architektur.aktuell 11/2000

architektur.aktuell 11/2000

architektur.aktuell

Glückliche Hochzeiten|Successful Marriages

Von|by Jabornegg & Pálffy

Betrachten wir die Museumslandschaft der letzten Jahre, so besteht sie aus einer Anzahl von Beiträgen, die Architektur entweder als spezifisches Kunstwerk sehen, als auratisches, bedeutungsvolles Objekt, das immer die Geschichte des Ortes vermitteln möchte, aber gleichzeitig seine eigene noch dazuerzählt. Oder aber wird das Nützliche zu solcher Perfektion getrieben, bis es jede spezifische, künstlerische Aussage überstrahlt, und daher der zweckgebundene Hintergrund unausweichlich zum Vordergrund wird.


 

Dokumentationsstelle Obersalzberg, Deutschland|Obersalzberg Documentation Centre, Germany

Von|by Matthias Boeckl
Einfach angemessen, oder: Keine Verführung

Was ist die angemessene Form der Erinnerung und Aufklärung über die NS-Zeit – und zwar an einem Ort der Täter, nicht der Opfer? Am Obersalzberg, Hitlers Bergidyll in Oberbayern, das er nach der Machtergreifung 1933 von einer beschaulichen Sommerfrische zu einem zweiten Regierungssitz mit eigenen Häusern aller Mitglieder seiner Machtclique ausgebaut hatte, sammelt man seit einem Jahr Erfahrung mit einer nüchternen Dokumentation, die in einer unspektakulären, dennoch einprägsamen Architektur untergebracht ist.


Angonese+Scherer/Waiz: Bergbaumuseum in Steinhaus, Ahrntal, Italien|Museum of Mining in Steinhaus, Ahrntal, Italy

Von|by Matthias Boeckl
500 Jahre, gespeichert

Museen, die historische Vorgänge oder deren Auswirkungen dokumentieren und zudem noch am Ort dieser Ereignisse in situ ein kritisches Bewusstsein der Besucher stimulieren sollen, müssen sich zuerst mit dem Problem ihrer eigenen baulichen Präsenz auseinandersetzen. Neubauten geraten dabei rasch in das Dilemma des Symbolhaften eines Entwurfs – was fast immer zu zeitgebundenen “Statements” der hier erzählten Geschichte gegenüber führt. Direktere Zugänge für Besucher, deren Neugier auf diese Weise sukzessive stimuliert wird, bieten gefühlvoll adaptierte bauliche Überreste, die in der dokumentierten historischen Handlung einst eine wichtige Rolle spielten.


Meinhard von Gerkan/gmp: Bergbauarchiv in Clausthal-Zellerfeld, Deutschland|Mining Archives Building in Clausthal-Zellerfeld, Germany

Von|by Klaus-Dieter Weiß
Archiv-Ausleger

Als Goethe und Heine den Harz bereisten, war Clausthal mit 9.000 Einwohnern eine große und wirtschaftlich bedeutende Bergbaustadt. Das Papiergeld war noch nicht erfunden, darum wurde viel Silber für das Prägen der Münzen benötigt und in den Bergwerken des Oberharz recht mühsam aus Bleierz bzw. Bleiglanz gewonnen. Erst heute, 70 Jahre nachdem jeder Bergbau eingestellt ist, versucht sich die kaum doppelt so große Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld von ihrer glanzvollen Vergangenheit zu lösen, um sich architektonisch zeitbezogen und innovativ zu artikulieren.


Günter Zamp Kelp: Jahrtausendblick Steinzeichen in Steinbergen, Deutschland|Millennium View Steinzeichen in Steinbergen, Germany

Von|by Claus Käpplinger
Himmelstreppe mit telematischer Wirkung

Auf die Sensibilisierung menschlicher Wahrnehmung zielten einst die spektakulären Aktionen des legendären Wiener Architektentrios Haus-Rucker-Co. Wider die Trägheit des Alltags setzten sie mobile pneumatische Objekte in den Stadtraum, schufen künstliche Kommunikationsoasen oder nahmen sich alter Mythen an, um sie in neue interaktive Raumgebilde zu übersetzen. Viel von diesem Impetus hat sich noch bei Günter Zamp Kelp erhalten, einem der dreien, der nun in Steinbergen in der Nähe Hannovers ein neues Raumexperiment geschaffen hat. Unbescheiden nennt es sich Jahrtausendblick.


Essay

Narration, Abstraktion, Strategie|Narration, Abstraction and Strategy

Von|by Henrieta H. Moravcikova
Die slowakische Architekturszene der 1990er

Eine Polemik zwischen Ost und West dominiert die slowakische Architektur der 1990er Jahre. So beobachtet man auf der einen Seite die Trends in den Architekturzentren Westeuropas, wendet sich aber auf der anderen Seite gern den Traditionen des Ostens, dem Mystizismus und der Narration zu. Beide Positionen wurden nach dem revolutionären Umbruch von 1989 zur treibenden Kraft im Architekturdiskurs und sind es paradoxerweise bis heute geblieben. In den vergangenen Jahren konnte man – wenn auch nur marginal – ein topologisch-strategisches Neudenken der Architektur beobachten, meist mit Bezug zu Beispielen aus den Niederlanden oder Amerika. Hier möchte ich die gegebene Situation der Architektur in der Slowakei im Hinblick auf ihre lokalen Einflüsse und ihre Beziehung zu Europa reflektieren.


Ortner & Ortner: Kultur- und Werkzentrum “Schiffbau” in Zürich, Schweiz|”Schiffbau” cultural centre and workshops in Zurich, Switzerland

Von|by Ruth Hanisch
Erzählen, mischen und verkaufen

An einem Tag der offenen Tür im September strömten in gedeckte Farben gekleidete Menschen mit Pagenköpfen und/oder Dreitagesbärten in das ehemalige Industriequartier “Zürich West”, um der Eröffnung der neuen Spiel- und Werkstätten des Zürcher Schauspielhauses beizuwohnen. Der Um- bzw. Neubau wurde nach einem geladenen Wettbewerb mit prominenten Teilnehmern (Gigon und Guyer, Herzog & de Meuron, Rem Koolhaas/OMA, Ortner & Ortner und Ueli Zbinden) vom Wiener Büro Ortner & Ortner errichtet.


Morger Degelo Kerez: Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz, Liechtenstein|Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz, Liechtenstein

Von|by Robert Fabach
Ohne Titel; Stein, Glas, Holz

Der 62 x 26 x 13 m große Steinkörper wirkt in seiner Größe und monolithischen Ausbildung fremd in der rustikal geprägten Umgebung. Die Körperhaftigkeit der Fassade entsteht durch eine tragende, fugenlose Betonkonstruktion, die wie ein Terrazzo angeschliffen wird. Die Architekten interessierte der innere Reichtum und der Aufbau des Materials: Schwarzes gebrochenes Basaltgestein, farbiger, feinkörniger Flusskies und schwarz eingefärbter Zement. In vielen Versuchen, die in einem 1:1 Modell einer Fassadenecke gipfelten, wurden für die Zuschlagsstoffe unterschiedliche Steinqualitäten, Steinfarben, aber auch Oberflächenbehandlungen studiert.


Jabornegg & Pálffy: Holocaust-Memorial und Museum Judenplatz in Wien|Holocaust Memorial and Judenplatz Museum in Vienna, Austria

Von|by Matthias Boeckl
Auf dem Boden der Geschichte

Unter den vielen intensiven Eindrücken, mit denen die Besucher des Holocaust-Mahnmals samt unterirdisch präsentierten Ausgrabungen der mittelalterlichen Synagoge am Wiener Judenplatz konfrontiert werden, sind die architektonischen Gestaltungen der Schauräume wohl die unauffälligsten. Der zweite Blick jedoch verrät, dass die minimalistische Strategie von Jabornegg & Pálffy für diese Aufgabe wohl die angemessenste Sprache ist. Sichtbetonwände, geschliffene Böden, Steintreppen, Stahl und Glas in unterschiedlichen Behandlungen definieren den präzisen Rahmen für die heterogenen Exponate des Museums.

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