Architekturpreis des Landes Steiermark 2016: Die Preisträger stehen fest

Pflegewohnheim Erika Horn, Dietger Wissounig Architekten | Simon Oberhofer

2016 wurde zum 18. Mal der Architekturpreis des Landes Steiermark ausgeschrieben. Die Vergabe erfolgt im Dreijahresrhythmus nach öffentlicher Ausschreibung, 2016 war das Haus der Architektur Graz mit der Durchführung betraut. Prämiert wird ein in der Steiermark innerhalb der letzten drei Jahre errichtetes Objekt. Die Zuerkennung des Preises, der mit einem Preisgeld von € 10.000,- dotiert ist, erfolgt über den Beschluss eines Kurators/einer Kuratorin. Diesmal wurde von der Steiermärkischen Landesregierung die international anerkannte slowenische Architektin Tina Gregorič bestellt. Die Architektur-Professorin (seit 2014 leitet sie die Abteilung für Gebäudelehre und Entwerfen an der TU Wien) gründete 2003 gemeinsam mit Aljoša Dekleva das Büro Dekleva Gregorič architects in Ljubljana.

Die Preisverleihung findet am 1. Februar im Haus der Architektur Graz statt.

Preisträger, Anerkennungen, Nominierungen 2016
2016 gab es insgesamt  62 Einreichungen für den Architekturpreis des Landes. Zwölf davon wurden von der Kuratorin Tina Gregorič als die besten ausgewählt. So gibt es einen Preisträger, 5 Anerkennungen und 6 Nominierungen.

Preisträger:
-
Pflegewohnheim Erika Horn, Dietger Wissounig Architekten

Anerkennungen:
- Atelier Am Kogl, Johannes Kaufmann Architektur
- Haus T, Atelier Ulrike Tinnacher
- Volksschule Mariagrün, Architekturwerk Berktold Kalb ARGE
- Theater im Palais, Kunstuniversität Graz, balloon architekten ZT-OG
- Biomedizinische Technik, Technische Universität Graz, Gangoly & Kristiner Architekten ZT GmbH

Nominierungen:
- Oase No 8, Agency in Biosphere – Markus Jeschaunig
- Fortress of Backyards – Festivalzentrum steirischer herbst 2014, SUPERSTERZ + .tmp architekten
- Ölmühle Fandler, epps Ploder Simon ZT GmbH
- Wohnbau Ragnitzstraße, LOVE architecture and urbanism ZT GmbH
- Anhaltezentrum Vordernberg, Sue Architekten ZT GmbH
- Bezirksgericht Feldbach, Ederer + Haghirian Architekten ZT-OG

Begründung Preisträger
Hinsichtlich eines nutzer- und gemeinschaftsorientierten Architekturansatzes, der gleichzeitig klare Raumkonzepte und besondere Sorgfalt bei Konstruktion und Material aufweist, ist das Siegerprojekt aus den eingereichten Projekten herausstechend. Es ist eine besondere Kombination von gelungener Raumorganisation in allen Details mit einer hohen sozialen Kompetenz und Einfühlungsvermögen, die das Pflegewohnheim Erika Horn in Andritz von Dietger Wissounig Architekten auszeichnet.
Der innerhalb der EU fast auf ein Drittel angewachsene Anteil älterer Menschen hat bereits eine Veränderung unserer Städte und Ortschaften ausgelöst, aber wir sollten auch in hohem Maße bemüht sein, den Alltag dieser Menschen neu zu denken. Die zeitgemäße Definition des Ruhestands ist eine laufende Debatte, jedoch nur in seltenen Fällen gebaute Wirklichkeit, weshalb das preisgekrönte Pflegewohnheim Erika Horn wichtige Maßstäbe setzt. Die hohen räumlichen und materialspezifischen Qualitäten im Innen- und im Außenbereich bieten älteren pflegebedürftigen Menschen solche neu gedachten Lebensbedingungen rund um die Uhr.

Begründung Anerkennungen
Räume des Lernens

Die an der Volksschule Mariagrün und an zwei Universitäten (das Theater im Palais der Kunstuniversität Graz und die Biomedizinische Technik der Technischen Universität Graz) entstandenen Räumlichkeiten inspirieren und fördern den Lernprozess und erlauben SchülerInnen und StudentInnen, sich mit ihrem täglichen Bildungsumfeld individuell zu identifizieren. Außerdem basieren die beiden Letzteren auf einem Umdenken zeitgenössischer Ansätze im Bereich der Renovierung: Die kühne Hülle des Theaters wertet das ehemalige Nebengebäude in einer Art und Wesie auf, sodass es seiner Rolle im baulichen Ensemble, bestehend aus dem historischen Palais und dem neuen MUMUTH (Haus für Musik und Musiktheater), vollkommen gerecht wird. Die geschickten Interventionen der Biomedizinischen Technik hingegen tragen zur Nachhaltigkeit und Effizienz bei, während sie zugleich das moderne Erscheinungsbild des modernistischen Gebäudes mit einem markanten, aber feinfühligen Vordach manifestieren.

Kleine, kluge Projekte
Neben den bemerkenswerten öffentlichen Bauten mit ihren eigenen Voraussetzungen und Zwängen, scheint die besonders gute Beziehung zwischen ArchitektInnen und BauherrInnen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung zweier bemerkenswerter kleiner, jedoch kluger Projekte zu spielen, die eng mit der hügeligen steirischen Landschaft verknüpft sind. Beide haben eine durch ihre Satteldächer und die jeweils spezifische Materialität stark ausgeprägte Identität. Beim Studio Am Kogl wird das Verständnis von Innen und Außen durch eine hölzerne Schicht, die das großartige Künstlerinnenatelier und seine Konstruktion entweder verbirgt oder enthüllt, bewusst hinterfragt. Volumen und Positionierung von Haus T respektieren auf umsichtige Art und Weise die Weingärten und die Geschichte des Ortes, und auch hier wird den Details und dem regionalen Handwerk viel Aufmerksamkeit zuteil, um einen gewissen ländlichen Lebensstil zu unterstreichen – in diesem Fall eines Paares, das sich dem Wein verschrieben hat. Trotzdem sind beide Häuser klug und pragmatisch konzipiert und zugleich höchst poetisch.

Architekturjahrbuch Graz Steiermark 2016
Das Architekturjahrbuch Graz Steiermark 2016 ist die nunmehr vierte Publikation dieser Reihe, die von der Kuratorin bzw. dem Kurator des Architekturpreises des Landes Steiermark konzipiert wurde. Die diesjährige Kuratorin Tina Gregorič hat sich im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Architektur der Steiermark intensiv mit den lokalen Bedingungen des Planens und Bauens beschäftigt. Die ausgewählten Bauten stellen daher auch ein Zeitdokument der Architekturproduktion in dieser Region aus ihrer spezifischen Betrachtungsweise dar.
Das Buch trägt den Titel „Pragmatisch und poetisch“ und wurde von Tina Gregorič, Markus Bogensberger und dem Haus der Architektur herausgegeben. Das von Birkhäuser verlegte Buch wurde vom renommierten Typografen und Grafikdesigner Paulus Dreibholz gestaltet, die Fotografien stammen vom jungen in Graz ansässigen Architekturfotografen Simon Oberhofer. Erstmals wurde für die Position der Fotografin/des Fotografen ebenfalls ein Call ausgeschrieben, für den es über 20 Einreichungen gab. Die Texte zu den zwölf dargestellten Projekten stammen von 6 AutorInnen, die im Rahmen des Architektursommer 2015 an einem Schreibworkshop im Haus der Architektur teilgenommen haben:  Vanessa Bauer, Claudia Gerhäusser, Anne Martischnig, Georg Schrutka, Andreas Strohriegel und Evelyn Temmel.

pragmatisch und poetisch. Architekturjahrbuch Graz Steiermark 2016
Hrsg. von Tina Gregorič, Markus Bogensberger, Haus der Architektur
Fotografien: Simon Oberhofer, Buchgestaltung: Paulus Dreibholz
148 Seiten, Deutsch, Englisch
Birkhäuser Basel

www.hda.at