6 Projekte, die Mut zur Farbe zeigen

Farbe ist in der Architektur längst mehr als ein dekoratives Element. Sie kann Räume gliedern, Proportionen verändern, Blickbeziehungen lenken und wesentlich zur Atmosphäre eines Ortes beitragen. Besonders in Innenräumen wird Farbe zum eigenständigen architektonischen Gestaltungsmittel – von monochromen Raumkonzepten über kräftige Kontraste bis hin zu ungewöhnlichen Farbkombinationen. Die folgenden sechs Projekte zeigen unterschiedliche Zugänge zum Thema und machen deutlich, wie vielseitig Farbe eingesetzt werden kann. Ob als präzise gesetzter Akzent, als raumprägendes Element oder als konsequentes Gesamtkonzept: Sie alle zeigen Mut zur Farbe und verleihen ihren Innenräumen eine unverwechselbare Identität.
Monadnock Architects | Volante, Hilversum, Niederlande
Wie lässt sich sozialer Wohnbau verdichten, ohne dabei an Lebensqualität zu verlieren? Das niederländische Büro Monadnock zeigt in Hilversum, dass auch mit knappem Budget architektonisch Anspruchsvolles möglich ist. Farben, Formen und klare Typologien verbinden sich hier zu einem Projekt, das zugleich pragmatisch und überraschend verspielt wirkt. . .

© Stijn Bollaert
ASAP | Chromatisches Wohnen, Wien, Österreich
Die vom Architekturbüro ASAP entwickelte Transformation einer Wiener Altbauwohnung versteht den Bestand als chromatisches Spektrum, als Folge eigenständiger Atmosphären, die sich zu einer räumlichen Erzählung verdichtet. Ausgangspunkt war zunächst eine eher pragmatische Aufgabenstellung. „Am Beginn des Briefings stand die funktionale Forderung nach einem neuen Badezimmer und einer neuen Küche“, erinnert sich der leitende Architekt Florian Sammer. Doch daraus entwickelte sich bald eine umfassende Neuorganisation der Wohnung. Durch eine gezielte Raumrochade konnte das Schlafzimmer an die ruhigste Stelle des Grundrisses verlegt werden. . .

© tschinkersten
Selgascano | Auditorium und Kongresszentrum, Plasencia, Spanien
Ein alienartiges, orangegelbes Kunststoff-Objekt – da fühlt man sich sofort an die 1960er-Jahre erinnert. Das Madrider Architektenpaar José Selgas und Lucìa Cano liebt die sinnlich-spielerischen Qualitäten dieser Materialkultur. Und übersetzt sie ins ressourcenbewusste Zeitalter: Mittels kompakter Polyederform reduzierten sie Volumen und Fußabdruck des Hauses im ursprünglich-wilden Terrain auf ein funktionalistisches Minimum. . .

© Iwan Baan
MoDusArchitects | Loacker Galaxy, Heinfels, Österreich
Im Gewerbegebiet um Heinfels in Osttirol setzen MoDusArchitects gemeinsam mit ihren Auftraggeber:innen ein farbiges Zeichen. Versteckt hinter einer schlichten Kulisse präsentiert das Innere des neuen Retailshops die Philosophie des Unternehmens Loacker. Es ist eine Geschichte über Produktionsketten, Grandeur und Waffeln, die es von einer kleinen Alpenprovinz in die große weite Welt geschafft haben. . .

© Marco Cappelletti
raumdrei architekten | Gasthaus Dreiviertelweg Deutschnofen, Italien
Südtirol ist ein Land mit Bergen, Wäldern, Schluchten – und einem Hauch Wehmut. Denn wo spontane Gastfreundschaft einst zum Alltag gehörte, hat sich heute Overtourism breitgemacht. raumdrei architekten fangen den historischen Zeitgeist jedoch mit viel Gespür ein und halten ihn in der Sanierung des Gasthofs Dreiviertelweg fest. Der revitalisierte Altbau lädt mit einem Mix aus Kontrastfarben, einer Glasveranda und altem Mobiliar strapazierte digitale Nomad:innen zum Entschleunigen ein. . .

© Gustav Willeit
Medina Manzano Architecture | Unplanned Domestic Prototype, San Sebastian, Spanien
Ende der 1950er-Jahre erlebte Spanien eine tiefgreifende wirtschaftliche Transformation, angetrieben durch den sogenannten Stabilisierungsplan von 1959. Dieser Prozess beschleunigte die industrielle und städtische Expansion und führte zu einer stark steigenden Nachfrage nach Wohnraum. Anstatt jedoch über Wohnkultur nachzudenken, wurden Wohnlösungen nach wirtschaftlichen Prinzipien entworfen, die den Wohnraum auf ein Minimum reduzierten – im Einklang mit den Logiken von Effizienz und Produktion. . .

© Hiperfocal