Architektur-Biennale 2018: Österreich-Kommissärin Verena Konrad präsentiert ihre Ideen

 

„Es wird keine Ausstellung über Architektur sein, sondern eine Aktion im Raum. Der Österreich-Pavillon wird ein Shared Space sein, in dem wir uns treffen“, erklärt Verena Konrad am vergangenen Montag im Rahmen einer Pressekonferenz zum Österreich-Beitrag zur Architektur-Biennale 2018. Das „wir“ bezieht sich auf die drei geladenen Architektenteams mit denen die Österreich-Kommissärin den Beitrag gestalten wird: Henke Schreieck Architekten (Wien), LAAC (Innsbruck) und Sagmeister & Walsh (New York). Alle Büros beschäftigen sich in ihren jeweiligen Arbeiten mit Stadtraum und Architektur als gebauter Landschaft, für den Pavillon in Venedig werden sie eine dreiteilige ineinandergreifende Rauminstallation gestalten. Es ist ein Beitrag über die Bedeutung öffentlicher Räume für die Stadt. „ArchitektInnen kommt hier eine Schlüsselrolle zu, denn viel zu oft geschieht Gestaltung ohne Mehrwert für das öffentliche Leben. Architektur ist keine Dienstleistung. Die Ausübung dieses Berufes ist mit Verantwortung verbunden, mit intellektueller Leistung, mit ästhetischem Gespür“, so Konrad. Es gehe darum, dem öffentlichen Raum eine dem bebauten Raum ebenbürdige Bedeutung beizumessen. „Der öffentliche Raum ist sozialer Raum“. In diesem Sinne soll der Pavillon zu einem Platz werden, an dem sich die Besucher gerne aufhalten. Die Arbeiten von Brigitte Kowanz von der Kunst-Biennale 2017 werden dazu „sorgsam“ abgebaut, sodass auch der schöne Hinterhof des Pavillons miteinbezogen werden kann.

Folgerichtig lud die Leiterin des Vorarlberger Architektur Instituts (v.a.i.) drei Teams zur Biennale 2018, die sich in ihrer jeweiligen Arbeit mit Stadträumen und Architektur als gebaute Landschaft beschäftigen: Kathrin Aste und Frank Ludin fokussieren seit über zehn Jahren mit ihrem Architekturbüro LAAC Architekten auf Landschafts- und Freiraumgestaltungen. Als ein wohl besonders gelungenes Beispiel ist hier die als öffentlicher Begegnungsraum gestaltete Topografie des Eduard-Wallnöfer-Platzes in Innsbruck (2011) zu nennen. Ebenso bildet im 2016 eröffneten Erste-Campus in Wien von Henke Schreieck Architekten (Martha Schreieck war 2004 selbst Kommissärin des Österreichischen Biennale-Beitrags) eine naturverbundene Architektur, die sich mit viel Transparenz und einer abwechslungsreichen Frei- und Grünraumgestaltung (Auböck + Kársz Landschaftsarchitekten) einen wesentlichen Teil der neuen Arbeitswelt. Mit der Wahl des New Yorker Designbüro Sagmeister & Walsh, weltweit bekanntgeworden durch CD-Coverentwürfe für die Rolling Stones, Lou Reed oder die Talking Heads, holt sich Verena Konrad einen Designexport ins Land (Stefan Sagmeister ist gebürtiger Bregenzer).

So kommen alle drei Teams aus unterschiedlichen Zusammenhängen, haben unterschiedliche Bürobiografien und Zielsetzungen. Gemeinsam ist ihnen, „dass sie mit ihren Interventionen – seien sie architektonisch, städtebaulich oder aus der Logik des Designs heraus – nicht in der Stadt, sondern an der Stadt bauen. Damit tritt auch der Aspekt des Gemeinwohls im Sinne einer Orientierung am öffentlichen Interessen hervor, der im gegenwärtigen Architekturdiskurs immer wichtiger wird“, so Konrad.

Ja, der wird immer wichtiger – und das ist gut so. Die Lust am Starkult ist vergangen, das Einzelkämpfertum hat sich im Zuge einer immer komplizierter werdenden vernetzten Welt mit komplexeren Ansprüchen verbraucht. Die Umstände, die Rahmenbedingungen, die Leute, für die geplant und gebaut wird, die die Architektur und den Freiraum letztendlich benützen, darin wohnen und leben, rücken in den Vordergrund. Seit der Architektur-Biennale 2010 zeichnet sich dieser Paradigmenwechsel auch im biennal abgehaltenen Architektur-Spektakel in Venedig ab, unter Alejandro Aravenas Kuration „Reporting from the Front“ vor zwei Jahren hielten sodann großflächig und nachhaltig Themen wie Migration, Wohnungsnot in den Städten oder der globale Klimawandel Einzug in die Giardini. 2018 steht mit den Biennale-Kuratorinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara der „Freespace“ im Zentrum, womit sie die „Großzügigkeit des Geistes“ und Humanität als die zentralen Aspekte einer Architekturagenda beschreiben, die sich auf die Qualität des Raumes konzentriert. Der österreichische Beitrag nimmt direkt auf das Thema Bezug. 

Auch die Österreich-Kommissärin sieht einmal mehr die Architektur-Biennale als einen Ort, der die gesellschaftliche Bedeutung der Architektur und ihre Kraft aufzeigen kann. Wobei eine soziale Agenda und ein ästhetischer Anspruch nicht im Mindesten im Widerspruch stehen. Das ist der ausgebildeten Kunsthistorikerin wichtig (Promotion in Neuester Kunstgeschichte). „Architektur ist keine Dienstleistung. Die Ausübung dieses Berufes ist mit Verantwortung verbunden, mit intellektueller Leistung, mit ästhetischem Gespür“, sagt Verena Konrad mit Überzeugung.

Wie der Beitrag Österreichs auf der 16. Architektur-Biennale 2018 nun im Konkreten aussehen wird, wurde bei der Pressekonferenz noch nicht verraten. Ab Mitte Jänner wird man nähere Pläne dazu bekannt geben. Eröffnet wird der Österreich-Pavillon am 24. Mai 2018. Wir bleiben gespannt.

16. Internationale Architekturausstellung, la Biennale di Venezia
26. Mai – 25. November 2018
https://v-a-i.at/architekturbiennale-venedig-2018