Kiesler-Preis 2018 an Yona Friedmann

Yona Friedman © Kieslerstiftung, Wien

Yona Friedman © Kieslerstiftung, Wien

Der Pionier visionärer Megastrukturen über unseren Metropolen ("Paris-Spatiale") wird mit Österreichs höchstdotiertem Kunstpreis ausgezeichnet. Yona Friedman über den Award: „Ich fühle mich außerordentlich glücklich, den Kiesler-Preis zu erhalten, und ich bin der Jury sehr dankbar dafür, dass sie mein Werk ausgewählt hat, was großes Verständnis gegenüber meinen Ideen widerspiegelt. Aber abgesehen von Dankbarkeit fühle ich auch besondere Freude, dass es diese spezielle Stiftung ist, die mein Werk anerkennt. Ich kenne einige von Kieslers Arbeiten, von Publikationen und von Ausstellungen im Centre Pompidou in Paris, und ich bewundere ihn und seine Ideen ungemein.
Das erste Mal, dass ich sein Werk entdeckte, war seine Präsentation bei der Surrealisten-Ausstellung, von der ich den Katalog bereits gelesen hatte, bevor ich nach Paris kam. Dann sah ich seine Modelle für das ,Endless House‘ und verstand die Absicht dahinter – ich dachte, dass diese sehr ähnlich sei zu den Ideen, an denen ich damals arbeitete. Es gab so wenige Künstler und Architekten, die mutig genug waren, konträr zur Mainstream-Architektur Stellung zu beziehen. Kiesler war einer dieser wenigen, und vielleicht sogar der entschlossenste.
Ich glaube, dass Ideen wichtiger sein können als die Objekte selbst. Eine Auffassung, die 2.500 Jahre zurückreicht, aber oft vergessen wird …“ Die Jury: Pedro Gadanho, Rainer Fuchs, Julia Peyton-Jones, Germano Celant, Hani Rashid, Angelika Fitz, Peter Bogner (Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung)

Bundespressedienst, BKA, Wien: Wie die Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung heute bekanntgab, hat die internationale Jury entschieden, den Friedrich Kiesler Preis für Kunst und Architektur 2018 an den französischen Architekten Yona Friedman zu verleihen.

Kulturminister Gernot Blümel gratuliert: "Ich freue mich, dass der diesjährige Kiesler-Preisträger in geradezu idealer Weise mit dem visionären Werk des Namensgebers korrespondiert. Yona Friedman ist nicht nur ein innovativer Architekt mit seinen Raumstadtkonzepten, er war seiner Zeit weit voraus. Nicht nur für Stadtplaner und Architekten ist seine Arbeit ein enorm wichtiger Ansatzpunkt, auch die zeitgenössische Kunst entdeckt ihn und seine künstlerisch-poetische Qualität für sich neu."

Der Kiesler-Preis wird alle zwei Jahre abwechselnd von der Republik Österreich und der Stadt Wien vergeben. Er ist mit 55.000 Euro Preisgeld datiert und kürt "herausragende Leistungen im Bereich der Architektur und der Künste, die den experimentellen und innovativen Auffassungen Friedrich Kieslers" entsprechen. Friedmans städteplanerischen Überlegungen, die er erstmals 1958 als Manifest "L‘Architecture Mobile" veröffentlichte, waren damals visionär – und sind es bis heute. Besonders seine Ideen, die Architektur als dynamisches, veränderliches Konstrukt zu begreifen, werden seit mittlerweile 60 Jahren vielfach rezipiert. "Yona Friedmans Relevanz für die Gegenwart ist beeindruckend und durch seinen biografischen Hintergrund als Vertriebener entwickelte er ein Sensorium für die existentiellen Erfahrungen einer Gesellschaft, was seine Arbeit auch als politische qualifiziert", so der Kulturminister abschließend.