Das Unsichtbare gestalten

Lichtplanung bleibt oft im Hintergrund, prägt jedoch entscheidend, wie Architektur in der Dunkelheit wahrgenommen und genutzt wird. Iris und Michael Podgorschek von podpod design erklären, warum gute Lichtplanung nicht bei Leuchten beginnt, sondern beim Lichtraum. Das Wiener Büro arbeitet an Sakralbauten wie dem Stephansdom und an zeitgenössischen Innenräumen.
LINDA PEZZEI: Wie definiert sich die Arbeit von Lichtplaner:innen? IRIS PODGORSCHEK: Gute Lichtplanung sollte nicht vordergründig ablesbar sein. Licht selbst ist nicht sichtbar, es macht sichtbar. Wir denken daher nicht zuerst in Leuchten, sondern in Lichträumen: in Gewichtungen, Atmosphären, Funktionen und Blickbeziehungen. Meist entsteht ein Zusammenspiel aus funktionaler und dekorativ-emotionaler Ebene. Dazu braucht es technisches Wissen, aber auch künstlerisches Feingefühl. Licht beeinflusst biologische Rhythmen, Wohlbefinden, Emotion und Wahrnehmung.
LP: Wann sollte Lichtplanung in den Planungsprozess einsteigen? MICHAEL PODGORSCHEK: So früh wie möglich, idealerweise in der Konzeptphase. Dann lässt sich gemeinsam mit der Architektur eine Vision entwickeln, in der Licht technisch und gestalterisch sinnvoll integriert ist. Kommt die Lichtplanung zu spät, sind Umplanungen im Rohbau die Konsequenz, neue Kabelwege, Bohrungen, Kompromisse und Mehrkosten. Auch Steuerungssysteme und realistische Leuchtenbudgets werden häufig unterschätzt.
LP: Wie unterscheidet sich die Arbeit an historischen Monumenten von der an zeitgenössischen Innenräumen? IP: Im Grunde beginnt jedes Projekt wieder bei null. Historische wie moderne Bauten sind Räume für Menschen – mit funktionaler und emotionaler Wirkung. Bei historischer Substanz kommt jedoch ein enges Korsett hinzu: Denkmalschutz, bestehende Leitungen, Montagepunkte, Tabuflächen wie Stuck, Gemälde oder Stein. Oft entwickeln wir Sonderleuchten oder adaptieren Bestandsleuchten technisch. Der Stephansdom war ein Balanceakt zwischen Lichtführung, Erscheinungsbild, Leitungsführung und Montagepunkten. Im Neubau kann man freier planen. . .
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