Barbara Holub: Nachgehen, vorgehen.

Barbara Holub: Projekt „Am Stadtrand“ | Foto: Barbara Holub

Ort:  1010 Wien

Als „künstlerisch-urbanistische Forscherin“ wird die in Wien lebende Architektin und Künstlerin, Kuratorin und Autorin, Barbara Holub oft bezeichnet. Gemeint ist mit diesem etwas sperrigen Begriff ein Verständnis, das die künstlerische Intervention als eine Basis und einen Ausgangspunkt begreift, um Prozesse der Veränderungen im urbanen Feld wirksam zu machen. Architektur und Kunst sind für Holub mögliche Produktionsformen, die direkte, auch längerfristig Lösungsvorschläge auf aktuelle gesellschaftliche Fragen und Anforderungen zu geben imstande sind. Im Rahmen von transparadiso, eine transdisziplinäre Praxis zwischen Kunst, Architektur und Urbanismus (1999 mit Paul Rajakovics gegründet) hat sie den „Direkten Urbanismus“ als sozial engagierte Methode für Stadtplanung vorangetrieben.

Ab 8. Juni (Ausstellungseröffnung um 19:00 Uhr) zeigt Barbara Holub in der Wiener Galerie Peithner-Lichtenfels einen Ausschnitt aus ihren Projekten der letzten Jahre, die sich in verschiedenen urbanen Kontexten eben mit der Frage befassen: Welche Möglichkeit hat Kunst, soziale und gemeinschaftliche Werte neu zu etablieren. Welche Visionen haben wir und wie können wir Initiative ergreifen, diesen nachzugehen?

Die Künstlerin entwickelt performative Situationen für urbanes Handeln, die nicht Aktivismus im direkten Sinne propagieren, sondern diskret 
die individuelle Verantwortung der TeilnehmerInnen anregen. Welche Risiken sind wir bereit einzugehen? Welche poetischen Momente können 
der Forderung nach Pragmatismus entgegenwirken? Barbara Holub aktiviert die Ambivalenz zwischen Sprachlosigkeit und Handeln und tritt 
damit der Lautheit des Ringens nach medialer Aufmerksamkeit entgegen.

Für „More Opportunities“ (Plymouth Arts Centre/GB) inszenierte Barbara Holub eine stille Demonstration mit weiß reflektierenden leeren Tafeln, 
die durch die Wiederholung wie eine Übung erscheint. Die Demonstration knüpft an den dockyard strike in Plymouth (1969) an, der vom 
zuversichtlichen fröhlichen Gesang der Demonstranten von „We shall overcome“ getragen war.

In „Am Stadtrand“ (Wien-Aspern) lud Barbara Holub zu performativen Stadtrandspaziergängen „vor der Architektur“ ein, in denen all jene 
vorhandenen Qualitäten noch einmal erfahrbar wurden, die nicht Eingang in die Planung von Aspern-Seestadt gefunden haben. Daraus entstand 
das Hörstück „Die Blue Frog Society spaziert auf den Mond“ für Ö1-Kunstradio (mit Bruno Pisek). 
Seither versammelt sich die Blue Frog Society an wechselnden Orten und zu verschiedenen Anlässen (u.a. 64th UN NGO/ DPI congress in Bonn; 
Czech Center, New York; DOX Center for Contemporary Art, Prag) um Möglichkeiten eines „non-territorialen Habitats“ zu erforschen. 
Die Performances bzw. urbanen Interventionen sind in der Ausstellung als Fotoarbeiten, Zeichnungen, Skulptur und Videoprojektion zu sehen.

Die Ausstellung schreibt das neue Profil der Galerie, das sich gesellschaftlich engagierten Themen widmet, fort. (Quelle: Barbara Holub)

Gleichzeitig werden die Ausstellungen „Dialectical Property“ von Enko und Peter Gysi und „Groundwork“ von Robert Sagerman eröffnet.

Ort: Galerie Peithner-Lichtenfels, Sonnenfelsgasse 6, 1010 Wien

Ausstellungsdauer: 9. Juni bis 7.Juli 2017
KünstlerInnengespräch: 21.Juni 2017, 19:00
mit Barbara Holub und Lucas Gehrmann (Kurator, Kunsthalle Wien)

www.barbaraholub.com
http://www.koer.or.at/projekte/am-stadtrand/
www.gplcontemporary.com