Buchempfehlungen aus der Redaktion

Die ausgewählten Titel beleuchten soziale, ökologische und gestalterische Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln – fundiert, kritisch und inspirierend. Ob Fachpublikum oder neugierige Leser:innen: Unsere Empfehlungen laden dazu ein, den Horizont zu erweitern, Denkprozesse anzustoßen und mutige Ideen in die Praxis zu übersetzen.
Form Follows Love
Anna Heringer, Dominique Gauzin-Müller
€ 38.00, Birkhäuser
„Schönheit hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit Kreativität und Liebe“ – mit diesem Satz fasst Anna Heringer nicht nur ihr eigenes Schaffen zusammen, sondern auch einen zentralen Gedanken, der immer mehr Architekt:innen beschäftigt. In Form Follows Love spricht sie mit Dominique Gauzin-Müller über ihren Weg: von den prägenden Lehm-Workshops bei Martin Rauch bis zu gefeierten Projekten im Globalen Süden und aktuellen Arbeiten in Europa. Dabei geht es um weit mehr als Materialfragen. Lehm ist für Heringer nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern Ausgangspunkt für gesellschaftliche Prozesse: Stärkung lokaler Wirtschaft, Förderung von Selbstvertrauen, neue Gemeinschaften. Architektur, das zeigt dieses Buch, entsteht für sie aus dem Miteinander – und aus dem Mut, mit einfachen Mitteln etwas Großes zu schaffen. Ein sehr persönlicher, inspirierender Blick auf eine Haltung, die weltweit an Bedeutung gewinnt.

Architecture and Welfare
T.Arrhenius, E.Braae, G.Ruu
€ 62.00, Birkhäuser
Der Fokus liegt auf ein zentrales Kapitel europäischer Architekturgeschichte: den Beitrag der nordischen Architektur zur Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Skandinavien ambitionierte Programme, um soziale Gleichheit auch räumlich zu verankern. Architektur wurde dabei zum Instrument der Demokratie – und zum gebauten Ausdruck eines Versprechens: Wohnen, Bildung, Gesundheit für alle. Doch dieses Erbe ist heute umkämpft. Was einst für Teilhabe stand, wird nun teils mit Entfremdung, Monotonie oder Segregation assoziiert. Der Sammelband geht dieser Ambivalenz nach und zeigt an Essays und aktuellen Fotoarbeiten, wie sich die Beziehung zwischen Architektur und Sozialstaat verändert hat. Es ist kein nostalgisches Buch, sondern ein kluges Lesebuch für die Gegenwart: Was bleibt vom Anspruch auf eine Architektur für alle – und wie könnte ein neues Kapitel aussehen?

Mapping the Zero Carbon City Region
R. Krebs, S.Mayr, C. Ramière, C. Staubmann
€ 42.00, jovis
Wie lässt sich die Klimakrise auf Maßstab einer ganzen Metropolregion denken? Mapping the Zero Carbon City Region zeigt es am Beispiel Wiens. Das Buch, entstanden im Umfeld von MetroLab, nutzt Mapping als kreatives Werkzeug: Um urbane und regionale Zusammenhänge sichtbar zu machen, Handlungsfelder zu benennen und neue räumliche Strategien zu entwickeln. Die Karten zeigen keine statischen Zustände, sondern Möglichkeitsräume — dynamisch, vielschichtig, über Grenzen hinweg gedacht. Dabei geht es nicht nur um CO₂-Reduktion, sondern um neue Allianzen zwischen Stadt und Umland, um Mobilität, Energie und Freiraum. Mapping the Zero Carbon City Region ist kein Handbuch, sondern ein Denkansatz — ein Instrument, das Planer:innen, Verwaltung und Politik inspiriert, vernetzte Antworten auf die Klimafragen der Gegenwart zu entwickeln. Ein Buch, das in jeder Planungsabteilung der Region liegen sollte.

Back to Earth
Studio Suddo Neuve
€ 32.00, jovis
Dieses westafrikanisches Lehrstück ist weit mehr als ein Handbuch. Das senegalesische Kollektiv Studio Suddo Neuve zeigt, wie lokale Ressourcen die Zukunft des Bauens prägen können. Statt energieintensivem Beton: Lehm. Statt globaler Standardisierung: ortsgebundene, regenerative Praktiken. Das Buch liefert nicht nur präzise Anleitungen zur Herstellung und Anwendung von Lehmsteinen, sondern setzt diese in einen größeren Kontext: Wie kann der westafrikanische Bausektor eine zukunftsfähige Antwort auf rasante Urbanisierung geben, ohne die Umwelt weiter zu belasten? Wie lassen sich traditionelle Techniken für heutige Anforderungen adaptieren? Back to Earth verbindet Handwerk mit Haltung. Es plädiert für ein Bauen mit und nicht gegen die Erde — und zeigt zugleich, welche globalen Impulse aus solch lokal verwurzelten Projekten erwachsen können. Ein Buch, das für die internationale Bauwende wichtige Fragen aufwirft — und ganz konkrete Lösungen anbietet.
