LOOPING ARCHITECTURE

Haus U.MS in Seebenstein

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Ein Ehepaar aus Wien kaufte unlängst einen Bungalow aus den 1960er Jahren und liess ihn von LOOPING ARCHITECTURE denkmalwürdig restaurieren. Ohne Fassadendämmung, ohne Fenstertausch – aus Wertschätzung für eine frühe Arbeit von Harry Glück. Die wenigen Änderungen sind dafür umso wirkungsvoller.

Innovatives Konzept

Der Flachdach-Bungalow ist einer von sechzig gleichartigen Bauten der Schlossparksiedlung Seebenstein, die etwa gleichzeitig mit der Reihenhaussiedlung am Doktorberg in NÖ (Carl Auböck und Harry Glück) entstand. In Seebenstein hatte die gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft Aichfeld den ebenen Teil des Schlossparks entlang der Pitten erworben, um ihn mit locker verteilten Einfamilienhäusern zu bebauen – Gartenstadtkonzepte hatten in den 1960ern Konjunktur. Harry Glück kam als Bestbieter zum Zug, es war einer der ersten Aufträge für sein 1966 gegründetes Architekturbüro.
Sein Angebot enthielt einige Innovationen: Die Punktfundamente waren nicht nur preisgünstig, sondern auch erdbebensicher. Die Außenwände wurden aus einem Gasbeton-Paneelsystem der schwedischen Firma Siporex formschlüssig zusammengesteckt, die Erschließungen waren, unter anderem dank raumbildender Einbaumöbel, äußerst platzsparend, und die Schiebefenster in Teakholzrahmen nach einem kanadischen Patent gefertigt. Selbst alle sechzig Küchen wurden, eine Seltenheit im freifinanzierten Wohnbau, einheitlich ausgestattet. Die Schweizer Firma Forster hatte gerade eine Fertig­küche aus emailliertem Blech entwickelt und war daran interessiert, sie im Markt zu platzieren. Daher bot sie besonders günstige Konditionen für den Großauftrag.

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Gemeinschaftseigentum am Baugrund

Um den Charakter des Landschaftsparks im englischen Stil zu wahren, gab und gibt es keine Zäune um die Häuser. Persönliches Eigentum sind die Gebäude, alles andere ist Gemeinschaftseigentum, der zentrale Swimmingpool wirkt wie ein Vorbote von Alt-Erlaa. Allerdings verkauften sich die Häuser nur schleppend. „So eine Schuhschachtel“ empörte sich eine Interessentin 1972. Nur aus Höflichkeit ging sie hinein – und war umgestimmt. Das Wiener Ehepaar dagegen war sofort begeistert.

Wiener Balkon im Landschaftspark

Am ihnen angebotenen Haus war über die Jahrzehnte nichts verändert worden. Auf knapp 84 m2 bot es ein Wohn- Esszimmer, Küche, Bad, WC und Abstellraum, dazu noch drei Schlafzimmer. Der Quader mit dem großen Gemeinschaftsraum ist gegen den mit den Funktionsräumen so verschoben, dass am Küchenfenster vorbei ein geschützter Eingang entsteht, an der Rückseite setzt entsprechend eine Terrasse an. Eva Becker und Christa Stürzlinger von LOOPING ARCHITECTURE verwandelten das klassische kleine Einfamilienhaus in den „Wiener Balkon“ für ein gastfreundliches Paar. Der beidseitig nutzbare Einbaukasten vis-a-vis der Eingangstür wurde ab- und im Gästezimmer teilweise wieder aufgebaut. Die gut erhaltene Emailleküche wurde restauriert, ebenso Fenster und Türen.

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Neu strukturiert

Das Bad allerdings wurde komplett erneuert und mit einem zusätzlichen WC versehen, im Gästezimmer eine zweite Dusche installiert. Das Schlafzimmer neben dem Wohnraum dient jetzt als Bibliothek und ist durch eine neue Stahl-Drehtür direkt mit ihm verbunden. Der Clou sind aber drei weitere Öffnungen: vom Schlafplatz der Bauherrin aus erlauben zwei Bullaugen den Blick durch die Drehtür ins Wohnzimmer und durch ein weiteres Bullauge in den Park.

www.looping.co.at

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