Gemeinsam in Systemen planen

Im Gespräch mit Stephanie Drlik, Geschäftsführerin der ÖGLA (Österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitektur) und der ÖGLA Medien GmbH, sowie Erik Meinharter, Präsident der ÖGLA, wird deutlich, wie stark die Leidenschaft für das Fach in der gemeinsamen Überzeugung wurzelt: Landschaftsarchitektur schafft Dauerhaftes, gestaltet Zukunft und wirkt als strategische Kraft für Klimaanpassung und gesellschaftlichen Wandel.
Claudia Casagrande, Sarah Holler: Wie sieht der Arbeitsalltag bei der ÖGLA aus und womit beschäftigt sie sich?
Stephanie Drlik: Die ÖGLA gibt es in ihren Ursprüngen seit 1912 und in ihrer heutigen Form als Berufsvertretung seit 1955, wobei sie damals noch unter dem Namen „Zentralverband der Österreichischen Gartenund Landschaftsarchitekten (Ö.G.A.)“ geführt wurde, bis sie Mitte der 1990er-Jahre den Namen „ÖGLA“ erhielt. Entscheidend war der Reformprozess ab 2016, seit dem der Verband sich professionalisiert hat – weg vom rein ehrenamtlichen Engagement hin zu einer strukturierten Organisation mit einer Basis aus angestellten Mitarbeitenden, die die zahlreichen aktiv Beteiligten unterstützen. Wir sind eine Interessenvertretung, nehmen Stellung zu Gesetzesentwürfen und fachlichen Entwicklungen und bringen die Expertise unserer Mitglieder ein. Darüber hinaus betreiben wir die ÖGLA Akademie für Weiterbildung, organisieren Diskussionen und Ausstellungen und sind in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Außerdem geben wir digitale und klassische Fachmedienangebote heraus. Unser Ziel ist es, die Landschaftsarchitektur strukturell zu stärken und zukunftsfähig aufzustellen. Erik Meinharter: Die ÖGLA hat historisch eine wichtige Rolle bei der Anerkennung der Landschaftsarchitektur als eigenständige Disziplin gespielt, gerade im Zusammenhang mit der Verankerung in den Kammerstrukturen. Diese Vorarbeit war wesentlich für die Positionierung unseres Berufsstandes. Heute arbeiten wir ergänzend zu Kammern und bieten vor allem fachlichen Austausch und inhaltliche Impulse. Wir versuchen, Zukunftsthemen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit unseren Mitgliedern weiterzuentwickeln. Ein gutes Beispiel ist das Thema „Schwammstadt für Bäume“: Zu Beginn gab es 2016 in der ÖGLA Akademie ein Schwerpunktthema „Stadtbaum“. Darauf folgte die Gründung des Arbeitskreises „Schwammstadt“. Heute sind diese Vorgaben ein fester Bestandteil von Wettbewerben und Ausschreibungen geworden. Solche Entwicklungen brauchen Zeit, zeigen aber, dass wir Themen nachhaltig setzen können. Wir verstehen uns als Plattform, die Diskussionen anstößt, Prozesse begleitet und fachliche Entwicklungen in die Praxis trägt.
CC, SH: Stichwort „Schwammstadt“: Was sind aktuell die zentralen Themen der Landschaftsarchitektur?
EM: Die zentralen Themen sind der Klimawandel und die Klimawandelanpassung. Dabei sind viele Faktoren ausschlaggebend. Beispielhaft zu nennen wären Bodenschutz oder Biodiversität, die gefördert werden müssen, um zukunftsfähige Landschaftsarchitektur zu betreiben. Hier fehlt mir noch ein bisschen die Professionalisierung in der Auseinandersetzung und Zusammenarbeit mit Expert:innen aus Naturschutz und Forschung. SD: Die Renaturierungsverordnung ist der rechtliche Rahmen zur Lösung der Biodiversitätsfrage. Das Artensterben ist eine überwältigend große Aufgabe, die in viele unterschiedliche Felder reicht, da müssen alle zusammenarbeiten. Ähnlich verhält es sich mit der Ressource Wasser. Regenwassermanagement ist nur ein Teil der Aufgabenstellung, wir sollten uns künftig auch stärker mit Grund- und Bodenwasser sowie mit der Nutzung von Grauwasser zur Bewässerung von Pflanzen beschäftigen. Gerade in klimawandelgeplagten Städten ist das Umdenken wichtig, Wasser als kostbare Ressource zu nutzen, statt es über den Kanal zu entsorgen. Regenwasser ist dabei nur ein Teil des Ganzen. Auch in der Landschaftsarchitektur existieren schon vielversprechende Ansätze, Ressourcen wieder in den Kreislauf rückzuführen, etwa in der Verwertung von Aushubmaterialien für die Betonherstellung oder die topographische Formgebung. Aber da gibt es noch Entwicklungsspielräume; in Zukunft müssen wir diese wichtigen Aufgaben weiter vertiefen.
EM : Das Materialvolumen in den Außenanlagen ist im Vergleich zu Bauwerken minimal. Ressourcenschonendes Arbeiten ist in der Landschaftsarchitektur bereits gelebte Praxis, gerade wenn es um Oberflächenversiegelung geht – von Bodenschutz über kurze Transportwege bis zu In-situ-Wiederverwertung. Ebenso die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus: Wir denken nicht nur von der Planung bis zur Fertigstellung, sondern arbeiten mit langfristigen Systemen. Deshalb wird die Landschaftsarchitektur in Zukunft eine große Rolle spielen und dabei unterstützen, systematisch und weit über die Grenzen eines Projekts hinauszudenken. SD: Und genau darin liegt die große Kompetenz der Landschaftsarchitektur in unserer herausfordernden Zeit, die von großen ökologischen Krisen geprägt ist: Lebensräume als komplexe Systeme zu verstehen und nachhaltig zu entwickeln. In Zeiten von Klimakrise, Ressourcenknappheit und Artensterben kann die Landschaftsarchitektur mit dieser Fähigkeit einen maßgeblichen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Städte und Landschaften leisten. . .
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