Holzbaupreis Steiermark 2019

Die besten Holzbauten Steiermarks

Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau © G.Ott

Mit 60% Waldfläche ist die Steiermark das waldreichste Bundesland Österreichs. Da ist es nur naheliegend, dass auf den übrigen, unbewaldeten Flächen auch einige wertvolle Holzbauten zu entdecken sind. Auch dieses Jahr begab sich die Jury des steirischen Holzbaupreises auf die Suche nach innovativen Projekten.


Das „Holzbau-Können“ ist schon seit Jahrzehnten vorhanden. Jetzt kommt das „Holzbau-Wollen“. Der Holzbaupreis Steiermark zeigt heuer dieses „Wollen“, gerade  im mehrgeschossigen, großvolumigen Wohnbau. Schöne, funktionelle und innovative Architektur geht Hand in Hand mit Holzbau-Handwerk auf höchstem Niveau – bis an die Leistungsgrenze des Baustoffes Holz. Von Spannweiten bis zu 50 Metern in einem Stück  bis hin zu feinen Lärchenschindeln – das alles kann Holz, ausgezeichnet.

Die Jury entschied sich aus rund 180 Einreichungen(!)  nach den Kriterien Architektur, Handwerkskunst und innovative Funktionalität für zehn Preisträger. Zusätzlich wurde via Online-Voting der „Publikumspreis“ für den beliebtesten Holzbau vergeben. Die Auslober vergaben einen Sonderpreis zur Erhaltung landwirtschaftlicher Baukultur. (www.holzbaupreis-stmk.at) 

Private Wohnbauten - E15 Haus L
Bauherr: N. N.
Planung: projektCC zt gmbh
Holzbau: Bau & Holz Posch GmbH
Statik: JR-Consult ZT

Inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen liegt das Einfamilienhaus. Der erste Eindruck von der Ferne lässt die Frage auftauchen, ob das angenehm in die Landschaft eingebettete Haus mit seiner niedrigen, flachen Bauweise nicht ein Haus für landwirtschaftliche Nutzung ist. Kommt man näher, entdeckt man erst die differenzierte Feingliedrigkeit des Objektes. Die Eingangstür, eigentlich ein Drehtor,  eröffnet eine Wohnwelt, in der eine transparente fein gegliederte Konstruktion aus Holz, die Rundumausblicke in die Landschaft freigibt.

Sensibel ist der Umgang mit Holz als Baustoff, als innenarchitektonisches Element wie der Deckenuntersicht aus Weißtanne und den Tischlermöbeln aus lokalem Eichenholz. Die zurückhaltende Ausführung der Bauweise mit nur zwei Stahlrahmen zur Unterspannung zeigt keine klobigen Details, zeigt spürbare Leichtigkeit. 
Die Freiheit des Architekten in seinen Ideen hat in der Ausführung der Holz-Handwerker den richtigen Mitspieler gefunden, sodass ein gelungener Holzbau entstanden ist.

Private Wohnbauten - E15 Haus L

Mehrgeschossige Wohnbauten - M12 Wohnbau Max-Mell-Allee
Bauherr: Gemeinnützige Wohn- u. Siedlungsgenossenschaft Ennstal reg. Gen.m.b.H. Liezen
Planung: Nussmüller Architekten ZT GmbH
Holzbau: Strobl Bau - Holzbau GmbH
Statik: Ziviltechnikerbüro Koppelhuber

Ein Bekenntnis zum Holzbau im mehrgeschossigen Wohnbau ist die Grazer Wohnanlage. Denn die vorgegebene Grundstücksgeometrie war schwierig und verlangte nach einer kompakten Gebäudeform. Hier ist gelungen, die Vorteile von Holz baulich umzusetzen, die auch der Kostensituation im Mehrgeschossigen Wohnbau entspricht. Das Bekenntnis zu Holz äußert sich nicht nur konstruktiv sondern auch in der konsequenten Nutzung von Holz im Innenraum bis hin zu den Stiegenpodesten. So entstand ein lichtdurchflutetes, zeitgemäßes Zuhause für Familien, Einzelpersonen und Paare.
Leistbares Wohnen muss individuelle Gestaltung ermöglichen. So vereint der Holzbau in der Max Mell Allee „soziale Räume“ mit „individuellen Räumen“ in hoher Architektur. Die Qualität der Architektur ist spürbar in der Wertschätzung des Projekts durch seine Bewohner. 
Wer mit Holz bauen will, der kann das. Im Mehrgeschossigen Wohnbau, auch in dieser Preissituation
 

Mehrgeschossige Wohnbauten - M12 Wohnbau Max-Mell-Allee

Mehrgeschossige Wohnbauten - M14 Wohnbebauung Sternäckerweg
Bauherr: ÖWG Wohnbau
Planung: balloon architekten ZT-OG gaft&onion ZT-KG
Holzbau: Kulmer Holz-Leimbau GesmbH
Statik: Baumeister Ing. Wolfgang RAUCH GmbH

Die Wohnbebauung am Grazer Sternäckerweg entsteht in vier Bauabschnitten, rund 400 neue Wohnungen (!) und ein Kindergarten entstehen. Damit ist die Wohnbebauung Sternäckerweg  nicht nur eine städtebauliche Herausforderung, sondern durch die Errichtung in Holz-Riegel und Massivholzbauweise mit Brettsperrholz eine der größten „Holzbaustellen“ in der Steiermark. 
Die wirklich schöne Architektur, der klassische Ingenieurholzbau, schaffen städtischen Wohnraum, der durchdacht differenziert zwischen den öffentlichen, halböffentlichen und privaten Bereichen. Die Laubengänge aus Holz machen die Bauweise sichtbar. Das zentrale Element der einzelnen Bauabschnitte bildet eine „Wohnstraße“, an der sich die einzelnen Wohnhöfe angliedern. Die Dimensionen der Wohnhöfe sind eher kleinteilig und bilden somit intimere Siedlungsfreibereiche aus. Holz spielt hier – im zwei- bis viergeschossigen Wohnbau – alle seine Vorteile aus.  
 

Mehrgeschossige Wohnbauten - M14 Wohnbebauung Sternäckerweg

Zu- und Umbauten - E17 Haus H
Bauherr: Gunter Krischner
Planung: IG Bilek + Krischner GmbH
Holzbau: HHH Holz & Bau GesmbH
Statik: Kratzer ZT GesmbH

Ein Einfamilienhaus  aus den 1920er Jahren soll für eine junge Familie adaptiert werden. Entstanden ist die „Kunst der Fuge“, die das Miteinander von Alt und Neu achtungsvoll verbindet. Die Grundidee war, die Graue Energie aus dem Gebäude der 20er zu erhalten, und ihm eine eigenständige, archaische neue Grundform anzugliedern, die im Dialog mit der Struktur aus den 20ern steht, verbunden durch ein Glasband. 
Der architektonische Entwurf des Zubaus, die klassische Hausform, steht nicht in Konkurrenz zum Bestand, sondern akzentuiert subtil. Die zurücknehmende klare Form findet ihre
Ergänzung in klassischer Holzbaukunst. Klar und handwerklich auf höchstem Niveau ergänzen sich Architektur und Handwerk. Die klare Lärchenholzfassade findet ihre Fortsetzung am Dach. Sensibel renoviert wurden die Kastenfenster. Die alte Treppe war in einem schlechten Zustand und wurde durch eine neue Holztreppe ersetzt. Die Unscheinbarkeit, die Reduziertheit ergibt eine besondere Wohnqualität. 

Zu- und Umbauten - E17 Haus H

Bildungsbauten - G52 Neubau Volksschule Sankt Marein im Mürztal
Bauherr: Marktgemeinde Sankt Marein im Mürztal
Planung: Hohensinn Architektur ZT GmbH
Holzbau: Strobl Bau - Holzbau GmbH
Statik: Petschnigg ZT GmbH

Transparent und doch wieder introvertiert, einladend und flexibel, so zeigt sich das Gebäude der Volksschule St. Marein beim Betreten.
Der professionelle, spielerisch leichte Umgang mit dem Ingenieurholzbau und den sichtbaren Elementen beeindruckt genauso wie der Dialog zwischen Innen- und Außenraum sowie die architektonische Klarheit. Diese Volksschule bietet den Raum für eine mögliche Konzentration. 
Die Selbstverständlichkeit mit der Holz hier zum Einsatz kommt, ist beeindruckend. Die Funktionen einer Schule in dieser Leichtigkeit architektonisch zu interpretieren ist auszeichnungswürdig. In dieser (Spannweiten-) Qualität kann das in der Umsetzung nur Holz leisten. 
Alles erscheint selbstverständlich und klar. Der Holzbau vermittelt eine hohe Wertigkeit, nichts ist steril und unpersönlich oder nur auf die Funktion reduziert.
 

Bildungsbauten - G52 Neubau Volksschule Sankt Marein im Mürztal

Gewerbebauten - G36 Verwaltungsgebäude Georg Fischer Casting Solutions Altenmarkt
Bauherr: Georg Fischer Casting Solutions Altenmarkt
Planung: Architekten Luger & Maul ZT-GmbH
Holzbau: Obermayr Holzkonstuktionen GmbH
Statik:Obermayr Holzkonstuktionen GmbH

Ein spektakulärer Ingenieur-Holzbau mit konsequenter Durchgestaltung der sichtbar belassenen Details ist der Bürokomplex der Georg Fischer Casting Solutions, einem Autozulieferer aus der Metallbranche.
Eine zentrale dreigeschossige Halle bildet die Mitte, von der längsgerichtet Büros und Besprechungsbereiche in drei Geschossen andocken. Bandfenster an allen vier Gebäudeseiten schaffen größtmögliche Transparenz und Bezug zum Außenraum.
Die dreigeschossige tragende Wand sticht mit ihrem Fachwerkverband ins Auge und zeigt die Stärken des Holzbaus über diese Spannweiten, leicht, offen, weit.

Gewerbebauten - G36 Verwaltungsgebäude Georg Fischer Casting Solutions Altenmarkt

Konstruktiver Holzbau - Raiffeisen Sportpark Graz
Bauherr: Sport Union Steiermark
Architektur/Planung: Projektcc zt GmbH
Holzbau: Rubner Holzbau GmbH
Statik: DI Peter Lechner Bauphysik: Rosenfelder & Höfler Consulting Engineers GmbH

Das Projekt besticht durch das Ausreizen der aktuell möglichen Spannweiten in Holzbauweise. Es zeigt die Eleganz der Leistungsfähigkeit und den besten Fall des positiven Dialogs zwischen Ingenieurkunst und Architektur. Mit  Brettschichtholzträgeren von fast 50 Meter Länge in einem Stück hat sich der Holzbau – ganz sportlich - hier in eine neue Spannweitenliga eingetragen. Holz hat hier seinen Platz gefunden! 
Die Architektur reizt das Können des Holzbaustoffes so richtig schön aus. Denn er vereint nicht nur die bautechnischen Notwendigkeiten, sondern erleichtert die Aufnahme der technischen Infrastruktur und optimiert die Akustik.
So entstand eine funktionelle und architektonisch einfallsreiche Sportstätte, eine Holzbau-Höchstleistung. 
 

Konstruktiver Holzbau - Raiffeisen Sportpark Graz

Die Dynamik, die der steirische Holzbau genommen hat, trägt weit in die Zukunft. Und wir tragen die Dynamik mit, mit Fachkräften, die ihr Handwerk können, mit Architekten, für deren Ideen Holz der Baustoff Nummer Eins ist, für die, die dann umweltbewusst im Holzbau wohnen werden

Oskar Beer und Josef König

 

Gesundheitsbauten - G33 Gesundheitseinrichtung Josefhof
Bauherr: Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau
Planung: Dietger Wissounig Architekten ZT GmbH
Holzbau: Kaufmann Bausysteme GmbH
Statik: Merz Kley Partner ZT GmbH

Mit schwebender Eleganz schmiegt sich das riesige Bauvolumen des Josefhofs in die Landschaft. Drei schmale langgestreckte Baukörper sind wie eine Arena mit der Natur verschränkt. 
Die Eleganz zeigt sich in der Auflösung des Raumes -  zwischen Öffnung nach außen in die Natur und innerer Zurückgezogenheit. Trotz der Größe ist der Besucher nie verloren, immer eingebettet.
Vollkommen logisch erscheint bei einem Gesundheitszentrum die Verwendung des Baustoffes Holz.   
Das Tragwerk, das Fügen der Bauteile, wie Fensterelemente, Wandelemente, Türen und das bewusste Auswählen von naturbelassenen möglichst CO2-neutralen Materialien werden als Beitrag zum Erreichen eines niedrigen Primärenergiebedarfs verstanden. 

Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau © G.Ott

Tourismusbauten - G54 Um- und Zubau Hotel Stegerhof
Bauherr: Hotel Stegerhof GmbH & Co KG
Planung: EDERARCH ZT GmbH
Holzbau: Strobl Bau – Holzbau GmbH
Statik: ABES-Wagner & Partner ZT GmbH

Der Neubau des Hotels Stegerhof ist frei von historisierenden Elementen, stellt aber trotzdem eine respektvolle Weiterentwicklung des von vorhergehenden Generationen Gebauten dar. Dies zeigt sich von der Dachform angefangen bis hin zur Einrichtung der Stube. Die vergrößerte Kubatur des Neubaus wurde harmonisch in das Ensemble der gewachsenen Anlage integriert, ist der Stegerhof auf Grund seiner Lage auch das Gasthaus im Ort und somit ortsbildprägend.
Regionalität UND Moderne – diese Verbindung schafft Holz. Der gelungene Einsatz von Brettsperrholz im Inneren sowie das Stiegenhaus aus Holz sind ein Erlebnis. Die Holz-Einrichtung der Zimmer und der öffentlichen Räume legen ein Zeugnis ab für ortsgerechte und ökologische Bau- und Wohnweisen.
Trotz hoher Anforderungen an Brand- und Schallschutz konnte die tragende Struktur weitgehend sichtbar gemacht werden.
 

Tourismusbauten - G54 Um- und Zubau Hotel Stegerhof

Besser mit Holz gebaut und handwerkliche Leistungen - B13 Neubau | Nebengebäude zur katholischen Filialkirche in Stein an der Enns
Bauherr: Gemeinde Sölk
Planung: KREINERarchitektur ZT GmbH
Holzbau: Holzbau Pilz GmbH

Der Notwendigkeit der Errichtung eines Nebengebäudes so viel architektonische Raffinesse und handwerkliches Können angedeihen zu lassen, ist hervorzustreichen. Das Nebengebäude zur katholischen Kirche Stein an der Enns ist ein „architektonisches Möbelstück“. Trotz des Volumens nicht aufdringlich steht es im Dialog mit der Kirche. Es gestaltet den Platz, ohne selbst Platz einzunehmen. Das hinzugefügte Gebäude ordnet sich, durch die Verwendung von kleinteiligem Material, der Kirche unter. Die Fassade ist in Lärchenschindeldeckung ausgearbeitet, die einerseits den regionalen Bezug herstellt, andererseits im Dialog zum Mauerwerk der Kirche steht. Präzise Details machen den Neubau zu einem holzbaulichen Kleinod. Die Qualität der Planung und Umsetzung der Holzbaudetails ist auf höchstem Niveau gelungen.

Besser mit Holz gebaut und handwerkliche Leistungen - B13 Neubau | Nebengebäude zur katholischen Filialkirche in Stein an der Enns

Sonderpreis für Erhaltung landwirtschaftlicher HolzBaukultur - L11 Stadel Steinreib
Bauherr: Manfred und Regina Schranger
Planung: Manfred Schranger
Holzbau: Schranger Holzbaumeister
Statik: Manfred Schranger

Der 200 Jahre alte Stadl wurde abgetragen und in seiner Funktion als landwirtschaftliches Nutzgebäude wiedererrichtet. Ergänzt wurde er vorsichtig um einige bauliche Details, damit er in dieser Funktion wieder genutzt werden kann. Die Verwendung eigenen Holzes,  des lokalen „Stainzer Gneis“ und alter Biberschwanzziegel zeigt die Bemühungen um den Erhalt einer HolzBaukultur, die die Landschaft harmonisch prägt. 
Hohe handwerkliche Kunst und Hingabe (zu einem Teil unter Verwendung alter Werkzeuge und Techniken) machen diesen Stadl zu einem Beispiel für die Erhaltung landwirtschaftlicher HolzBaukultur.
 

Sonderpreis für Erhaltung landwirtschaftlicher HolzBaukultur - L11 Stadel Steinreib

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