Konsensgarten Wels

Mit dem Neuen Volksgarten realisiert die Stadt Wels nicht nur das größte Entsiegelungsprojekt Österreichs. Sie schafft einen Freiraum für alle, der zukünftig hoffentlich frei von politischer Einvernahme bleibt.
Zu den philanthropischen Neigungen gesellschaftlich Verantwortlicher gehört es, das Leben der Mitmenschen durch die Bereitstellung von öffentlichem Grün angenehmer zu machen. Feudalherren öffneten „ihre“ Gärten ab dem 18. Jahrhundert. Bürgerliche Träger initiierten städtische Grünanlagen, um die Folgen der Industrialisierung abzumildern. Demokratische Stadtregierungen und ihre Verwaltungen sicherten ab der Moderne durch Grünanlagen die sozial notwendigen Erholungsräume für das Wohlbefinden und die Rekreation der Stadtbevölkerung.
Das Projekt umfasst die Umgestaltung eines großteils versiegelten Areals zu einem Park mit Promenaden, Spiel und Freizeitbereichen sowie neuen Baum- und Gehölzpflanzungen.
Urban gedachtes Grün
All dies möchte auch der derzeit in Realisierung befindliche „Neue Volksgarten Wels“, der als eines der prestigträchtigsten Parkprojekte Österreichs gelten kann. Entsprechend beeindruckend ist das begleitende Wording („Jahrhundertprojekt“, „größte Entsiegelungsmaßnahme Österreichs“, „500 neue Bäume“ etc.). Auf dem Areal der alten Messehallen wird bis zum Sommer 2026 ein multifunktionales Parkgelände mit rund 40.000 Quadratmetern entstehen. Es kann alles, was eine derartige Anlage heute können muss: Erholung, sportliche Aktivitäten, Veranstaltungen, Verknüpfung mit dem Stadtraum, Heranrücken des Zentrums an den Fluss und regionaler Bezug. Laut den planenden Landschaftsarchitekten Yewo Landscapes handelt es sich um einen, gemessen an der Stadtgröße, ungewöhnlich dimensionierten Park, dessen Multifunktionalität aktuelle urbane Parkkonzepte widerspiegelt. Dies wird durch die Nähe zum Zentrum unterstrichen, das dank des neuen Grün mit der nahegelegenen Traun räumlich verbunden wird. Die Uferzone bietet nicht nur besonders attraktive Wege und Zonen, sondern verbessert auch den regionalen Bezug zu den Nachbargemeinden. Im Rahmen des Grün- und Freiflächenkonzepts der Stadt Wels ermöglicht der neue Volksgarten die Nachverdichtung an anderen Stellen der Stadt.
Parkgenese als Wahlgeschichte
Bereits 2015 wurde die Parkidee in das örtliche Entwicklungskonzept aufgenommen. Man besann sich auf den 1879/80 angelegten Volksgarten, dessen Ausdehnung dem aktuellen Projekt entsprach. Im Vorfeld waren verschiedene Nutzungen angedacht, die auf den ersten Blick eine größere wirtschaftliche Rendite erbracht hätten. Dass ausgerechnet eine FPÖ-geführte Stadtregierung ein Projekt vorantreibt, das eine Vielzahl aktueller Forderungen nach ökologischen und klimatechnischen Verbesserungen erfüllt, hat zu mancher Irritation geführt. Auffallend ist zumindest die zeitliche Nähe von den Volksgarten betreffenden Grundsatzentscheidungen mit den oberösterreichischen Kommunalwahlen 2015, 2021 und letztlich 2027. Ein Projekt dieser Größenordnung „für alle Welser“ ist prestigeträchtig und findet schnell breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Entsprechend schwierig ist es, von oppositioneller Seite aus Bedenken zu formulieren. . .
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