Die Alte WU umnutzen?

Die so genannte Alte Wirtschaftsuniversität (WU) in Wien ist gar nicht so alt. Vor ihr war der Standort der Wiener Hochschule für Welthandel im 19. Bezirk beim Währinger Park, 1982 übersiedelte man ins Universitätszentrum Althanstraße 1 (UZA 1) im 9. Bezirk – die Alte WU –, bevor 2013 schließlich der neue Campus im Prater bezogen wurde.
Die Alte WU gab es also genau 31 Jahre lang, sie war Teil der gewaltigen Überbauung des Franz-Josefs-Bahnhofs, die neben der WU auch das Zoologische Institut, das Biologiezentrum, zwei Postgebäude, das Technische Zentrum der Creditanstalt von Karl Schwanzer und später das Pharmazie- und Geozentrum und das Verkehrsamt umfasste, ein Areal von einem Kilometer Länge, im Schnitt 150 Meter breit, mitten in der Stadt. Beteiligt war daran eine Vielzahl von Architekten, im Falle der WU Kurt Hlaweniczka. Damals, in den 1970er Jahren, meinte man, mit der Überbauung könne man „zwei bisher voneinander getrennte Teile des 9. Wiener Gemeindebezirkes miteinander verbinden“. Der Bau sollte „innere und äußere Flexibilität“ bieten, „so variabel wie möglich“ sein und eine „20-prozentige Baulandreserve“ für „neu auftauchende Erfordernisse“ enthalten, damit man auf geänderte Bildungskonzepte und Nutzungsanforderungen reagieren könne (Der Aufbau 12/1981). Abriss nach 45 Jahren All die Vorsorge für zukünftige Veränderungen war jedoch vergeblich. Nach 31 Jahren Nutzung durch die WU und 14 weiteren Jahren universitärer und kultureller Zwischennutzung soll ab 2027 das UZA 1 abgebrochen werden, um an seiner Stelle neue Universitätsgebäude zu errichten, und zwar überwiegend auf der Stahlbetonplatte in neun Meter Höhe, die den Frachtenbahnhof unter der Alten WU überdeckt, der unverändert in Betrieb ist. Ein etwa 45 Meter breiter Teil der Platte entlang der Augasse soll abgebrochen werden, um die Barrierewirkung zu reduzieren. Die Weiterverwendung des Großteils dieser riesigen Überdeckung bedeutet, dass 40 Prozent der bestehenden Betonstruktur erhalten bleiben. Das Konzept folgt den Rahmenvorgaben der Wiener Stadtplanung, die 2024 beschlossen wurden.
Könnte die Alte WU bleiben?
Das UZA 1 gehört der Bundesimmobiliengesellschaft, die an seiner Stelle Neubauten für die Universität Wien, die Universität für Bodenkultur und einen Bundesschulstandort plant. Man fragt sich, warum ein Universitätsbau der 1970er Jahre, der für Nutzungsflexibilität konzipiert wurde, heute abgerissen und durch Neubauten für dieselbe Nutzung ersetzt werden muss. Die Antwort darauf ist vielgestaltig: Die Konstruktion entspricht (natürlich) nicht heutigen Erdbebennormen, die Statik lässt nur geringe Aufstockungen zu, es gibt zu geringe Raumhöhen, zu wenig natürliche Belichtung, Schwingungen aus dem Bahnbetrieb. Man darf schließen: Heutige Bildungsbauten sind viel effizienter als damalige, besitzen weniger großzügige Allgemeinflächen und eine höhere Dichte. Man kann vermuten, dass viele der Probleme des Bestands mit hohem Aufwand lösbar wären, manche vielleicht auch nicht. Aus Nachhaltigkeitssicht müsste man den Bestand erhalten, aber die heutigen Rahmenbedingungen lassen das mit vertretbarem Aufwand scheinbar nicht zu, oder die Eigentümerin und ihre Auftraggeberinnen wollen diesen Aufwand nicht tragen. Vergangenes Jahr formierte sich eine zivilgesellschaftliche „Allianz Alte WU“, die das nicht akzeptieren will, sondern das Ziel verfolgt, „das Gebäude in seinem architektonischen, ökologischen und kulturellen Wert zu bewahren“. . .
Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 1-2/2025. Der Volltext ist ab Seite 32 zu finden.