BÖIA | Innenarchitektur

Innenarchitektur entscheidet sich häufig im Unsichtbaren: im Licht, das fällt oder fehlt, im Klang, der bleibt oder verhallt, in der Materialität, die anziehen oder distanzieren kann. Als Disziplin scheint sie im kollektiven Bewusstsein dennoch in den Hintergrund zu rücken. Dabei birgt eine bewusste Kooperation zwischen Architekt:innen und Innenarchitekt: innen enormes Potenzial. Warum diese interdisziplinäre Synergie so essenziell ist, erklären Sabrina Haindl und Florian Sammer vom Bund Österreichischer Innenarchitektur (BÖIA) im Interview.
LAURA FREDIANI: Innenarchitektur wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig auf Dekoration oder ästhetische Oberflächengestaltung reduziert. Wie wird Innenarchitektur in Österreich aktuell wahrgenommen und wie kann ihre Sichtbarkeit gestärkt werden? BÖIA: Die Wahrnehmung von Innenarchitektur kann sehr stark sein, insbesondere wenn etwa in einer Nachbarschaft ein neues Restaurant entsteht, da das sowohl emotionale als auch bedürfnisbezogene Dimensionen unmittelbar anspricht. Tatsächlich übernehmen wir eine vermittelnde Rolle, übersetzen Anliegen in konkrete Pläne und geben den Nutzer:innen eine Stimme im Planungsprozess. Im Zentrum steht nicht die reine Gestaltung, sondern der Mensch. Dennoch wird die Innenarchitektur oft unterschätzt, obwohl soziale, ästhetische, technische und repräsentative Aspekte zu ganzheitlichen Raumkonzepten miteinander verbunden werden. Mit Formaten wie Vorträgen, Veranstaltungen und dem ELLA BRIGGS Award, Österreichs erster bundesweiter Auszeichnung für Innenarchitektur, stärken wir die Sichtbarkeit unseres Berufs und fördern Austausch sowie Qualität im Diskurs.
LF: Das Berufsfeld der Innenarchitektur ist nicht eindeutig definiert, die Berufsbezeichnung nicht geschützt und die Ausbildungswege sind vielfältig. Welche Auswirkungen hat die strukturelle Uneinheitlichkeit? BÖIA: Innenarchitekt:innen verfügen über unterschiedliche berufliche Hintergründe und haben verschiedene Ausbildungswege absolviert. Als österreichweiter Interessensverband richten wir uns gezielt an Personen, die im Bereich der Innenarchitektur sowie in der Raum- und Objektgestaltung professionell tätig sind. Wir setzen uns dafür ein, unsere Kompetenzen in der Baubranche zu sichern. Durch Aufnahmekriterien nach den Richtlinien des European Council of Interior Architects (ECIA) werden Vollmitglieder international als qualifizierte Innenarchitekt:innen anerkannt. Wichtig ist uns auch, dass Architekt:innen Teil unseres Vereins werden können. Wir pflegen bewusst Austausch auf Augenhöhe und möchten einen offenen Diskurs fördern, der die enorme Bandbreite der Innenarchitektur widerspiegelt. Ein weiteres Instrument zur Qualitätssicherung könnten Wettbewerbe sein, ein Prozess, der sich speziell in Österreich für innenarchitektonische Aufgaben noch nicht etabliert hat, jedoch großes Potenzial

LF: Im Kontext einer Welt, in der virtuelle Bilder zunehmend an Bedeutung gewinnen, prägen visuelle Referenzen immer stärker gestalterische Prozesse. Wie verändert ihr zunehmender Einfluss die Innenarchitektur und ihre Planungsprozesse? BÖIA: Unsere Arbeit beginnt mit der Bedarfsermittlung im direkten Austausch mit den Nutzer:innen. Bei Erstgesprächen zeigt sich immer mehr, dass visuelle Referenzen eine gemeinsame Sprache darstellen. Entscheidend ist jedoch meist nicht das sichtbare Element eines Referenzbildes, sondern dessen zugrunde liegende Qualität wie Atmosphäre, Materialität, Raumwirkung und vor allem Emotion. Bilder aus digitalen Plattformen werden zunehmend Teil des Briefings und müssen interpretiert werden, um daraus echte Bedürfnisse abzuleiten. Gleichzeitig kann Innenarchitektur in bestimmten Projekten bewusst als visuelle Bühne gedacht werden, etwa in der Gastronomie oder in öffentlich zugänglichen Bereichen. Hier rückt neben der gestalterischen Ebene auch die mediale Wirkung des Raums in den Fokus. . .
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