EUMIES AWARD 2026

Eine neue ökologische Ästhetik

Gebäude, nicht Architekt:innen, werden bei den EUmies Awards (auch Mies-van-der-Rohe Awards bzw. European Union Prize for Contemporary Architecture) ausgezeichnet. Die Projekte sind zudem nicht älter als zwei Jahre, was den Preis auch zu einem Spiegel des zeitgenössischen europäischen Architekturdiskurses werden lässt.

Entstanden auf spanische Initiative in den 1980er-Jahren im Fahrwasser des Wiederaufbaus des Barcelona-Pavillons von Mies van der Rohe, wird der Preis biennal von Creative Europe (EU) und der Fondació Mies van der Rohe verliehen. Die heurigen Projekte zeichnen sich allesamt durch ihren sensiblen Umgang mit Ort und Kontext aus. Die Architekt:innen behandeln Themen des Alltags und setzen auf ökologische Materialien. Von 410 nominierten Projekten – davon 13 Beiträge aus Österreich – wurden sieben als Finalist:innen gewählt. Hier ein Überblick, welche Themen für die Jury die Zukunft europäischer Architektur bestimmen.


 

PALAIS DES EXPOSITIONS (Charleroi, BE)
AgwA & architecten jan de vylder inge vinck (Brüssel/Ghent, BE)

Lange war die belgische Stadt Charleroi ein bedeutendes Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie. Der Zurschaustellung dieser Wirtschaftskraft war das in den 1950er-Jahren erbaute Palais des Expositions gewidmet. In drei überhohen Geschossen wurden hier Stahlerzeugnisse – beispielsweise Lokomotiven – ausgestellt. Mit dem Strukturwandel wurde das Ausstellungsgebäude jedoch obsolet. Mittlerweile hat sich die Wirtschaft der Region diversifiziert und erlebt einen Aufschwung, auch das Palais des Expositions wurde wiederentdeckt. . .

Fotos: Filip Dujardin


UMBAU VON VAPOR CORTÈS. PRODIS 1923 (Terrassa, ES)
HARQUITECTES (Sabadell, ES)
 

HARQUITECTES planten die Umnutzung eines ehemaligen Industriegebäudes für die gemeinnützige Stiftung Prodis, die Menschen mit Behinderung dabei unterstützt, sozial und beruflich Fuß zu fassen. In den letzten Jahren legt Prodis den Fokus zunehmend darauf, empathische, wertschätzende und authentische Begegnungen zu ermöglichen. Dieser Ansatz übersetzt sich in die innere Logik des Gebäudes: Der Bestand besteht aus zwei Hallen, die mittig durch eine Servicestraße verbunden sind. Durch gezielte Dekonstruktion und Einbauten wurde sie zur neuen Pulsader des Gebäudes. Wie entlang einer Straße im Stadtraum sind die Funktionen rhythmisiert angeordnet: Schulungsräume, Werkstätten, Küchen und Essbereiche.

Fotos: Adrià Goula


LOT 8, LUMA ARLES
RENOVIERUNG LE MAGASIN ÉLECTRIQUE (Arles, FR)
Atelier Luma, BC architects & studies, Assemble

Das Magasin Électrique, der Hauptsitz von Atelier LUMA, dem Design- und Forschungsprogramm von LUMA Arles (siehe architektur.aktuell 6/2025), ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts für bioregionale Materialien. Gemeinsam mit dem multidisziplinären Kollektiv Assemble und den auf Lehmbau spezialisierten BC architects & studio hat LUMA einen mehrjährigen Forschungs- und Umsetzungsprozess entwickelt. Das Team experimentierte in situ mit Materialien und baute originalgroße Mock-ups, anhand derer Entscheidungen getroffen werden konnten. . .


MARIE-JOSE-PEREC-SPORT- UND KULTURZENTRUM & JOSEPHINE-BAKER-TANZSAAL (La Bou.xi.re, FR)
onze04 (Nantes, FR / Barcelona, ES)

Die neue Sporthalle von onze04 ergänzt das bestehende Sportangebot der Gemeinde La Bouëxière um zwei sich gegenüberstehende Gebäude. Eines davon, die Marie-Jose-Perec- Sporthalle, besteht aus einer luftigen Konstruktion aus Brettsperrholz mit schwebend anmutendem, textilem Dach. Es sorgt für eine gleichmäßige Belichtung der Sportflächen sowie eine natürliche Belüftung in den wärmeren Monaten. Das Zentrum ist eine wichtige Ergänzung für das soziale Leben der Gemeinde und bietet einen zeitgemäßen und ansprechenden Rahmen für sportliche Aktivitäten. . .

Foto: Juan Cardona


GRUŽ MARKT (Dubrovnik, HR)
ARP / Peračić-Veljačić (Split, HR)

Dubrovnik zählt aktuell zu den am stärksten touristisch geprägten Städten Europas. Umso mehr sind auf den Alltag der Bewohner:innen ausgerichtete Infrastrukturen des täglichen Bedarfs fast schon lebensnotwendig. Die neue Markthalle am Hafen ist ein solcher Ort. In prominenter Lage wird der Marktplatz mit einem flexibel regelbaren Dach beschattet, dessen niedrige Höhe den dahinter befindlichen Palast sichtbar lässt. Es besteht aus dreieckigen, transluzenten, drehbar gelagerten Elementen. In der Ausgangsposition berühren sich die Kanten nicht, sodass Durchlüftung und schräg einfallende Belichtung möglich sind. . .


TEMPORÄRE RÄUME FÜR DAS SLOWENISCHE NATIONALTHEATER DRAMA LJUBLJANA (Ljubljana, SI)
Vidic Grohar Arhitekti

Ein am Rand Ljubljanas gelegener Industriebau aus den 1960er-Jahren wurde zu einem temporären Ort für Kultur und Schauspiel. Das Gebäude wurde über mehrere Jahre hinweg durch kostengünstige Interventionen transformiert und langsam an den Bedarf des Staatstheaters angepasst. Aktuell befinden sich hier unter anderem zwei Bühnen, eine Lobby und eine Bar. Die Funktionen ordnen sich um einen Hof an. Ein besonderer Fokus lag auf dem Material: Es wurden nur recycelte oder recycelbare Materialien eingesetzt und die Weiternutzung der Materialien wurde mitgedacht. . .

Fotos: Maxime Delveaux


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