Voyeurismus der Lagerung

DS+R, V&A East Storehouse

La Cabina de la Curiosidad

Ein Haus als Haltung

EXPO 2025 Osaka

Architektur als Beauty-Filter

KWK Promes, PLATO, Ostrava Tschechien

Von den Schlachthöfen in die Ausstellungsräume

Selina Wach im Gespräch mit Ilka Ruby

Zwischen Frontline und Alltag

MAD, Fenix, Rotterdam Niederlande

Luftig verwirbelt

Shibukawa Eder Architects, Fabrik 1230 Wien, Österreich

Kultur im Werden

architektur.aktuell 9/2025

Kultur

Raum für Haltung | Kultur

16. September 2025

Kultur beginnt, wo die Notwendigkeit endet. Als Ausdruck, Aushandlung oder Anmaßung des Alltäglichen verweigert sie sich eindeutigen Definitionen. Sie spiegelt Machtverhältnisse ebenso wie Sehnsüchte. In dieser Ausgabe erkunden wir ihre architektonischen Erscheinungsformen als Werkzeug, Resonanzraum, Störung und Gestaltungswille.

Statistik | Fertigstellungen im Wohnbau
Die Stadt Wien bleibt Spitzenreiterin im Wohnbau: Mit 609 Fertigstellungen pro 100.000 Einwohner:innen liegt die Stadt deutlich über dem Bundesschnitt von 3,6. Die höchste Bautätigkeit konzentriert sich auf einige Bezirke, während andere stark fragmentierte Entwicklungen zeigen bis hin zu einer Bautätigkeit unterhalb der Darstellungsgrenze.

Temporäre Architektur als kulturelle Konstante | Serpentine Pavilion 2025 von  Marina Tabassum
Seit dem Jahr 2000 verwandelt sich ein Stück Rasen im Londoner Hyde Park jeden Sommer in ein temporäres Statement. Der Serpentine Pavilion – ursprünglich initiiert mit dem Auftrag an Zaha Hadid, eine wetterfeste Struktur für ein Gala-Dinner zu entwerfen – ist heute zu einem der verlässlichsten Formate geworden, mit dem Architektur einem breiteren Publikum begegnet.

Voyeurismus der Lagerung | Diller Scofidio + Renfro · V&A East Storehouse
Mit dem V&A East Storehouse im Queen Elizabeth Olympic Park in London beginnt ein neues Kapitel der Museumsgeschichte: Das Victoria and Albert Museum öffnet erstmals seine Lagerhalle für die Öffentlichkeit. Roh und authentisch reihen sich die Objekte endlos aneinander – ohne Einordnung nach Epoche, Künstler:in oder Kulturkreis, inspiriert von den Kunst- und Wunderkammern vergangener Zeiten.

Ein Haus als Haltung | La Cabina de la Curiosidad (Marie Combette + Daniel Moreno Flores) Cholan Nests House
Mitten im ländlichen Ecuador haben La Cabina de la Curiosidad alias Marie Combette und Daniel Moreno Flores ein kleines, radikal konzipiertes Haus entworfen. Im Dialog mit der lokalen Gemeinschaft und aus wiederverwendeten Materialien gebaut, ist es mehr als ein Gebäude – ein offenes Lernfeld für eine andere Art zu bauen und zu leben. Das Projekt war einer der Höhepunkte bei der Verleihung des Global Award for Sustainable Architecture 2025, die am 6. Mai in Venedig stattfand.

Immo-Kolumne | Die andere Seite
Wohin treiben die europäischen Immobilienmärkte, während jenseits des Atlantiks erratisch-absurde Politik betrieben wird und in Venedig eh witzige, aber doch auch verstörende Bioroboter, Raumfahrtvisionen und Aperol-Apparaturen gezeigt werden?

Nachgefragt mit Angelika Fitz (Architekturzentrum Wien) | Clemens Quirin (afo architekturforum oberösterreich) | Heidrun Schlögl (ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich) | Nikolaus Gartner (Architektur Raumburgenland) | Verena Konrad (vai Vorarlberger Architektur Institut) | Roman Höllbacher (Architekturhaus Salzburg) | Karin Oberhuber (HDA – Haus der Architektur) | Arno Ritter (aut. architektur und tirol) | Sigrid Prinz (Architektur Haus Kärnten)

Unifokus | Nachdenken über den Bestand · archdiploma 2025, TU Wien
57 Diplomarbeiten. 23 Forschungsbereiche. 2 Studiengänge. 1 Universität. Als erste thematisch fokussierte Diplomausstellung der Fakultät für Architektur und Raumplanung an der Technischen Universität Wien rückt die archdiploma 2025 von 20. bis 22. November im ORF-Funkhaus den Umgang mit dem Bestand in seiner ganzen Vielfalt in den Mittelpunkt.

SPOT ON | Leuchten und Leuchtsysteme
Licht prägt Räume – funktional, atmosphärisch, emotional. Die aktuellen Leuchten und Systeme zeigen, dass es längst nicht mehr nur um Helligkeit geht. Es geht um Gestaltung, um Wirkung, um Charakter. Von textilen Stromleitern bis zu skulpturalen Pendeln, von modularen Outdoor- Systemen bis zu farbigen Lichtstimmungen: Licht wird zum Werkzeug für individuelle, kreative Raumkonzepte.

Für die Gesellschaft
Die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) wird 60. Ein Rückblick auf Brüche und Kontinuitäten, auf Diskurs- Baustellen zwischen Streitbarkeit und konstruktiven Ideen.

Schönheit | Im Auge der Betrachter:innen?
Wir sollten mal über Schönheit sprechen. Sie ist nicht immer nur ästhetische Stimulation: Im freudianischen Sinn des Unheimlichen kann sie auch verstören, wenn das allzu Vertraute fremd wirkt, wenn hinter der glatten Oberfläche das Verdrängte sichtbar wird. Zwischen Macht, Politik und sinnlicher Erfahrung wird Schönheit so zu einem kritischen Prüfstein gegenwärtiger architektonischer und gesellschaftlicher Diskurse. Nicht als dekorativer Begriff, sondern als Mittel, Widersprüche freizulegen. Ist sie ein Elitenprojekt – oder steckt sie im Alltäglichen, im Gebrauch? Dieses Dossier versammelt acht Positionen, die Schönheit in diesem Spannungsfeld neu verhandeln.

Architektur als Beauty-Filter | Ein Besuch des österreichischen Pavillons auf der Expo 2025 in Osaka
Seit ihrer Geburtsstunde 1851 im Crystal Palace in London ist die Weltausstellung mehr als ein Schaulaufen von Nationen – sie ist ein Spiegel. Ein Spiegel der Selbstwahrnehmung, der Ideale, der Visionen. Welche Geschichte will ein Land von sich erzählen und wie repräsentativ ist die Architektur für das Selbstbild einer Nation?

Von den Schlachthöfen in die Ausstellungsräume | KWK Promes, Robert Konieczny · Plato Contemporary Art Gallery Ostrava, Tschechien
Ein verfallener Schlachthof, eine hart gezeichnete Industriestadt und die Vision, Kunst im Herzen Ostravas sichtbar zu machen: Die Plato City Gallery hat ein Industriedenkmal in einen lebendigen Kulturort verwandelt, ohne seine raue Vergangenheit zu glätten. Ein einzigartiger Umbau, der Denkmalpflege, Architektur und Stadtentwicklung zusammenführt.

Nina Lorein im Gespräch mit Bernadette Krejs und Max Utech | Palace of Un/Learning – ein Labor für eine andere Architektur
Von 20. Juni bis 31. Juli 2025 war im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin eine Ausstellung zu sehen, die als diskursiver Treffpunkt nichts Geringeres als den Ist-Zustand der Architektur und bestehende Wissenshierarchien infrage stellte. Ein Gespräch mit den beiden Kurator: innen Bernadette Krejs und Max Utech über das Hinterfragen vorherrschender Denkmuster, Kollektivität und warum man sich manchmal auf einem pinken Bett ausruhen muss.

Rundgang gegen die Ungleichheit | Mit Nina Bassoli durch die 24. Triennale di Milano
Die Stadt begann vielleicht ganz anders, als wir dachten. In Nebelivka, einer 6.000 Jahre alten Siedlung in der heutigen Zentralukraine, lebten bis zu 15.000 Menschen ohne Paläste, Militär oder Herrschaft. Heute sind Städte längst Bühnen globaler Disparitäten geworden, auf denen sich Ungleichheiten verstärken – und doch tragen sie ein anderes Potenzial in sich: Gesellschaft neu zu verhandeln.

Drei Pavillons im Dialog 
Seit über 40 Jahren dient die Architekturbiennale in Venedig als Bühne kultureller Selbstvergewisserung – hier zeigt sich, wie Architektur ihre politischen und gesellschaftlichen Dimensionen zur Debatte stellt. 2025 kuratiert Carlo Ratti die 19. Ausgabe unter dem Titel „Intelligens“. Wir richten den Blick auf Österreich, Deutschland und die Schweiz und fragen: Welche Haltungen offenbaren ihre Pavillons?

Selina Wach im Gespräch mit Ilka Ruby | Zwischen Frontlinie und Alltag
Ilka Ruby ist Architektin, Kuratorin und Verlegerin in Berlin. Gemeinsam mit Andreas Ruby gründete sie 2008 den Verlag Ruby Press, der sich auf kritische Publikationen zu Architektur, Städtebau und Design spezialisiert hat. Dieses Jahr hat sie als Co-Kuratorin mit Liene Jākobsone, SAMPLING und NOMAD architects den lettischen Pavillon „Landscape of Defence“ kuratiert, der die zunehmende Militarisierung europäischer Grenzräume thematisiert.

Luftig Verwirbelt | MAD · Fenix, Rotterdam, Niederlande
F ür das Museum für Migration Fenix in Rotterdam setzten die Architekt:innen von MAD aus China einen verspiegelten Tornado in ein altes Lagerhaus: ein ordentlich herausgeputzter Bau mit simpler Metaphorik, die angesichts des komplexen Themas etwas zu fugenlos und harmlos bleibt.

Wie bleibt Architektur in Zukunft relevant?
Architektur ist das, was gebaut wird, aber auch das, was diesbezüglich diskutiert wird. In Museen, an Unis, in Büros, auf Festivals. Gerade in Zeiten globaler Krisen braucht es Orte, an denen neue Gedanken eine Bühne bekommen. LINA, ein europäisches Netzwerk, stellt sich genau dieser Aufgabe, mit Museen, Biennalen, Universitäten und Verlagen als Partner:innen. Und mit dem Anspruch, das Neue nicht nur zu zeigen, sondern mitzugestalten.

Resonanzkörper im Schindelkleid | Marcel Meili mit Staufer & Hasler Architekten · Klanghaus Toggenburg am Schwendisee
Die Baukultur des Toggenburgs ist bis heute stark in ihrer Eigenart erhalten. Das charakteristische Toggenburger Haus, ein Strickbau mit Steilgiebel und klassischer Sparrendachkonstruktion, ummantelt von einem Schindelkleid, prägt das Tal am Fuße der Churfirsten und damit die Region der Ostschweiz. In Obertoggenburg, auf 1.150 Metern Höhe, steht seit Neuestem nun das Klanghaus.

Kultur im werden | Shibukawa Eder Architects (S.E.A.), SORAVIA · Fabrik1230
Die Fabrik 1230 präsentiert sich als multifunktionales Zentrum für Wien-Atzgersdorf mit Räumen für Veranstaltungen, Gastronomie, Geschäfte und Büros. Das Bestandsgebäude einer ehemaligen Sargfabrik, errichtet bis 1916 von Hubert Gessner, wurde nach Entwürfen von Shibukawa Eder Architects gemeinsam mit dem Projektentwickler SORAVIA mit dem Ziel umgestaltet, ein kulturelles Stadtteilzentrum entstehen zu lassen. Ende 2024 wurde die architektonische Basis fertiggestellt: ein guter Moment für ein erstes Zwischenfazit.

BACKSTAGE mit Schenker Salvi Weber ZT GmbH, Delta Pods Architects ZT GmbH, SRS+ Architekten Ziviltechniker GmbH
Wie sehen die Arbeitsräume unterschiedlicher Architekturbüros aus? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen unserer ARCHITECTS-Community.

Helle Räume für helle Köpfe | HERTL.ARCHITEKTEN · HTBLVA Villach, Österreich
Mehr Tageslicht, neue Räume und modernste Technik: Die Sanierung der HTBLVA Villach zeigt, wie eine Schule funktional erneuert und zugleich atmosphärisch trans- formiert werden kann. Durch den behutsamen Umgang mit dem Bestand, energieeffiziente Technik und die Umgestaltung der Außenräume entstand ein zeitgemäßer Lern- und Lebensraum, der Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit verbindet..

Vom leeren Einkaufszentrum zum stolzen Konzertsaal | Haus der Musik · Braunschweig, Deutschland
47 Jahre alt ist das Gebäude der Braunschweiger Karstadt-Filiale neben dem historischen Gewandhaus – nebenbei bemerkt ein Gebäude des ersten deutschen Pritzker- Preisträgers Gottfried und seiner Frau Elisabeth Böhm. Fast einen ganzen Häuserblock nimmt das innerstädtische Einkaufszentrum zwischen Kohlmarkt und Altstadtmarkt in prominenter Lage ein. Doch mittlerweile stehen seine ungefähr 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche seit vier Jahren leer, ohne Aussicht auf einen neuen Mieter im Bereich Einzelhandel. Es ist eine Geschichte, wie sie viele europäische Innenstädte aktuell durchleben. Strukturwandel sowie Onlineshops verdrängen den stationären Handel und resultieren in Leerstand von Geschäftslokalen.

Spot On | Fassade · Wand · Boden · Dach · Decke
Ob Fassade, Wand, Boden, Dach oder Decke – die jüngsten Innovationen in der Bauproduktwelt zeigen, wie modulare Systeme heute individuelle Gestaltung, technische Präzision und ökologische Verantwortung vereinen. Von wetterfestem Glasfaserbeton bis zu maßgefertigten Aluminiumlösungen: Architektur wird flexibler – und zukunftsfähiger.

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