La Cabina de la Curiosidad | Marie Combette and Daniel Moreno Flores

Ein Haus als Haltung

Mitten im ländlichen Ecuador haben La Cabina de la Curiosidad alias Marie Combette und Daniel Moreno Flores ein kleines, radikal konzipiertes Haus entworfen. Im Dialog mit der lokalen Gemeinschaft und aus wiederverwendeten Materialien gebaut, ist es mehr als ein Gebäude – ein offenes Lernfeld für eine andere Art zu bauen und zu leben. Das Projekt war einer der Höhepunkte bei der Verleihung des Global Award for Sustainable Architecture 2025, die am 6. Mai in Venedig stattfand.

Text: Selina Wach


Die „Cabina“ ist ein Raum des Lernens und Fragens. Ihre Struktur ist leicht, durchlässig, auf Stelzen gehoben, errichtet aus geborgenen Hölzern, gebrauchten Wellblechplatten, gefundenen Fenstern. Jede Fuge erzählt von improvisiertem Wissen, jede Öffnung von der Nähe zum Ort, zur Natur, zu den Menschen. Die Architektur entsteht nicht aus einem fertigen Entwurf, sondern aus einem gemeinsamen, prozesshaften Denken und entwickelt mit Kindern, Nachbar:innen, Studierenden. So wird das Bauen selbst zur sozialen Handlung.

Dieses Verständnis von Architektur als sozialem Prozess spiegelt auch das Leitthema des diesjährigen Preises wider: „Architecture is Construction“. Gemeint ist damit nicht nur das physische Errichten, sondern das kulturelle, ökologische und gemeinschaftliche Zusammenfügen, das Aushandeln von Raum im Dialog. Architektur wird verstanden als ein Prozess, der auf Teilhabe, Kontext und Verantwortung basiert und der nicht mit der Fertigstellung endet.

Die „Cabina“ ist ein Raum des Lernens und Fragens.

Neben Marie Combette und Daniel Moreno Flores wurden vier weitere Positionen ausgezeichnet. Auch sie verstehen Architektur als gesellschaftliche Praxis. Salima Naji (Marokko) bewahrt mit lokalen Baumethoden kulturelles Erbe und stärkt marginalisierte Gemeinschaften. Hoang Thuc Hao (Vietnam) verbindet traditionelle Bauweisen mit partizipativen Bildungsprojekten. Marie und Keith Zawistowski (Frankreich) verschränken Lehre, Forschung und Bauprozess in experimentellen Studios. Andrea Gebhard (Deutschland) setzt sich als Stadtplanerin für gerechtere, grünere Städte ein. Was all diese Positionen eint: Sie stellen die Frage nach dem Wie über das Was. Architektur wird nicht als Geste verstanden, sondern als Handlung, eingebettet in Kontexte, Beziehungen, Materialkreisläufe.


Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 9/2025. Der Volltext ist ab Seite 22 zu finden.

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