Ehre hoch fünf

Gabriele Kaiser hält ihre "Microlaudatio" an Ehrenmitglied Friedrich Achleitner, Friedrich Kurrent lauscht angeregt Foto: Elise Feiersinger

Am 24. Juli feierte die Österreichische Gesellschaft für Architektur im stilechten Rahmen der Weinhandlung Unger und Klein fünf hochverdiente Ehrenmitglieder: Friedrich Achleitner, Felix Orsini-Rosenberg, Margheria Spiluttini, Hans Puchhammer und Gunther Wawrik. Die Laudationes hielten Gabriele Kaiser, Elise Feiersinger, Ulrich Huhs und Andreas Vass.

Die Österreichische Gesellschaft für Architektur vulgo ögfa ist eine honorige Institution, die mit Verve für das Wahre, Gute und Schöne in der Welt der Architektur kämpft. Also in erster Linie das Bewusstsein schärft: Regelmäßige Bauvisiten und Exkursionen bieten Gelegenheit, einen wachen, aufmerksamen Blick auf das Gebaute zu richten, außerdem bemüht sich die ögfa um einen aufrichtigen, kritischen Diskurs, der in Veranstaltungen, Vorträgen und der Publikation „Umbau“ gepflegt wird.

1965 von Friedrich Achleitner, Maria Biljan-Bilger, Sokratis Dimitrou, Wolfgang Gleissner, Viktor Hufnagl, Friedrich Kurrent, Traude und Wolfgang Windbrechtigner gegründet, weil „jüngste damalige Ereignisse der Baukultur, beziehungsweise Unkultur, auch der katastrophale Umgang mit wertvoller Bausubstanz, etwa die bereits eingesetzte Abbruchkette von Otto Wagners Stadtbahnstationen“ (Friedrich Kurrent in seinen Erinnerungen) dringend eine Re-Aktion erforderlich machten, ist die ögfa bis heute eine Bereicherung für den Architekturdiskurs. Gründungsmitglied Friedrich Achleitner, Felix Orsini-Rosenberg, der sich selbst nur „Rosenberg“ nennt, die bis dato unerreichte Doyenne der heimischen Architekturfotografie, Margherita Spiluttini, sowie die Architekten Hans Puchhammer und Gunther Wawrik haben sich seit Jahrzehten auf unterschiedlichste Art und Weise um die Architektur und ihre Rezeption verdient gemacht. Am Montag, den 24. Juli wurde ihnen im kleinen, stilvollen Rahmen der Weinhandlung Unger und Klein, einem inzwischen souverän zum Klassiker gereiften Frühwerk von Eichinger oder Knechtl die ögfa Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Mit der warmherzigen „Microlaudatio“ einer wissenden Vertrauten gratulierte Gabriele Kaiser dem nun zum Ehrenmitglied geadelten Gründungsmitglied Friedrich Achleitner. Selbiger hatte sich mit gleicher Leidenschaft jahrzehntelang als Architekturkritiker und Forscher dem von dieser Profession geforderten „Beschreibungszwang“ hingegeben wie er sich als experimentierfreudiger Literat von demselben zu lösen suchte, um gerade dadurch noch mehr Präzision im Ausdruck zu erlangen. Seine „sammelnde Sicht der Erscheinungen“ (Hermann Czech, 2010) begleitete die österreichische Architekturrezeption und die Aktivitäten der ögfa jahrzehntelang in einer einzigartigen Mischung aus (selbst)kritischen Distanz, pointierter Sachlichkeit und Ausdauer. „In allen drei Punkten fühlt sich die ögfa aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen“, so Kaiser.

Andreas Vass würdigte – gleichermaßen von Kollege zu Kollegen – die beiden hoch verdienten Architekten Hans Puchhammer und Gunther Wawrik, die nicht nur die aktuelle Ehrenmitgliedschaft der ögfa, sondern auch eine jahrelange Büropartnerschaft verbindet. Von 1958 bis 1977 war das Büro Puchhammer-Wawrik tätig und hinterließ bedeutsame Spuren in der Masse des Gebauten: Die Fertigteil-Versuchshäuser und Reihenhäuser in Maria Enzersdorf (1962-64), die Terrassenhausanlage Goldtruhe in Brunn am Gebirge (1965-69), das bis heute faszinierende Bürohaus Grothusen in Hietzing (1965) oder das Landesmuseum Eisenstadt (1966-75) – um nur einige zu nennen. Aus ihrer darauf folgenden Einzelkarriere würdigt Vass den Umbau eines frühgründerzeitlichen Wohnhauses durch Hans Puchhammer, sowie die meisterliche Erweiterung der Grazer Oper durch Gunther Wawrik. Puchhammer hatte mit Achleitner Holzbauer, Kurrent, Leitner und Gsteu die Schulbank an der Salzburger Gewerbeschule gedrückt, war dann aber nicht an die Akademie gegangen, sondern an die Technische Hochschule, wo er Gunther Wawrik kennen lernte. Beide wurden bald in die Aktivitäten der ögfa involviert, der sie 1967 als Mitglieder beitraten. Später engagierten sich beide auch im Vorstand als Vorsitzende – wo sie gleichermaßen turbulente Zeiten durchtauchten. Als Puchhammer 1970 die Funktion als Kassier übernahm, war die ögfa praktisch insolvent, fünf Jahre später bilanzierte sie mit einem Plus von 10.000 Schilling und hatte auch wieder einiges vollbracht: Internationale Reisetätigkeit und der Einsatz für die Rettung des Wittgensteinhauses fallen in diese Zeit. Unter der Ägide von Gunter Wawrik als Vorstand wäre die ögfa nach seinem und Heinz Tesars Willen aufrund einer unbewältigbar erscheinenden Ausstellungsvorbereitung mit Anton Schweighofer fast aufgelöst worden. Wovor sie allerdings ihre Statuten bewahrten. Was für ein Segen! 1979 übernahm Felix Orsini-Rosenberg die Stafette des Vorsitzenden, den Elise Feiersinger – die aktuelle Vorsitzende –  würdigte. Aus gesundheitlichen Gründen musste er fern bleiben. Auch „Rosenberg“ wie er sich selbst nannte, studierte an der Wiener TU Architektur – wo er Wawrik und Puchhammer begegnete und auf Wawriks Aufforderung hin zum Sekretär der ögfa wurde, der „Gesellschaft“, wie er sie nannte. Zehn Jahre hielt er ihr in verschiedenen Funktionen die Treue. Aufgrund seines bescheidenen Naturells sind seine Realisierungen nicht so bekannt, wie sie es verdienten: ein modulares Strandbad in Holzkonstruktion am Wörthersee, ein Haus in gekoppelter Bauweise am Wiener Hackenberg oder den Umbau eines Kinos zur katholischen Kirche gäbe es zu entdecken. Margherita Spiluttini, der das unermessliche Verdienst zukommt, mit ihrem scharfen, analytischen fotografischen Blick einige Jahrzehnte österreichischer Architekturgeschichte auf einzigartige Weise dokumentiert und so für immer dem Vergessen entrissen zu haben, wurde von Ulrich Huhs gewürdigt. Er verfasste eine Hommage an die hohe Kunst des Sehens.  

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