Ausstellungsgestaltung heute

Wer heute ein Museum besucht, betritt nicht mehr zwangsläufig einen Ort konzentrierter Kunstwerken oder wissenschaftlicher Vermittlung. Immer häufiger werden Ausstellungen zur Bühne, auf der das Smartphone zum wichtigsten Vermittlungsmedium (und heimlichen Kurator) geworden ist. Dient modernes Ausstellungsdesign also lediglich dem Feed? the next ENTERprise Architects sind begeisterte Ausstellungsgestalter:innen und haben Antworten auf diese Fragen gefunden.
Gutes Ausstellungsdesign spricht möglichst viele Sinne an. Es schafft nicht nur Orientierung, sondern inspiriert, weckt Neugier und regt zum Nachdenken an“, ist Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs überzeugt. „Neben dem inhaltlichen Narrativ prägt Ausstellungsdesign auch die Atmosphäre und die Aufenthaltsqualität eines Ortes“, ergänzt ihr Büropartner Ernst J. Fuchs. „Eine Ausstellung ist immer ein vielschichtiges Gesamtenvironment.“ Diesem Credo haben sich auch neue Formate bereits verschrieben: Riesige Installationen, immersive Räume, spektakuläre Lichtinszenierungen und farbintensive Szenografien erzeugen Bilder, die sich hervorragend auf Social-Media-Plattformen verbreiten lassen. Die Ausstellung gerät dabei oft zur Kulisse, das Exponat zum Hintergrund von Selbstdarstellung. „Entscheidend ist für uns jener Moment, in dem Inhalt und Raum durch eine gestalterische Struktur miteinander verbunden werden und eine eigene Atmosphäre entstehen lassen“, betonen die Architekt:innen. Bei der Wotruba-Schau (Belvedere 21 2025) bildete die Ausstellungsarchitektur von the next ENTERprise etwa einen „Resonanzraum“, der das Werk des Bildhauers räumlich und inhaltlich leicht, aber mit Tiefe in Szene setzte. „Letztlich besteht unsere Aufgabe darin, Inhalten eine szenografische Erzählstruktur zu geben“, meint Ernst J. Fuchs. „Dieses Prinzip gilt unabhängig vom jeweiligen Ausstellungsformat.“
Das Smartphone als neues Vermittlungsinstrument Vielleicht war Ausstellungsgestaltung immer schon Inszenierung. Bereits im 19. Jahrhundert wurden Objekte gezielt arrangiert, um bestimmte Narrative zu erzeugen. Neu ist jedoch die Dominanz der fotografischen Verwertbarkeit – die Fähigkeit, „instagrammable“ zu sein. Auch the next ENTERprise sehen sich mit diesen Anforderungen bei nahezu jedem Projekt konfrontiert. Aus kommunikativer Sicht ist dies zunächst ein Erfolg: Alle Besucher:innen sind potenzielle Multiplikator: innen. Doch Reichweite ist noch nicht gleich Vermittlung, warnt Harnoncourt-Fuchs: „Uns interessiert daher vor allem die Frage, welcher spezifische Wert dem analogen Ausstellungsbesuch in einer zunehmend digitalen Welt zukommt. Der Raum vermittelt nicht nur Inhalte, sondern schafft Bedingungen für individuelle Assoziationen und Wahrnehmungsprozesse. Die Gestaltung gibt dabei lediglich Impulse.“
Ausstellungen oder Selfie-Spot? Sogenannten „Signatur Spaces“, die sich viral verbreiten und einer Schau zu mehr Sichtbarkeit verhelfen, stehen the next ENTERprise keineswegs abgeneigt gegenüber. Bei „Wien von Oben“ (Wien Museum 2017) wurde ein historisches Stadtmodell durch einen Spiegel „von oben“ erfahrbar gemacht – ein inszenierter Blickfang, der auch einen verlockenden Selfie-Spot darstellte. Dass dabei manchmal besonders prägnante Perspektiven entstehen, die auch fotografisch gut funktionieren, ist eher eine Folge dieser räumlichen Dramaturgie als ihr Ausgangspunkt, so Harnoncourt-Fuchs. Zeitgemäße Ausstellungsgestaltung muss einen schwierigen Balanceakt leisten. Sie darf visuell attraktiv sein, ohne zur bloßen Kulisse zu verkommen. Sie sollte digitale Medien nutzen, ohne sich deren Logik vollständig zu unterwerfen, meint Ernst J. Fuchs. Dabei habe sich die inhaltliche Komplexität in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verdichtet: Historische Positionen werden zunehmend mit zeitgenössischen Perspektiven in Beziehung gesetzt. Medienkunst, Skulptur, Malerei, Literatur oder digitale Formate treten selbstverständlich miteinander in Dialog. . .
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