Hürden im Berufseinstieg⁠

Jungen Architekt:innen wird der Berufseinstieg nicht leicht gemacht. Formale Kriterien und erforderliche Referenzprojekte sind oft unüberwindbare Hürden. Doch es gibt Abhilfe. Eine Reise nach Brüssel, Budapest und in die Steiermark.⁠


Hier ein Café Horeca mit Gastgarten und Urban- Gardening-Flächen, dort eine Logistikhalle mit Lkw-Zufahrt, Euro-Paletten und herumsurrenden Gabelstaplern, darüber schließlich ein Büro- und Werkstättentrakt in braun lasiertem Holzkleid, der eines Tages, wer weiß, mit wenig Aufwand zu Wohnzwecken konvertiert werden kann. Das Projekt für die ökologische Start-up-Plattform Greenbizz in der Tivoli- Greencity im Nordosten Brüssels – eine Kooperation zwischen Democo, BC Architects und der GÉNÉRALE assemblée d’architectes – geht auf einen öffentlichen Wettbewerb nach dem Brüsseler Modell zurück. Als Auslober und Koordinator fungiert der sogenannte Bouwmeester Maître Architecte, kurz BMA. „Der Bouwmeester ist ein traditioneller, aus dem Sprachgebraucht fast schon verschwundener Begriff aus dem Mittelalter, den wir im Jahr 2000 in Belgien wiederbelebt haben“, sagt Kristiaan Borret, der die Rolle des Brüsseler BMA nun seit zehn Jahren ausübt. „Und meine Aufgabe ist es, gemeinsam mit meinem Team für jeden privaten und öffentlichen Wettbewerb möglichst präzise, zugleich aber auch ausreichend flexible Bewerbungsrichtlinien zu definieren, sodass wir mit den volkswirtschaftlichen Ressourcen sparsam umgehen und auch junge, noch nicht gänzlich etablierte Büros erreichen.“ Ziel ist es, Absolvent:innen und Berufseinsteiger:innen den Zugang zu größeren Projekten zu erleichtern. Sämtliche Wettbewerbe nach dem Brüsseler Modell sind zweistufig: Die erste Stufe ist offen und ähnelt am ehesten einem Bewerbungsverfahren, wobei man sich mit formalen Daten zum Büro, maximal drei bautypologischen Referenzprojekten und – eine Besonderheit in der EU – einem persönlichen Motivationsschreiben bewirbt, in dem man die Herausforderungen der Bauaufgabe und die Kompetenzen des eigenen Büros auf den Punkt bringen muss. „Daraus wählen wir dann in einer kleinen Kommission fünf Büros aus unterschiedlichen Generationen aus, die wir zu einem geladenen Wettbewerb einladen“, so Borret. Jedes Büro wird mit einer Aufwandspauschale entschädigt und präsentiert seinen Entwurf am Ende bildlich und mündlich. „Das schafft faire Bedingungen für alle. Außerdem werden alle Wettbewerbsbeiträge in eine Datenbank gespeist, wo sie jederzeit öffentlich zugänglich sind. Es geht ums Voneinander-Lernen.“

Die Ausstellung „Zwischen Kostenschätzung, Muttermilch und Bauwende“ zeigt Strategien der jungen Generation von Architekturschaffenden im Umgang mit gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen. (Foto: The Schubidu Quartet)

Von diesem niederschwelligen Zugang zur Architekturpraxis könne man in Österreich und in vielen anderen Ländern Europas nur träumen, sagt Anna Firak. Die 37-Jährige hat vor drei Jahren mit einigen Kolleginnen die Plattform zkmb gegründet. Die Abkürzung steht für „Zwischen Kostenschätzung, Muttermilch und Bauwende“ und fasst in ihrem Namen die planerischen und ökologischen Herausforderungen der Next Generation zusammen. zkmb tourt mit ihrer gleichnamigen Ausstellung durchs ganze Land – aktuell zu sehen im HDA Graz – und versteht sich als Netzwerk-Plattform, um angehenden Architekt: innen den Einstieg in die Berufspraxis zu erleichtern. „Der Zugang zum Beruf hat in Österreich einige bürokratische und institutionelle Hürden“, so Firak. „Denn im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in denen man ebenfalls Praxisjahre sammeln und einer Berufsvertretung beitreten muss, hat man bei uns auch noch die Ziviltechnikprüfung zu absolvieren. Das ist europaweit einzigartig. Ist das noch zeitgemäß?“ Immer wieder gibt es kleine Hoffnungsschimmer: Vor einigen Jahren beispielsweise hat die steirische Architekt:innenkammer eine Youngster-Klausel eingeführt. Demnach kann man sich als Jungarchitekt: in in eine sogenannte Zuladungsliste eintragen, aus der man – per Los – immer wieder zu nicht-offenen Wettbewerben geladen wird. „Eine tolle Option für die ersten Jahre, weil sie Berufseinster:innen den Zugang erleichtert“, erläutert Firak: „Es wäre schön, dieses System auf ganz Österreich auszuweiten.“


Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 7-8/2025. Der Volltext ist ab Seite 80 zu finden.

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