CITY IN THE CLOUD – DATA ON THE GROUND

Die Erzeugung und Nutzung von Daten durchdringt unser modernes Leben. Dieses Wachstum wird von einer wirtschaftlichen Logik angetrieben, die mehr Infrastruktur, den verstärkten Abbau wichtiger Rohstoffe und enorme Mengen an Energie erfordert. Was auf unseren Bildschirmen reibungslos erscheint, wird von einem riesigen System aus Kabeln, Rechenzentren und Kraftwerken gestützt. Doch das nimmt kaum jemand wahr.
Die unsichtbare Infrastruktur der Cloud
Wir interagieren mit aufpolierten Schnittstellen, die physischen Realitäten der Cloud oder der Abbaustätten bleiben dem Blick verborgen. Diese Unsichtbarkeit ist kein Zufall; sie versteckt die ökologischen und politischen Folgen der digitalen Expansion vor der öffentlichen Wahrnehmung. Die Ausstellung „City in the Cloud – Data on the Ground“ im Architekturmuseum der Technischen Universität München setzt sich mit dieser unsichtbaren Kluft auseinander. Sie zeigt, wie die exponentielle Anhäufung von Daten Landschaften umgestaltet und dabei sehr konkrete Auswirkungen hat: Unterwasserkabel, die noch immer kolonialen Vorbildern folgen; Bergbaustandorte, die im Namen „grüner“ Technologien expandieren; und Rechenzentren, die so viel Strom und Wasser verbrauchen wie ganze Städte. Die der Ausstellung zugrunde liegende Forschung erinnert uns daran, dass digitale Infrastrukturen durch und durch materiell sind. Damit wird die Annahme in Frage gestellt, dass das digitale Gedächtnis dauerhaft ist. In Wirklichkeit altern Speichermedien schnell, Formate werden unlesbar, und das digitale Erbe erweist sich als zerbrechlicher als erwartet.

Digitale Landschaften und ihre Spuren
Dieses Problem hat direkte Auswirkungen auf die Architektur. Während sich die Disziplin zunehmend auf BIM-Umgebungen, digitale Zwillinge und KI-generierte Bilder verlagert, entstehen riesige digitale Archive, deren langfristiger Erhalt keineswegs gesichert ist. Mehrere Werke der Ausstellung machen diese Risiken deutlich. „Prompts & Provenance“ von Virginia Zangs und Judd Smith zeigt, wie KI-Systeme ganze Weltregionen übersehen oder verzerren. Die Technologien, auf die Architekt:innen heute bauen, können unser räumliches Verständnis verengen, indem sie die in ihren Datensätzen eingebetteten Verzerrungen reproduzieren. „Computational Compost“ von Marina Otero Verzier und Locument stellt der Kultur des endlosen Speicherns die Praxis einer bewussten „Daten-Trauer“ entgegen – das Zulassen von digitalem Verfall als Analogie zu natürlichen Kreisläufen der Zersetzung. „Unbuilding“, entwickelt von Begüm Saral am Lehrstuhl für Digitale Fertigung der Technischen Universität München, nutzt Robotik und räumliche KI, um Ziegelkonstruktionen abzubauen. Dabei wird jedes Einzelteil katalogisiert und ein digitaler Zwilling erstellt, wodurch der Abriss als regenerativer Prozess neu definiert wird, der sowohl das materielle als auch das digitale Gedächtnis respektiert. . .
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