Gegenüber den geschlossenen Toren der berüchtigten Schule von Helmut Richter am Wiener Kinkplatz trafen Anfang September wieder hunderte Architekt:innen auf dem Rasen zusammen. In ungewohnt bunten und grellen Trikots, mit Stutzen und Sportschuhen liefen Wiener Architektur- und Ingenieurbüros dem Fußball nach. Wettbewerb muss sein.

Text: Arian Lehner | Fotos: Patrick Johannsen


„Vermutlich ist das hier die Veranstaltung in Wien, bei der die meisten Architekt:innen zusammenkommen. Das ist schon mit der Venedig-Biennale vergleichbar“, so Rupert Zallmann, Gründer von Madame Architects, Vorjahressieger des Archiball und damit Organisator in diesem Jahr. Der Archiball, das Wiener Fußballturnier unter Architekturund Ingenieurbüros, findet seit seiner Gründung 2004 (Siegerbüro Coop Himmelb(l)au) jedes Jahr für einen Tag statt und tauscht das Klicken am Computer gegen das Kicken am Rasen. Büros, die unterm Jahr im Architektur-Wettbewerb um den Sieg gegeneinander entwerfen, stehen sich dann am Fußballfeld freundschaftlich gegenüber. Sogar Unternehmen aus der Baubranche sind, typisch Fußball, als Sponsoren mit Banner vertreten. Im Zelt gibt es einen eigenen Biertisch, an dem sie sich zusammensetzen. Auch in diesem Feld kennt man sich. Für einen Tag wird sichtbar, dass Architekt:innen trotz aller Konkurrenz Teil einer gemeinsamen Szene sind – und dass es ebenso wichtig ist, sich kollegial wie sportlich zu begegnen. Auf dem Spielfeld zeigt sich das mit viel Einsatz und Technik. „Wie bei Architekt:innen zu erwarten, wird hier ein sehr feiner Fußball geboten“, sagt Michael Gehbauer, Obmann-Stellvertreter des Vereins Austria XII, auf dessen Platz das Turnier seit Jahren ausgetragen wird.

Gespielt wurde das Turnier auf dem (geteilten) Fußballfeld am Wiener Kinkplatz.

Auch an diesem Spätsommertag merkt man den Teams ihren Ehrgeiz an. Es wird hart verteidigt, es wird scharf geschossen. Im Finale schließlich entscheidet ein Elfmeterschießen über den Sieg. Der Pokal – eine von Madame Architects aus Beton gefertigte Miniatur von Adolf Loos’ Entwurf für den Chicago Tribune Tower – ging heuer an CEHL Architekten. Für Bürochef Christoph Lechner war es ein besonderer Triumph: Schon als Kind hat er . . .

Das könnte Sie auch interessieren