Die Maschine liefert nur Teile

In ihrer Innsbrucker Werkstatt verbinden „Die Modellbauer“ architektonisches Verständnis mit Handwerk und technischem Potenzial. Das Team um Matthias Hirschhuber erklärt, wie aus Datenmengen individuell gefertigte Einzelstücke entstehen und weshalb das physische Modell trotz Rendering und KI nicht verschwindet.
LINDA PEZZEI: Wie sieht der Arbeitsalltag im Architekturmodellbau aus? Matthias Hirschhuber: Wir kommen aus der Architektur und sind während des Studiums ganz ungeplant in den Modellbau hineingewachsen. Heute bauen wir vor allem Wettbewerbsmodelle, meist im Maßstab 1:500, freuen uns aber auch über Aufgaben, die aus dem üblichen Raster fallen: Prototypen, Kleinserien, Sonderanfertigungen – von Seilbahnen für Museen bis zu Trophäen und Leuchten. Modellbau ist weit mehr als Handwerk: Es geht um Datenaufbereitung, Materialwissen, Präzision und die Frage, wie sich eine Idee räumlich auf den Punkt bringen lässt.
LP: Welche Arbeitsschritte liegen zwischen Anfrage und fertigem Modell? MH: Zuerst klären wir Maßstab, Material, Detailgrad, Termin und Budget. Danach prüfen wir die 3DDaten. Anschließend entscheiden wir, welche Teile gefräst, gelasert oder gedruckt werden. Das Zusammensetzen, Schleifen und Kleben erfolgt von Hand. Zeitdruck gehört dazu: Für denselben Wettbewerb fertigen wir mitunter mehrere Modelle für verschiedene teilnehmende Büros – meist innerhalb von einer bis eineinhalb Wochen.

LP: Wie entscheidet ihr, was gezeigt und was abstrahiert wird? MH: Das hängt vom jeweiligen Projekt ab. Unser architektonischer Hintergrund hilft uns, Formen und städtebauliche Strukturen zu verstehen und darüber auf Augenhöhe zu sprechen. Der Entwurf aber stammt von den Architekturbüros. Unsere gestalterische Leistung beginnt dort, wo wir gemeinsam entscheiden, wie sich dieser am besten ins Modell übersetzen lässt. Selbst kleine Details wirken: Naturfarbene Bäume können einem Kindergartenmodell Wärme verleihen, auch wenn der Rest weiß bleiben muss.
LP: Welche Rolle spielen digitale Technik, Materialwissen und Handarbeit? MH: Fast jedes Modell wird heute digital vorbereitet. CNC-Fräsen, Lasercutter und verschiedene 3DDruckverfahren ermöglichen Genauigkeit und Formenvielfalt, die in reiner Handarbeit kaum realisierbar wären. Die Maschinen liefern jedoch nur die Bauteile. Erst durch Datenaufbereitung, Materialwahl sowie viel Schleifen, Nacharbeiten und Zusammensetzen entsteht ein sauberes Gesamtmodell. Wettbewerbsmodelle sind meist weiß, weshalb wir häufig Polystyrol, Polyurethan oder Gips verwenden. Holz nutzen wir gern, es ist jedoch aufwendiger. . .
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