Intervention im belasteten Bestand

Blitzblaues Antidot

Wie umgehen mit Architektur und Kunst aus totalitären Zeiten? Im Stadtkino im Wiener Künstlerhaus hängen bis heute zwei monumentale Gemälde eines NS-nahen Künstlers. Eine Sanierung setzt ihnen ein blitzblaues Gegenbild entgegen – und liefert endlich Kontext.

Schwere Erbschaft Länder, die von totalitären Regimen dominiert wurden, tragen weltweit bis heute schwer an der Last ihres überkommenen Erbes. Mancherorts wird sie mühsam bewegt, andernorts (vielleicht auch bewusst) auf die leichte Schulter genommen. Wer heute durch Italien fährt, wird unweigerlich mit den zahllosen Relikten der faschistischen Ära (1922–1945) konfrontiert. Bauwerke und infrastrukturelle Objekte tragen Hoheitszeichen und Inschriften, die materielle Zeugnisse einer ideologisch aufgeladenen und entsprechend belasteten Bautätigkeit sind. Die Dauerhaftigkeit der Bauten und die Verwendung hochwertiger Materialien, verbunden mit der mangelnden historischen Aufarbeitung, ergeben ein unangenehm schräges Bild des heutigen Italiens, denn keines der Werke wird auf irgendeine Weise kontextualisiert.

©Lea Sonderegger

Österreich: Spuren ohne Einordnung

Die historische Aufarbeitung der totalitären Regime in Österreich – Ständestaat/Austrofaschismus und die Zeit als „Ostmark“ im „Dritten Reich“ – setzte mit der Waldheim-Affäre in den 1980er-Jahren ein. Doch auch 40 Jahre später besteht weiterer Bedarf. Wiewohl die Bautätigkeit zwischen 1934 und 1945 hierzulande im Vergleich zu anderen totalitär regierten europäischen Ländern weitaus geringer ausfiel, hat Österreich mit Bauten, Ensembles und Infrastrukturen aus dieser Zeit immer noch zu schaffen: die Wiener Flaktürme, die Konzentrations- und deren Außenlager, Teile der Westautobahn, die Wiener Höhenstraße, Fabrikanlagen oder Ausstattungen in öffentlichen Bauten – etwa Gobelins aus dem Ständestaat. Vieles davon befindet sich bis heute auf verstörende Weise und ohne kontextualisierende Erläuterungen noch an den ursprünglichen Standorten.

Nachkriegs-Kino, alte Bilder

Als das Künstlerhaus in Wien in der ersten Nachkriegszeit an Geldmangel litt, griff man ein älteres Vorhaben auf: den Einbau eines Kinos. Der Saal des Künstlerhauskinos wurde, dem Ort entsprechend, umfassend künstlerisch ausgestattet, unter anderem mit zwei monumentalen Leinwandgemälden, die mittels einer raffinierten Seilkonstruktion vor den Seitenwänden aufgespannt wurden. Entworfen wurden sie von Rudolf Hermann Eisenmenger, ausgeführt mit Hilfe von Rudolf Holzinger. . .

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