Ausstellung: Auf den Spuren der Brüder Schwadron

Mit der seit heute zu sehenden Ausstellung BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren erhält das Vermächtnis der von 1899 bis 1938 in Wien ansässigen Baukeramikfirma der jüdischen Brüder Schwadron erstmalig ein museales Forum. Anknüpfend an die im Jänner 2014 in den Räumlichkeiten des ehemaligen Firmensitzes am Franz-Josefs-Kai 3 gezeigte Schau BRÜDER SCHWADRON call to mind eröffnet die gänzlich auf Crowdsourcing basierende Ausstellung BRÜDER SCHWADRON neue Orte & Spuren im MAK FORUM tiefe Einblicke in das Schaffen und die Geschichte des bedeutenden Baukeramikunternehmens. Die gezeigten Resultate eines Open Calls, der die Bevölkerung im Rahmen des Schwadron-Projektes 2013 einlud, Zeugnisse des Wirkens der Brüder Schwadron aufzuspüren, leisten beeindruckende Reminiszenzen an das mannigfaltige Werk.

Als eines der führenden Keramikunternehmen der Jahrhundertwende prägte das aus Galizien stammende und vom Naziregime zerstörte Familienunternehmen Brüder Schwadron das Stadtbild Wiens. Mit qualitativ hochwertigen Erzeugnissen für private und öffentliche Gebäude leistete es einen erheblichen Beitrag zur Blütezeit des Kunsthandwerks zwischen Späthistorismus und Jugendstil. Namhafte Künstler, Architekten und Lehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule wie Otto Prutscher, Michael Powolny, Berthold Löffler und Leopold Forstner arbeiteten mit und für die Firma Schwadron, die den Aufstieg der Wiener Keramik begleitete.

Die zahlreichen Hinweise interessierter Menschen, „Scouts“, zum Wirken der Brüder Schwadron übertrafen die Erwartungen des Projektteams rund um Kuratorin Tina Zickler. In Wien und Baden konnten 25 bis dato unbekannte Wohnhäuser und Villen mit neuen Dekoren identifiziert werden. Auch in Tirol wurde ein Kachelofen entdeckt, dessen Türchen Name und Adresse der Brüder Schwadron zeigt. Ein weiterer in gleicher Weise „gebrandeter“ Kachelofen befindet sich im Salon einer Wiener Wohnung im 7. Bezirk. Exemplarisch für die Vielfalt der von den „Scouts“ entdeckten Orte und Objekte ist ein Brunnen, der im Eingangsbereich der Residenz Zögernitz zu finden ist und unter Denkmalschutz steht. Zu den eingereichten Fundstücken zählt auch eine Signaturfliese, die von „Ariseuren“ des Naziregimes speziell gekennzeichnet wurde.

Zwei Neptun-Skulpturen nach dem Entwurf von Michael Powolny sind die Highlights der Ausstellung. Im ehemaligen Wiener Dianabad, das die Brüder Schwadron baukeramisch komplett ausstatteten, zierten acht Exemplare des Neptuns die Wandnischen um das Warmwasserbassin im Herrendampfbad. Ein besonderes Exponat ist eine Fotografie, die die Teilnahme des Unternehmens an der Frühjahrsausstellung des Österreichischen Kunstgewerbes 1912 im heutigen MAK demonstriert. Die Brüder Schwadron gestalteten das Ziegelmauerwerk und den Fußbodenbelag für den von Oskar Strnad entworfenen Gartensaal in dieser Leistungsschau des Kunsthandwerks.

Historische Aufnahmen von heute gänzlich oder partiell zerstörten Bauträgern, die einst Dekore der Brüder Schwadron zierten, zeigen die Präsenz der Firma Schwadron. Dokumente aus dem Österreichischen Staatsarchiv verdeutlichen die Repressalien, die Victor Schwadron unter der Herrschaft der NSDAP zu erdulden hatte.

Hervorzuheben sind die bemerkenswerten Fotografien von Lisa Rastl, die als spannende Porträtstudien der wiederentdeckten Fliesen und Keramiken in zahlreichen Entrees und Stiegenhäusern fungieren.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Weitere Infos zum Projekt: www.projekt-schwadron.at

Die Ausstellung ist im MAK (www.mak.at) in Wien noch bis zum 30.11. zu sehen.