100 Häuser | Österreichischer Pavillon, Weltausstellung in Paris | Interview mit Matthias Boeckl

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Österreichischer Pavillon, Weltausstellung in Paris

 

Es ist der Vorabend des Zweiten Weltkriegs, als am 25. Mai 1937 in Paris die "Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne" eröffnet wird. Österreich präsentiert sich auf diesem Schauplatz der Konfrontationen mit einem modernen Pavillon von Oswald Haerdtl, der verkehrstechnische Errungenschaften und ein gigantisches Alpenpanorama präsentiert.

1937 befindet sich Europa im Krisenmodus: Das faschistische Italien nähert sich dem nationalsozialistischen Deutschland an, das austrofaschistische Österreich steht unter Druck von Hitler und Mussolini; in Russland erreicht Stalins Terror gegen seine Gegner einen neuen Höhepunkt, und in Spanien wütet der Bürgerkrieg – eine deutsche Legion zerstört die baskische Kleinstadt Guernica. Einen Monat nach dem verheerenden Luftangriff, nämlich am 25. Mai 1937, wird in Paris die Weltausstellung eröffnet, wo Pablo Picassos epochales Gemälde "Guernica" der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Das Gelände der Weltausstellung umfasst das Marsfeld und den Trocadero – inklusive dem Überbleibsel einer früheren Weltausstellung, dem Eiffelturm. Am Seineufer haben zwei autoritäre Großmächte mit ihren monumentalen Repräsentationsbauten Aufstellung genommen: Der von Albert Speer entworfene Pavillon des Deutschen Reichs, gekrönt von einem Reichsadler mit Hakenkreuz, steht jenem der Sowjetunion von Boris Iofan mit der monumentalen Skulptur "Arbeiter und Kolchosbäuerin" von Vera Muchina frontal gegenüber.

"Das sind sicher Bilder, die im kulturellen Gedächtnis Europas noch jahrzehntelang nachwirken", meint Matthias Boeckl, Architekturhistoriker und Chefredakteur des Magazins "architektur.aktuell" über die Weltausstellung in Paris 1937. Sie war geprägt von einem konfrontativen Klima - zwischen Diktaturen und Demokratie, aber auch zwischen Avantgarde und einer reaktionären, klassizistischen Architektur. Konsens, ja sogar eine friedensstiftende Stimmung, versucht man durch das den einzelnen nationalen Inszenierungen übergeordnete Thema der Weltausstellung herzustellen: "Die Künste und Technik im modernen Leben".

1937 befindet sich Europa im Krisenmodus: Das faschistische Italien nähert sich dem nationalsozialistischen Deutschland an, das austrofaschistische Österreich steht unter Druck von Hitler und Mussolini; in Russland erreicht Stalins Terror gegen seine Gegner einen neuen Höhepunkt, und in Spanien wütet der Bürgerkrieg – eine deutsche Legion zerstört die baskische Kleinstadt Guernica. Einen Monat nach dem verheerenden Luftangriff, nämlich am 25. Mai 1937, wird in Paris die Weltausstellung eröffnet, wo Pablo Picassos epochales Gemälde "Guernica" der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Das Gelände der Weltausstellung umfasst das Marsfeld und den Trocadero – inklusive dem Überbleibsel einer früheren Weltausstellung, dem Eiffelturm. Am Seineufer haben zwei autoritäre Großmächte mit ihren monumentalen Repräsentationsbauten Aufstellung genommen: Der von Albert Speer entworfene Pavillon des Deutschen Reichs, gekrönt von einem Reichsadler mit Hakenkreuz, steht jenem der Sowjetunion von Boris Iofan mit der monumentalen Skulptur "Arbeiter und Kolchosbäuerin" von Vera Muchina frontal gegenüber.

"Das sind sicher Bilder, die im kulturellen Gedächtnis Europas noch jahrzehntelang nachwirken", meint Matthias Boeckl, Architekturhistoriker und Chefredakteur des Magazins "architektur.aktuell" über die Weltausstellung in Paris 1937. Sie war geprägt von einem konfrontativen Klima - zwischen Diktaturen und Demokratie, aber auch zwischen Avantgarde und einer reaktionären, klassizistischen Architektur. Konsens, ja sogar eine friedensstiftende Stimmung, versucht man durch das den einzelnen nationalen Inszenierungen übergeordnete Thema der Weltausstellung herzustellen: "Die Künste und Technik im modernen Leben".

In Paris 1937 prallen der NS-Deutsche Neo-Klassizismus und der Sowjetische Sozialistische Realismus aufeinander - und sie stehen in eklatantem Widerspruch zu modernen Architektur, die sich in vielen Nuancen präsentiert. Für die Tschechoslowakei hat Jaromir Krejcar einen High-Tech-Pavillon aus Glas und Stahl entworfen; Le Corbusier wollte mit seinem zeltartigen Pavillon des Temps Nouveaux, den Menschen durch Architektur und Urbanismus in "neue Zeiten" führen. Und nicht nur autoritäre, auch demokratische Staaten bauen klassizistisch, wie die Versorgungsbauten Palais de Tokyo und Palais des Chaillots zeigen.

Der moderne Bau, der das austrofaschistische Österreich repräsentiert hat, wurde von Oswald Haerdtl entworfen. Er war einer der wichtigsten Architekten der Moderne in Österreich, sowohl in der Zwischenkriegszeit, als auch nach dem Zweiten Weltkrieg, und er war Nachfolger von Josef Hoffmann an der Kunstgewerbeschule. Er hat nicht nur die Präsenz Österreichs auf internationalen Ausstellungen jahrzehntelang gestaltet, sondern auch viele Interieurs, etwa das Café Prückel. "Als ein von der Kunstgewerbeschule geprägter Architekt hat er Inneneinrichtung ‚from scratch‘ gelernt", so Matthias Boeckl, "seine Interieurs wie etwa das Arabia Espresso in der Wiener Innenstadt haben den mediterran-inspirierten, optimistischen Aufbruchsgeist der Wiener Nachkriegszeit auch im Alltag sehr gut auf den Punkt gebracht."

Den österreichischen Pavillon für die Weltausstellung in Paris 1937 hat Haerdtl als monumentales Schaufenster entworfen. Dahinter war eine gigantische Fotocollage von Robert Haas zu sehen, eine Inszenierung des Alpenpanoramas, sowie Darstellungen verkehrstechnischer Großprojekte der 1930er Jahre, wie die Großglockner Hochalpenstraße und die Wiener Höhenstraße, die nicht nur für den Tourismus relevante, großtechnische Bauprojekte gewesen sind, sondern auch politisch instrumentalisierte Arbeitsbeschaffungsprogramme.

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Das gesamte Interview können Sie sich nachträglich unter https://oe1.orf.at/artikel/644799 anhören.

 

(Quelle: www.oe1.orf.at)