Ein Beet für alle am Donaukanal

Gemeinschaftsgarten Donaukanal Foto Michael Rausch-Schott

Den Tag der Sommersonnwende feierte der Verein „Gemeinschaftsgarten am Donaukanal“ mit der Eröffnung eines Hochbeets für alle. Karlheinz Hora, der Bezirksvorsteher des zweiten Bezirks und Umweltbezirksrat Ing. Anton Hora setzten feierlich die ersten zwei Pflanzen in die frische Erde, weitere folgten noch am selben Nachmittag.

Die zunehmende Kommerzialisierung des Donaukanals ist nicht zu übersehen. Nachdem die Promenade lange als eines der letzten Stücke urbaner Wildnis im Zentrum unbeachtet vor sich hin gedümpelt war, haben coole Kneipen, schicke Lokale, Bars und Stadtstrände mit Sonnenstränden am Wasser seit ein paar Sommern Hochkonjunktur. Besonders zwischen Urania und Rossauer Lände gilt: Sobald es heiß wird, stürmt das Partyvolk die Promenaden am Kanal. Martina Montecuccoli, spaziergehfreudige Stadtbewohnerin, Mitinhaberin der PR-Agentur „content & event“ und Absolventin der Kunstschule beobachtete diese Entwicklung aufmerksam und kritisch. Sie beschloss, etwas zu unternehmen, um das Bewusstsein für den öffentlichen Raum zu stärken. Im Juni 2013 initiierte sie die Gründung eines Gemeinschaftsgartens am Donaukanal. Gerri Ecker, der unter anderem die Adria Wien betreibt, stellte dafür die Pachtfläche zur Verfügung.

Das Grundstück liegt auf der Sonnenseite des Kanals, unmittelbar hinter dem Spielplatz bei der Adria Wien. Es ist vom Ausgang Herminengasse der U4/U2 Station Schottenring/Ausgang etwa 300 Meter entfernt. Die Firma Starkl stellte der gartengründungswilligen Gemeinschaft sechs Paletten-Hochbeete, sowie das Material für weitere zur Verfügung. Unter Anleitung des Permakultur-Experten Richard Mahringer baute ein Pioniertrupp der Gruppe die ersten acht Hochbeete, die Erde wurde im Jahr 2013 von der MA48  gesponsert, heuer ist sie der Heilsarmee zu verdanken. Im Normalfall teilen sich je zwei GärtnerInnen ein Beet, wobei Paare und Familien als eine Person gezählt werden. Rasch wuchsen unterschiedlichste Pflanzen und mit ihnen das Interesse am Garten: Die Menschen, die hier ihre Beete pflegten, sorgen ganz zwangslos für eine Belebung des Areals. Viele Passanten und Passantinnen blieben interessiert stehen, einige besonders handwerklich begabte Mitglieder der Gemeinschaft bauten Bänke und Tische aus Holz, die auch bei der Allgemeinheit großen Anklang fanden. Einmal pro Woche treffen sich alle Mitglieder der Gartengemeinschaft, die Zeit haben, zum Austausch. Alle anderen laufen einander immer dann über den Weg, wenn ihre Pflanzen etwas Zuwendung und Pflege brauchen. Eigentlich tut sich fast immer was.

Hier kann man ohne Konsumzwang in der Sonne sitzen, die Seele baumeln, das Wasser und die Menschen an sich vorbeiziehen lassen. Oder nachsehen, wie sich Blumen, Gemüse und Grünzeug entwickelt haben. Später wurden Gießfahnen produziert, um bei urlaubs- oder sonstwie bedingter Abwesenheit eine Fahne hissen und so das Beet über besonders heiße Sommertage retten zu können. Ein Bauzaun der ARGE Strabag/Dywidag wurde zum „hängenden Garten“ und zum anschaulichen Experimentierfeld für die vielen Möglichkeiten, aus alten, ausgewaschenen Tetra-Packs, Joghurtbechern, Gummistiefeln und ähnlichem kleine Blumentöpfe und Pflanztröge zu machen. Eine Zeit lang gab eine Schiefertafel darüber Auskunft, was kam und ging. Einige Pflanzen wurden entwendet, andere von anonymen Personen eingesetzt. Jedenfalls war die Ernte der Gartengemeinschaft reich genug, um im Spätsommer 2013 ausgiebig zu feiern.

Heute ist der „Gemeinschaftsgarten Donaukanal“ ein Verein mit 33 Mitgliedern, die mehr als zwanzig Beete betreiben. Viele davon sind liebevoll gestaltet. Am 21. Juni war Sommersonnenwende: Diesen Tag feierte der Verein „Gemeinschaftsgarten Donaukanal“ auf besondere Weise. Vereinsobfrau Martin Montecuccoli lud Karlheinz Hora, den Bezirksvorsteher des zweiten Bezirks und Ing. Anton Walzer, den Umwelbezirksrat im Namen aller ein, das eigens angelegte „Gemeinschaftsbeet“ zu eröffnen. Die beiden Politiker setzten zwei Pflanzen, die sofort begeistert begossen wurden. Cholly, die Anwärterin auf das schönste Beet, brachte selbst gekochtes thailändisches Essen mit Reis und vielen Gewürzen. Dazu gab es entspanntes Plaudern, Musik und gute Laune. Am Ende des Tages war das frische Gemeinschaftsbeet schon um einige Pflanzen reicher.

www.gemeinschaftsgarten-donaukanal.at