Fernbusterminal + Anbindung an Stadion Center, Wien, Österreich

Eine Dachskulptur für den Handelskai

„Wien braucht einen neuen Fernbusterminal.“ Was die damalige rot-grüne Stadtregierung 2018 als stadtpolitische Notwendigkeit formulierte, mündete zwei Jahre später in die Auslobung eines EU-weit offenen Architekturwettbewerbs. Der Grund für diese Forderung ist eindeutig: Zurzeit verteilt sich der Fernbusverkehr auf mehrere über das Wiener Stadtgebiet verstreute Standorte – keiner davon mit dem Anspruch oder der Aufenthaltsqualität, die einer Metropole angemessen wären. Mit dem im Dezember 2025 gesetzten Spatenstich in der Leopoldstadt nimmt das Siegerprojekt des Wiener Büros Burtscher Durig konkrete Gestalt an. Die Eröffnung ist für 2029 geplant. Der gewählte Standort am Handelskai im Entwicklungsgebiet „Waterfront“ ist städtebaulich spannend und bietet viel ungenutztes Potenzial: Der neue Terminal fügt sich zwischen das Einkaufszentrum Stadion Center und die Sport Arena Wien (siehe architektur. aktuell 3/2026). Ein Vorteil dieses Standorts ist die gute Anbindung an das angrenzende Autobahnnetz für die Fernbusse. Außerdem soll der moderne Terminal einen neuen Impuls für die Umgebung setzen. Ergänzend zu der Planung des Fernbusterminals waren der Entwurf eines nutzungsoffenen Hochpunkts und eine bauliche Umgestaltung des bestehenden Stadion Centers gefordert. Doch die Realisierung des Projekts verlief nicht ohne Hindernisse: Im Oktober 2023 schied der ursprüngliche Privatinvestor DBR nach Rechtsstreitigkeiten aus. Das Projekt wird seither allein von der WH Fernbus-Terminal Projektentwicklung GmbH, einem Tochterunternehmen der WSE Wiener Standortentwicklung GmbH, getragen, weshalb vorerst nur der Fernbusbahnhof realisiert wird. Der Bau des Hochhauses ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Jury unter Vorsitz von Elke Delugan-Meissl legte neben städtebaulichen und gestalterischen Lösungen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Projekte.

1. Eine spielerische Dachlandschaft als verbindendes Element
Burtscher – Durig ZT GmbH, Wien
SILA landschaftsarchitektur ZT GmbH, Wien

Leitmotiv des Gewinnerentwurfs ist die luftige, begrünte Dachskulptur, welche die einzelnen Baukörper miteinander verbindet, den Busterminal schützend überspannt und gleichzeitig eine repräsentative Öffnungsgeste formuliert. Dadurch wird ein neues urbanes Zentrum mit Aufenthaltsqualität geschaffen, das das Stadion Center, das Donauufer und den Prater verknüpft. Städtebaulich prägt der ca. 105 Meter hohe nutzungsoffene Hochpunkt das Ensemble. Ergänzt wird dieser durch einen aufgeständerten vierstöckigen Gebäuderiegel, der parallel zum Handelskai verläuft und in den Untergeschossen Service- und Verwaltungsfunktionen des Terminals aufnimmt. Die Obergeschosse werden als Hotel genutzt. Ein Steg für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen schließt an die begehbare Dachlandschaft an und führt über den stark befahrenen Handelskai zum Donauufer. . .

Renderings ZOOMVP.AT

2. Gebaute Topografie
Habeler & Kirchweger Architekten, Wien
Landschaftsarchitektur: Marlies Rief, Wien

Auch Habeler & Kirchweger Architekten entschieden sich in ihrem Entwurf für drei Baukörper, die den Raum strukturieren und öffnen, sowie das Stadion Center mit dem Handelskai und Donauufer städtebaulich verbinden: ein Hochhaus an der Engerthstraße, ein zweigeschossiger Riegel am Marathonweg, der als Funktions- und Betriebsgebäude des Busterminals dient, und eine begehbare Dachlandschaft, die den Terminal überspannt und die prismatischen Baukörper verbindet. Sichtbezüge werden durch den verglasten, aufgeständerten Sockelbereich geschaffen. Im Unterschied zu den schlichten Baukörpern wird das begrünte Terminaldach als plastisch geformte gebaute Topografie gedacht, deren dreieckige Öffnungen sich changierend vergrößern und verkleinern. . . 

Renderings: Habeler & Kirchweger Architekten

3. Eine dynamische Gesamtfigur
Pichler & Traupmann Architekten, Wien
Carla Lo Landschaftsarchitektur, Wien

Um einen großen urbanen Freiraum an der Engerthstraße zu schaffen, setzen Pichler & Traupmann Architekten einen rautenförmigen Hochpunkt parallel zur Kante des Handelskais. Dadurch wird die solitäre Hochhausentwicklung des Donauufers städtebaulich logisch fortgesetzt. An den Turm schließt fließend die Terminalhalle an, die von einer Stahl-Leichtkonstruktion mit über 30 Metern Spannweite überdacht wird. Dabei setzen sich die vertikalen Lamellen der Hochhausfassade nahtlos ins Dach fort; Fassade und Dach verschmelzen zu einer kontinuierlichen Gesamtfigur, die Terminalhalle, flankierendes Gebäude und Turm zusammenfasst und einen geschützten Platz an der Engerthstraße entstehen lässt. Die Arkadierung im Erdgeschoss des Stadion Centers erweitert diesen zusätzlich. . .

 

Renderings: Patricia Bagienski © Pichler & Traupmann Architekten

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