Auf der A40 im Stau zu stehen, ist nicht schön. Für die meisten der 5,2 Millionen Einwohner:innen im Ruhrgebiet ist es trotz der Kosten, die mit Autobesitz verbunden sind, jedoch immer noch besser, als sich Bussen und Bahnen anzuvertrauen. Der öffentliche Nahverkehr trägt bislang nur unzureichend zu Klimaschutz und sozialer Teilhabe in der Region bei – auch, weil die polyzentrische Struktur des Ruhrgebiets besondere Anforderungen an das Verkehrsnetz stellt.


Um die Herausforderungen des Ruhrgebiets zu verstehen, lohnt ein Blick auf seine räumliche Struktur. Anders als andere europäische Ballungsräume verfügt die Region über kein dominierendes Zentrum. Stattdessen besteht sie aus einer Vielzahl gleichwertiger Kerne, die zwar unterschiedliche Größen aufweisen, jedoch innerhalb ihrer Größenordnung jeweils in ihrer Bedeutung vergleichbar sind. Dadurch gibt es keine klassischen Stadt-Umland-Verflechtungen, weshalb beispielsweise Pendler:innenströme nicht einseitig in eine Richtung hinein oder hinaus führen. Dementsprechend kann eine sinnvolle Verkehrsinfrastruktur nicht radial aufgebaut sein, sondern muss die Zentren gleichmäßig miteinander verbinden. So ergeben sich Siedlungsbänder, die über ein dichtes Infrastrukturnetz miteinander verbunden sind. Das über 600 Kilometer lange Autobahnnetz zählt zu den dichtesten in Europa und ermöglicht eine hohe Erreichbarkeit mit dem Auto. Auch das Eisenbahnnetz ist gut ausgebaut, vor allem entlang der Hauptachsen zwischen den Großstadtzentren. In der Fläche aber bleibt das Angebot lückenhaft.

Viele Köche verderben den Brei

Die Dichte von Verkehrsinfrastrukturen erscheint auf den ersten Blick beeindruckend. Bei genauer Betrachtung fallen jedoch Defizite auf. Dies gilt im besonderen Maße für das aktuell bestehende ÖPNV-Netz, das den Anforderungen des Raums nicht gerecht wird. Noch immer wird das kommunale Bus- und Straßen-/ Stadtbahn-Angebot von den Kreisen und kreisfreien Großstädten nach eigenen Vorlieben geplant und betrieben. Die kommunalen Bus- und Bahnnetze sind dadurch in weiten Teilen nicht miteinander kompatibel und auf das je eigene Stadtzentrum ausgerichtet, was den polyzentrischen Charakter der Region verkennt. Dadurch bestehen insbesondere zwischen den Administrationsgrenzen Angebotsdefizite, unter denen besonders Menschen, die keine Alternative zum ÖPNV haben, leiden. Zwar gibt es in der Region Einigkeit darüber, dass diese Defizite angegangen werden sollen und mit dem Mobilitätsimpuls.RUHR den Versuch von Aufgabenträgern und Regionalverband, die Angebote zu vereinheitlichen. Eine notwendige Reform der Organisationsstrukturen bleibt jedoch aus.

S-Bahnen im Stundentakt

Auch der Schienenpersonennahverkehr weist Defizite auf. Die zwei wichtigsten Eisenbahnstrecken zwischen Duisburg und Dortmund haben ihre Kapazitätsgrenzen seit langem deutlich überschritten und gelten als überlastet. Ein eigenständiges flächendeckendes S-Bahnnetz, das für einen polyzentrischen Ballungsraum wie diesen zum Erreichen der vielfältigen Zentren wichtig wäre, gibt es nicht. Bestehende S-Bahnlinien verkehren zu großen Teilen auf denselben Strecken wie der Regional- und Fernverkehr und meist nicht häufiger als alle 30 Minuten, teilweise sogar nur stündlich. Ein nennenswerter Infrastrukturausbau ist in den letzten Jahrzehnten im S-Bahnnetz ausgeblieben. . .

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