Das Trompe-l’œil des zeitgenössischen Wohnbaus

Bloque Cebra

In den letzten 20 Jahren hat sich in der spanischen Wohnbauarchitektur ein Typus so stark verbreitet, dass er im Stadtbild vieler Städte fest etabliert ist: zweifarbige Fassaden mit horizontalen Streifen, Außenwärmedämmung, Grundrisse, die auf den minimalen Vermarktungsstandard zugeschnitten sind, Arbeitsplatten in Marmoroptik und Fußböden in Holzoptik. Ein Architekt:innenkollektiv hat dieses Phänomen „Bloque Cebra“ getauft. Hat man es einmal erkannt, kann man es nicht mehr übersehen.

Es zu benennen ist ein Akt des Aktivismus. Was als technische Lösung präsentiert wurde, entpuppt sich als kulturelle Konvention und wirtschaftliches Instrument. Das Kollektiv „ Bloque Cebra“ zeigt, dass es sich dabei nicht um eine Frage des Geschmacks handelt, sondern um ein systemisches Problem, eine Struktur von Anreizen, die Bauträger:innen, Behörden und technische Expert:innen auf die Reproduktion des etablierten Typs einschwört. Seine Ausbreitung – im geförderten und im privatwirtschaftlichen Wohnungsbau, in den Vororten und auf bebauten Flächen – bestätigt seine Dominanz in der Branche. Ein Architekturstil, der allgemeingültig genug ist, um keine Vorbehalte zu wecken, und flexibel genug, um sich jedem Marktsegment anzupassen.

Im Zentrum des Phänomens steht die Entkoppelung von der Rolle der Architekturschaffenden. Das Programm ist vordefiniert, die Materialien sind ausgehandelt, die Fristen festgelegt, und die Architekt:innen greifen erst ein, wenn die grundlegenden Entscheidungen bereits getroffen sind. Obwohl sie das Projekt abzeichnen, haben sie es in keiner wesentlichen Art und Weise entworfen. Deshalb wird der Bloque Cebra, wie die Mitglieder des Kollektivs sagen, nicht entworfen, sondern abgewickelt. Die Ästhetik bildet die Grundlage dieses Trompe-l’oeil. Die schwarz-weißen Streifen entspringen jedoch keiner gestalterischen Entscheidung, sondern einer kostenorientierten Logik, die die Fenstergröße aufgrund der Dicke der Dämmung reduziert, während der Farbkontrast eine Illusion von Tiefe erzeugt, die diese Flachheit kaschiert. Im Inneren wiederholt sich dasselbe Muster: drei Schlafzimmer und zwei Badezimmer, auch wenn das bedeutet, auf ein anständiges Wohnzimmer zu verzichten – Lösungen, die auf Werbefotos beeindrucken, in der Realität jedoch enttäuschen. . .


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