Assoziationen für einen langen Raum

Manchmal sind es nicht die White Cubes oder Museumsräume, die ein Werk verlangen, sondern jene Übergangszonen, die im Alltag meist unbeachtet bleiben. Lange Gänge, Erschließungsachsen, Räume mit großen Wänden. Hier setzt das monumentale Bildprojekt Assoziationen zum Leben von Traute Molik-Riemer an. Ein Werk, das nicht punktuell betrachtet werden will, sondern sich im Vorübergehen entfaltet und Raum und Bewegung voraussetzt.
Der Zyklus besteht aus 80 Ölbildern im Format 100 mal 100 Zentimeter. In einer linearen Hängung ergeben sie ein rund 40 Meter langes Bildband bei zwei Metern Höhe. Entstanden über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren verdichtet sich hier eine Lebensgeschichte zu einer räumlichen Erzählung. Jedes Bild funktioniert für sich, zugleich entsteht erst im seriellen Zusammenhang jene Kraft, die den Anspruch des Gesamtwerks ausmacht.

Ein Werk für den Weg
Assoziationen zum Leben ist kein klassischer Bilderzyklus im narrativen Sinn. Vielmehr reiht sich Bild an Bild wie Gedanken im Gehen. Beginnend mit der Geburt führt der Zyklus durch frühe Kindheit, gesellschaftliche Prägung, Pubertät, Begehren, Anpassung und Widerstand. Immer wieder taucht die Frage nach Selbstbestimmung auf, besonders aus weiblicher Perspektive. Historische Rollenbilder, religiöse Zuschreibungen und patriarchale Strukturen werden nicht illustriert, sondern emotional verdichtet.
Gerade deshalb eignet sich das Werk für lange architektonische Räume. Der Gang wird zur zeitlichen Achse, die Bewegung der Betrachterinnen und Betrachter zur stillen Dramaturgie. Wer den Korridor durchschreitet, liest das Werk nicht frontal, sondern körperlich. Schritt für Schritt, Bild für Bild.
Architektur als Mitspieler
Gesucht ist eine lange Wand. Ein Korridor, ein Gang, ein Raum mit Tiefe. Idealerweise ein öffentliches oder halböffentliches Gebäude, ein Bildungsbau, ein Bürohaus, eine soziale Einrichtung. Die Bilder können durchgehend gehängt oder in Blöcke gegliedert werden. Auch Lücken sind möglich, ohne den Zyklus zu zerstören. Entscheidend ist die Länge, nicht die starre Abfolge.
Die Leinwände sind auf Spannrahmen aufgezogen und lassen sich flexibel montieren. Der Transport und die Hängung obliegen dem aufnehmenden Ort. Denkbar ist eine Dauerleihgabe oder ein kostengünstiger Ankauf. Ziel ist nicht der private Besitz, sondern Sichtbarkeit. Das Werk soll Menschen begegnen, nicht verschwinden.
Der lange Blick
Assoziationen zum Leben fordert Aufmerksamkeit, aber keine Stille. Es ist kein Werk für den kontemplativen Rückzug, sondern für den Alltag. Für Wege zwischen Büros, Klassenräumen, Abteilungen. Für jene Orte, an denen Architektur oft nur Funktion ist. Hier wird sie zur Bühne für Erinnerung, gesellschaftliche Fragen und persönliche Projektionen.
Am Ende bleibt kein Schlussbild, kein Abschluss. Das Leben geht weiter, auch jenseits des letzten Rahmens. Genau darin liegt die Stärke dieses langen Bildes. Es endet nicht im Raum, sondern setzt sich im Kopf fort.
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