auf der Höhe zeitgenössischer Museologie.


Essay

Only bad news is good news?

Text: Roman Höllbacher
Rückblick auf den Salzburger Architektursommer

Seit Gerard Mortier als Intendant der Festspiele die Stadt verlassen hat, geht es hier wieder beschaulicher zu. Vorbei die Zeiten, als provokante Statements und aufreizende Inszenierungen so manchen Feuilletonisten zur Weißglut trieben. Salzburg hat sich zur Genesung wohlfeilen Kunstgenuss und ein wenig Katharsis verschrieben. Wen wundert’s, angesichts der Ereignisse rund um das an Skurrilität kaum zu überbietende Dramolett mit dem verschrobenen Titel “Verhandlungsverfahren für den Umbau des Kleinen Festspielhauses” – Untertitel “Ein Haus für Mozart”. Der banale Inhalt des Stücks ist rasch erzählt: In einem, sagen wir einmal großzügigen Wettbewerb, unterliegt ein älterer Architekt der jüngeren Konkurrenz. Öffentliches Messerwetzen mit pikanten Details ist die Folge. Einer der beteiligten jüngeren Architekten wirft seinem einstigen Lehrmeister vor, seit Jahr und Tag nur mehr “Investoren-Architektur” zu produzieren. Absurder Höhepunkt der Groteske ist die verwegene Idee, die Kontrahenten in eine Schein-Ehe zu zwingen, um den Zweitgereihten in den Auftrag einzubinden. Die starre Fixierung auf das mehr oder minder fiktive Datum 2006, in dem der 250. Geburtstag Mozarts mit dem adaptierten Haus gefeiert werden soll, ist längst zum Damoklesschwert geworden. Anstatt mit sattem Hieb einen Schlussstrich unter die verunglückte Causa zu ziehen, stehen die Zeichen auf weiterwursteln. Der aktuelle Ausweg: Am 13. September wurden die Projekte neu “bewertet”. Die einzige saubere Lösung wäre zuzugeben, dass von allen Seiten massive Fehler begangen wurden, das Jahr 2006 für die Eröffnung zu streichen und mit einem adaptierten Programm, das auch die Felsenreitschule und den Max-Reinhardt-Platz miteinschließt, neu transparent und öffentlich auszuschreiben. Und noch etwas. Das nun allerorten beklagte EU-Vergaberecht, weil so neu, kompliziert und undurchschaubar… diese Ansichten sind mit Verlaub schlichter Unfug. Die Vergaberegeln – das zeigt das Verfahren um das Kleine Festspielhaus in wunderbar hellsichtiger Weise auf – enthüllen bloß die hierorts herrschenden byzantinischen Zustände. Die Qualität von Architektur beschneiden sie in keinem einzigen Punkt, dafür sorgen andere. 

Globale Architektur-Politik | The Global Politics Of Architecture

Text: Matthias Boeckl
In Berlin fand der 21. Weltkongress der Architekten statt

Auf allen Ebenen fühlbare Diskrepanzen bestimmten das Ereignis. Sie bestanden nicht nur zwischen den Erwartungen an die 21. Weltkonferenz der Architekten und dem, was ein Kongress üblicherweise leisten kann. Auch die Inhalte und der Ort, an dem das meeting ausgetragen wurde, gaben ein schönes Symbol ab für die vielfachen Widersprüche, die das Architektendasein heute bestimmen. Denn der einzige Berliner Veranstaltungsort, der 4.000 Teilnehmern ein halbwegs funktionierendes Forum bieten kann, scheint leider immer noch das unsägliche International Congress Centrum (ICC) am Westkreuz zu sein – eine Schulbeispiel für einen auch städtebaulich völlig abgehobenen “Funktionalismus”, der noch dazu in den grobkantigen Zeitgeistformen der 1970er Jahre daherkommt und im Bauzustand allerorten die Finanzmisere der Stadt fühlen lässt. Jene der Veranstalter, des Bundes Deutscher Architekten (BDA), der hier als Statthalter der 1948 von dem soeben verstorbenen Pierre Vago gegründeten Union Internationale des Architectes (UIA) agierte, tat ein übriges, den Kongress in einem Stil zwischen einer UNO- und einer KPdSU-Konferenz mit Verköstigung durch vertrocknete Bouletten abzuführen. Die Finanzkrise des BDA, der vom Kongress eine internationale Aufwertung vor allem der deutschen Architektenschaft und bei regem Besuch auch eine ausgeglichene Bilanz erwartet hatte, wurzelte wohl auch in der mangelnden Attraktivität eines solchen eher bürokratischen Großereignisses in einer Zeit, in der viele sich die teure Teilnahmegebühr ersparen und lieber im Internet die Positionen der am Programm Angekündigten aufsuchen. Von einer Konferenz, in der routiniert Referat um Referat vor einem mehr oder weniger interessierten Fachpublikum abgespult wird, können auch kaum euphorische Impulse für das reale Baugeschehen einer Veranstalterstadt erwartet werden, die das noch dazu so nötig hätte wie Berlin. Da halfen auch diverse Exkursionen nichts, denn die Themen der Veranstaltung hatten mit den hausgemachten Problemen der deutschen Hauptstadt, von denen man vor allem in privaten Hintergrundgesprächen mehr erfahren konnte, als man eigentlich wollte, kaum etwas zu tun. 

Martin Kvasnica: Chatam Sofer Gedenkstätte in Bratislava, Slowakei | Chatam Sofer Memorial In Bratislava, Slovakia

Photos: Juraj Kralik, Andrej Ban; Text: Henrieta H. Moravcikova
Erinnerung an die Jeschiwa zu Pressburg

In Bratislava liegt unweit des Donauufers ein alter jüdischer Friedhof; in jüngerer Zeit in Vergessenheit geraten, war er einst, bis vor gut einem halben Jahrhundert, Pilgerstätte für orthodoxe Juden aus aller Welt, von Jerusalem bis New York. Der Grund ihres Besuchs war das Grab von Chatam Sofer, dem legendären Pressburger Rabbiner und Gelehrten. 

lichtblau . wagner: Pfarrzentrum in Podersdorf, Burgenland | Parish Centre In Podersdorf, Austria

Photos: Bruno Klomfar, Margherita Spiluttini; Text: Isabella Marboe
Wohnzimmer Gottes

Dialog zwischen Architekt und Gemeinde, Alt- und Neubau, Gott und Mensch, Priester und Kirchenvolk. Das neue Pfarrzentrum von lichtblau . wagner in Podersdorf am See ist eine Bereicherung für den Ort und ein durch und durch stimmiger, zeitgemäßer Sakralbau. Kontemplative Innenschau und Kommunikation sind hier kein Widerspruch. Transparent, lichtdurchflutet und durchlässig trägt dieses Pfarrzentrum seine offene Haltung nach außen.


Small&Smart

Hanno Vogl-Fernheim: Café-Bar-Restaurant Dengg in Innsbruck, Tirol | Dengg Café, Bar And Restaurant In Innsbruck, Austria

Photos: Günter Richard Wett; Text: Otto Kapfinger
“Speisen by Dengg”

Jahrzehntelang zählte das “Altstadtstüberl” zu den bürgerlichen Traditions-Lokalen der Stadt. Die Übergabe an die Tochter des Hauses brachte eine tiefgreifende Erneuerung. Die Räume wurden von allen Dekorationen befreit, mit dem Café und der Trafik im Nachbarhaus vereint und neu möbliert. Der Eingang wurde in die Mitte verlegt und führt auf eine Bar, die schon von außen als Blickfang wirkt und die ursprünglich getrennten Hausbereiche optisch und funktionell verbindet. Die Entschlackung der Altsubstanz schuf eine offene Raumfolge, die nun als elegantes, helles Kontinuum wirkt, in dem sich die Bereiche Bar, Café und Restaurant durch Materialwechsel und Höhendifferenzen fein unterscheiden: die Bar zeigt sich in Ahorn natur und braun gebeizt; das Café hat kleinere Tische aus Ahorn natur, dunkles Glattleder an den Bänken, schwarzen Schieferboden; im Restaurantteil gibt es größere Tische aus MDF-Platten, helles Rauleder, Akazienboden. Eine angenehme Lichtführung ergänzt die ganz aufs Essenzielle gestimmte Atmosphäre, in der sich die Qualitäten von Küche und Keller ebenso pur und konzentriert entfalten können.

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