Forum Holzbau

Rheintalhaus und "Zwilling"

Rheintalhaus und "Zwilling"

Es gibt viele gute Gründe, in Holz zu bauen. Und dass diese immer mehr werden, zeigte das 19. forum-holzbau vom 4. bis 6. Dezember in Garmisch-Partenkirchen auf, der alljährlichen Premiumveranstaltung für die Holzbauer aus ganz Europa und immer mehr auch aus Übersee.

Als umfassende Plattform für den Wissens- und Innovationstransfer in Sachen Holzbau. Wurde in Vorträgen doch nicht nur vorgeführt, was architektonisch aus dem Werkstoff Holz heute alles möglich ist, sondern es ging auch viel um dessen Nachhaltigkeit und Ressourcenfreundlichkeit. Letztlich um das Ausräumen von Vorurteilen, die offensichtlich unausrottbar am Bauen mit Holz kleben. Um klar zu machen, das kein Werkstoff moderner ist als das Holz, sofern er richtig eingesetzt wird.

Wobei die Holzbauer von heute von denen von gestern viel lernen können, ist nicht nur Juri Troy überzeugt. Aufgewachsen ist der Architekt mit Büros in Bregenz und Wien in einem großen alten Rheintalhaus, in dessen prächtige, reich verzierte Eingangstür die Jahreszahl 1785 graviert ist. Es war damals das Zentrum eines landwirtschaftlichen Anwesens, um von den Eltern Troys vor rund 30 Jahren in ein reines Wohnhaus verwandelt zu werden. Wie Räume riechen, welche haptischen und optischen Qualitäten sie haben können, habe er in seinem Elternhaus gelernt, habe ihn auch als Architekt geprägt, sagt Troy. Wenn das, was der 42-Jährige baut, auch so vollkommen anders daherkommt als der 230 Jahre alte viergeschossige Holzbau, der sich in zwei Voll- und zwei Dachgeschossen über einem aus runden Flusssteinen gemauerten massiven Sockel erhebt. Alle Wände sind traditionell aus heimischen Nadelhölzern „gestrickt“, die Außenwände mit einem breiten, vertikal angebrachten Täfer ummantelt, der ursprünglich als Schutz vor Verwitterung mit Stierblut getränkt war. An der Nord- und Südfassade sind außerdem über jeder Fensterreihe rund 60 Zentimeter auskragende, in spätbarocker Manier üppig bemalte Schleppdächer angebracht.

In seinem Inneren ist das Haus klar strukturiert. Die Gänge sind breit, die Räume mit 2,30 Metern für ein traditionelles Rheintalhaus hoch. Selbst den Umbau in den 1980er-Jahren hat das Gebäude gut überstanden, bei dem im Erdgeschoss ein offener Küchenbereich eingebaut, eine Wand aufgerissen und dieser eine großzügige Terrasse vorgebaut wurde.

Seit einigen Jahren hat das alte Haus einen „Zwilling“, natürlich aus Holz und ganz im Wissen um modernen Holzbau gebaut. Das Alte intelligent weiterdenkend, für die Erfordernisse heutigen Wohnens modifizierend. Die Volumina sind wesentlich kleiner als früher, die Fenster viel mehr als Löcher in der Wand, die Grundrisse durch raffinierte Schiebeelemente variabel veränderbar. Auf Vordächer als konstruktiver Holzschutz kann heute weitestgehend verzichtet werden, wichtig bleibt aber nach wie vor die kundige Auswahl der verwendeten Hölzer. Energetisch können die Zwillinge nicht voneinander lassen: Die Photovoltaikanlage am Dach des neuen Hauses und die Wärmepumpe unter dem alten erzeugen den Strom bzw. die Heizwärme für beide.

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