Es werde Licht!

Pfarrkirche Weidling

Blick auf den Altarbereich|Foto:Isabella Marboe

Im Rahmen der Exkursionsreihe „Licht on Site“ lud die Firma Zumtobel zum vorösterlichen Besuch der Pfarrkirche Weidling. Die Neugestaltung durch die Architketen Ernst Beneder und Anja Fischer lässt wieder Licht und Weite in das Kirchenschiff dringen.

Die ältesten Teile der Pfarrkirche Weidling St. Peter und Paul reichen bis in die Gotik zurück. Das Kreuzrippengewölbe über dem Chor stammt aus der Zeit um 1400. Dann wurde die ehemalige Weinhauerkapelle nach und nach erweitert und barockisiert. Der schmucke Zwiebelturm, der nun in den Himmel ragt, datiert von 1717. Die letzte Renovierung der Kirche fand in den 1960ern statt. Seither kroch viel Feuchtigkeit in die Mauern: die schimmligen Wände verhängte man ganz einfach und sehr pragmatisch mit langen Vorhängen. Der Altar stand auf einem abgenutzten Teppich, den man über ein Podest aus Holz gebreitet hatte, braune Kabel und Lampen, in denen 40 Watt-Glühbirnen leuchteten, verbreiteten eine düstere Grundstimmung.

2012 schrieben das Pfarramt Weidling und das Augustiner Chorherrenstift Klosterneuburg ein Gutachterverfahren zur Neugestaltung des Altarraums aus. Das Projekt der Architekten Ernst Beneder und Anja Fischer überzeugte. Die beiden hatten bereits 1999 die Osterkapelle im Stift Herzogenburg zeitgenössisch umgestaltet, 2005 im oberösterreichischen Gallspach eine neue Kirche gebaut und fünf Jahre später die alte Pfarrkirche im Vorarlbergerischen Ort Lingenau sorgfältig um- und ausgebaut. Ein abstrakter Kreuzweg, der in weißen, transluzenten Stofffahnen von der Decke hängt und ein Olivenbaum beim Taufbecken, Steine aus der Region und ein dezentes, modernes Leuchtsystem vermitteln sehr viel Aura und erzählen vom Glauben. Propst Bernhard Hermann Backovsky aus dem Stift Klosterneuburg urlaubte in Lingenau und war von der Neugestaltung der Kirche ganz angetan. Auch in Weidling setzten Beneder und Fischer auf die Kombination von erzählerisch-symbolischen Elementen, archaischem Stein aus der Umgebung und einem zeitgemäßen, vielseitigen und stimmungsvollen Lichtkonzept.

Die Neugestaltung verwandelte die finstere, einschiffige Kirche in einen schlichten, festlichen, hellen Raum. „Licht war für die Gestaltung ganz wesentlich“, so Beneder und Fischer. Als Basiselement für die Beleuchtung schlugen sie das Supersystem von Zumtobel vor: Die dezenten Aluminiumleisten an der Wand haben kleine LED-Spots, die sich in jede Richtung lenken lassen. Außerdem kann man die Wärme des Lichtes einstellen und bestimmen, ob es breit gestreut in den ganzen Raum oder fokussiert und eng strahlend auf ein Objekt gerichtet werden soll. Jeder LED-Lichtauslass hat 4,5 Watt und ist damit auch sehr energieeffizient. „Ich war ein wenig skeptisch, ob wir mit so wenig Lichtquellen auskommen“, gibt der Pfarrer zu. Die Realität fegte alle Zweifel hinweg.

Ein Weinberg aus Stein

Thematisch liegt der Neugestaltung durch die Architekten Beneder und Fischer das Thema Weinberg zugrunde. „Klosterneuburg ist eine Weingegend. Der Weinberg wird in den Evangelien oft angesprochen“, so Ernst Beneder und zitiert frei nach Johannes: „Ich bin der Weinstock, ihr die Reben.“ Auch das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist eine Schlüsselstelle im Neuen Testament. Die Gestaltung des Bodens und der Stufen zum Altar der Kirche lässt sich also als abstrakte Darstellung der terrassierten Hänge eines Weinbergs lesen. Zwischen den Bänken blieben die hellen Platten aus Sollnhofer Marmor des alten Bodens liegen, unter die frisch abgeschliffenen Kirchenmöbel aber kamen dunkler Stein aus der Wachau und eine neue Fußbodenheizung. Wer von der Orgelempore in die Kirche sieht, erkennt die Form eines rosafarbenen Kreuzes aus Stein im Boden vor dem Altar. Es schafft eine Verbindung zwischen der umlaufenden Sitzbank aus Eichenholz, wo die Ministranten, Konzelebranten und der Priester sitzen, mit dem Altar. Das Motiv des Kreuzes wiederholt sich auch im Tisch des Herrn: ein massiver Steinblock mit einem Kreuz, in das eine Reliquie eingelassen ist. Effektvoll fällt von hinten das farbige Licht der Glasfenster auf den Altar. Die bunten Fenster stammen aus dem Jahr 1954, die alten mit den figuralen

Der Altarbereich wurde mit hellem Konglomerat aus der Gegend um Ternitz und Lindabrunn, sowie dunklem, grünen Quarzit aus der Nähe von Spitz in der Wachau gestaltet. Die dunklen Streifen am Boden und zwischen den Stufen symbolisieren die Erde des Weinbergs. Aus einem dieser abstrahierten Ackerfurchen entwickelt sich das vertikale Element des Ambo, von dem das Wort Gottes gesprochen wird. Auch der schlichte Quader des Tabernakels ist aus diesem dunklen Stein, darüber ragt ein kleiner Marmorblock mit dem ewigen Licht aus der Wand.

Der Sockel des Tabernakels entspricht dem Taufstein aus hellem Marmor, wer genauer hinsieht, erkennt ein wesentliches Detail: Sein Einsatz aus Eichenholz lässt sich aus der Steinumrahmung schieben und beliebig positionieren. Mit Hilfe eines speziellen Zwischenstücks wird der schmale, hölzerne Quader zum Auflager für das Taufbecken aus Wachauer Marmor. So können Taufen in familiärem Rahmen auch auf dem Podest vor dem Altar stattfinden und die Angehörigen und Gäste sich in den ersten Bankreihen oder den kleinen Hockern für die Kinder hinsetzen. Diese Form der Taufe kommt sehr gut an: „Zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Taufen haben wir schon so im kleinen Kreis gefeiert“, sagt der Pfarrer. Auch seine Sessio ist beliebig verschiebbar: Im Prinzip handelt es sich um eine abgestufte Sitzfläche mit Rückenlehne, die sich auf der umlaufenden Bank in der Apsis verschieben lässt. Hier ist der Priester mit der etwas höheren Lehne ein Primus inter pares: rund um ihn nehmen zwischen ein bis fünf Ministranten Platz, aber weil die Bank viel länger ist, ließ man die Kinder bei der Erstkommunion auch schon hier sitzen.

An normalen Sonntagen kommen zwischen 70 bis hundert Leute in die Messe, zu den hohen Feiertagen sind es an die zweihundert. Die Kirche rüstet sich gerade für den österlichen Ansturm.