„Mit weniger mehr erreichen“ – was wie ein beschönigendes Sparpaket unserer aktuellen Bundesregierung klingt, ist Anupama Kundoos gelebte Arbeitspraxis. Die Architektur der 1967 in Pune, Indien, geborenen Architektin kombiniert Lowtech mit Hightech, Tradition mit Moderne und Pragmatismus mit Eleganz.


„Unsere Raffinesse entwickelte sich daraus, dass wir keine Ressourcen hatten“, erzählte Anupama Kundoo in ihrer Eröffnungsrede zur Ausstellung „Reichtum statt Kapital“ im Architekturzentrum Wien. Den Startpunkt ihres unkonventionellen Wegs markierte das Hinterfragen von Systemen, die nicht funktionieren. Denn in Indien, wie an so vielen Orten weltweit, wurde die vernakuläre Bau- und Handwerkskunst von westlichen Baudoktrinen verdrängt, was zu einem schleichenden Verlust von traditionellem Handwerkswissen und Gemeinschaft führte.

Kundoos sozialer Wohnbau im indischen Sangamam, Auroville, setzt auf tragende Wänden aus Stampflehm.  © Javier Callejas

Gemeinschaft im Bauen Mit nur 23 Jahren gründete Anupama Kundoo ihr eigenes Architekturbüro und widersetzte sich diesen gängigen Architekturdoktrinen. Im freigeistigen Auroville im Süden Indiens traf sie auf weiterhin lebendige Handwerkstradition und arbeitete in der Folge in ihren Projekten eng mit lokalen Handwerker: innen zusammen. Dort war es auch, wo sie ihr eigenes Zuhause baute, das eines ihrer bekanntesten Gebäude und Inspirationsquelle für viele weitere Projekte werden sollte. „Das Wallhouse war ein Experimentierfeld für unkonventionelle Baumethoden. Die Baupraxis war unser Labor“, so Anupama Kundoo. Dabei scheut sie sich nicht, Altes mit Neuem zu mixen. Lehm, Ziegel und Bambus finden in ihren Projekten ebenso Platz wie Stahl und Beton, doch stets mit Fokus auf lokal relevante Materialien und traditionelle Bautechnologien. „Wir bilden Wissen und Gemeinschaft durch den Akt des Bauens“, betont Anupama Kundoo. „Ein Ziegel ist nicht einfach nur ein Ziegel, jedes Baumaterial hat soziale und wirtschaftliche Auswirkungen.“

Zentrale Elemente aus Kundoos Projekten wurden in Originalgröße nachgebaut und laden zum Erleben und Berühren ein. © Reiner Riedler

Ausstellung zum Anfassen In der von Angelika Fitz und Elke Krasny kuratierten Ausstellung „Reichtum statt Kapital“ sind Besucher: innen bei Anupama Kundoo zu Gast. Mehr als 7.000 Kilometer Luftlinie von Auroville entfernt, spaziert man bis 16. Februar 2026 im Architekturzentrum Wien durch Eins-zu-eins- Nachbildungen ihrer Projekte. Die Grenze zwischen Ausstellungsdisplay und Besucher:innen verschwimmt. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt. . . 

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