Erste Adresse für Keramik

Geschäftslokal von "bon ton" in der Wiener Naglergasse  Photo: Isabella Marboe

Geschäftslokal von "bon ton" in der Wiener Naglergasse Photo: Isabella Marboe

Autor:  Isabella Marboe
Fotograf:  Isabella Marboe

Ton, Keramik und Porzellan sind archaische Materialien, die in unterschiedlichen Farben und Formen glänzen können: naturbelassen gebrannt, glasiert, rund, eckig, betont farbenfroh oder in erdigen Nuancen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind unendlich, normalerweise aber nimmt man Geschirr aller Art als fixen und notwendigen, alltäglichen Bestandteil eines Haushalts für gegeben hin und gar nicht weiter wahr. Dabei gibt es so viele Kunstschaffende, die mit hoher Handwerkskunst, viel Expertise, Könnerschaft, Experimentierfreude, Geduld und Leidenschaft in diesem Bereich eine breite, vielfältige Palette an ganz besonderen Dingen produzieren.

„Ich habe vor rund einem Jahr einen Töpferkurs bei Marianne Seiz gemacht“, erzählt Brigitte Amort von ihrem Initiationsmoment. „Damals habe ich begonnen, die Schönheit dieses Materials wieder für mich zu entdecken – und so nach und nach bemerkt, wie viele Künstler und Künstlerinnen es gibt, die wunderschöne Sachen daraus herstellen.“ Amort recherchierte intensiver und mit der Zeit tat sich ein ganzer Kosmos für sie auf. Sie fand Geschirr, das mit viel Wissen um das Handwerk und Hingabe gefertigt wurde und sich sehr wohltuend vom industriell erzeugten, gängigen Sortiment unterschied. „Es hat sich ein Stein in den anderen gefügt. Sobald man einen Künstler bei der Recherche kontaktiert hat, empfahl einem dieser gleich einen anderen. So haben wir uns weitergearbeitet“, erzählt Brigitte Amort. „Es gibt aber in ganz Wien kein einziges Geschäft, das diese handgefertigten Dinge vertreibt und so die Vielfalt zeigt, in der dieses Material verwendet wird.“

Brigitte Amort und Nina Goldnagl, die ebenfalls bei einem Töpferkurs für die Keramik voll entflammt war, beschlossen, das zu ändern: Sie suchten nach einem freien Geschäft – und wurden in der Naglergasse 17 fündig. Dort verwandelten sie ein langes, schmales Lokal im Erdgeschoss in ihren „bon ton – Salon für moderne Keramik.“ Derzeit sind an die fünfzehn Künstlerinnen und Künstler aus Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und Dänemark in dem kleinen, feinen Geschäft vertreten und dank einem herausragenden Beleuchtungskonzept von Manfred Peckal (Flos) auch bestens präsentiert. „Bei der Auswahl haben wir uns an Dingen orientiert, die wir selbst gerne hätten“, so Brigitte Amort. So fertigt beispielsweise die deutsche Künstlerin Birgitta Schrader in ihrer Werkstatt Tassen, Untertassen, Schüsseln, Becher und Teller in unterschiedlichsten zarten Farbtönen, die oft außen matt und innen glasiert sind. All diese formschönen Einzelstücke kann man sich ganz nach Belieben zu unterschiedlichen Paarungen zusammenstellen. „Man beginnt, mit den Farben zu spielen und seine eigenen Kombinationen zu komponieren“, sagt Brigitte Amort. 

Auch Donatella Parotto und Mauro Bonvecchio erzeugen in ihrer Keramikwerkstatt „Potomak“ im italienischen Trentino zauberhafte Porzellanobjekte in unterschiedlichen, oft pastelligen Farbtönen mit Goldrand. Jeder dieser Teller, Schüsseln, Tassen ist von Hand auf der Scheibe von Donatella gedreht, die verschiedenen Farbmischungen und Glasuren stammen von Mauro – daher ist auch jedes Stück einzigartig. Auch die Tirolerin Andrea Baumann arbeitet mit Gold: Sie fertigt Espresso- und Teeschalen mit dazugehörigen Tellern, die entweder einen ganz feinen, hauchdünnen Goldrand aufweisen oder innen vergoldet sind. Das wirkt sehr edel und soll sogar gut für die Gesundheit sein.

Veronika Thurin aus Bozen wiederum fertigt ihre Porzellanvasen aus Platten, deren Oberflächen sie speziell mit Schellack vorzeichnet und mit einem Schwamm auswäscht: so entstehen kubische Vasen mit ganz besonderen reliefartigen Strukturen, die wellig, eckig oder rund ausfallen können. Sehr originell sind auch die Vasen von Paola Paronetto, die den Ton auf Wellpappe oder Papier aufträgt, die im Brennofen dann verbrannt werden, in die fertigen Vasen aber ihre Struktur von Papierkanten und Wellpappenbahnen eingeschrieben haben. Kräftige Farben und eine weiße, glänzende Glasur im Inneren komplettieren dieses Design.  „Das meiste Geschirr, das man kaufen kann, kommt vom Fließband. Preislich aber ist es mit den handgefertigten Dingen oft durchaus vergleichbar“, so Brigitte Amort. „Handwerk per se ist ja genial: Es geht nicht nur um Form und Design, man muss auch eine profunde Kenntnis vom Material haben. Viele Handwerker stellen auch den Ton nach ihren eigenen Rezepturen her. Daher sind die Objekte so unterschiedlich. Wir wollen mit unserem Geschäft den Sinn dafür wieder stärken.“ Ihr derzeitiges Lieblingsstück ist übrigens von Potomak: ein kleines, weißes Porzellanschälchen mit unterschiedlichen, kleinen Farbtupfern, das zart schimmert, wenn man es gegen das Licht hält.