Kosmopolitin aus Tirol

Nina Mair ist eine Designerin und Architektin mit Tiroler Wurzeln. Sie nimmt die Dinge gern selbst in die Hand: Fast alle Prototypen baut sie in ihrem Atelier; (c) Photo Peter Philipp

Nina Mair ist eine Designerin und Architektin mit Tiroler Wurzeln. Sie nimmt die Dinge gern selbst in die Hand: Fast alle Prototypen baut sie in ihrem Atelier; (c) Photo Peter Philipp

Themen:  Junge Architektur

Nina Mair ist in Design und Architektur gleichermaßen zu Hause. Außerdem in Tirol und in der ganzen Welt.

Diese Kombination führt zu originellen Produkten aus natürlichen Materialien und Architektur mit hohem Wohlfühlfaktor.

Die Kinderzeichnungen beweisen es: Ihren ersten Grundriss zeichnete sie mit vier Jahren, schon damals mit Mobiliar. „Mein Vater war Architekt, er hatte sein Arbeitszimmer bei uns zu Hause, ich war fasziniert von seinen Kurvenlinealen, Stiften, Schablonen und all den anderen Werkzeugen“, erinnert sich Nina Mair. Das Haus, in dem sie aufwuchs, plante ihr Vater – und zwar so, dass es auf kleiner Grundfläche mit verschiedenen Raumhöhen innen mit unerwarteter Großzügigkeit erstaunte. Daneben liebte er die Natur: am Wochenende wurde gewandert. Außerdem gab es noch eine Großmutter mit Bauernhof, Kuhstall und allem, was dazu gehört: Bei ihr verbrachte Mair die Sommer ihrer Kindheit. Dort begriff sie, wie Melkschemel gemacht sind und man höchst ökonomisch Möbel und Gebrauchsgegenstände ständig reparieren, verbessern und weiterverwenden kann. Bis heute sind die Natur – in Form authentisch-natürlicher Materialien –, das Auseinandernehmen und neu Zusammensetzen von Dingen, sowie die Architektur wesentliche Komponenten ihrer kreativen Identität.

Für Nina Mair ist es wichtig, Dinge in die Hand zu nehmen. So gut wie alle Prototypen baut sie zuerst einmal in der Werkstatt ihres Ateliers im Maßstab 1:1 selbst. 

„Beim Produktdesign ist mir wichtig, alles wegzulassen, was man nicht unbedingt braucht.“ Mair studierte Architektur in Innsbruck – und an der Accademia delle Belle Arti in Florenz. Dort zählte Adolfo Natalini zu ihren Lehrern. Der charismatische Mitbegründer des bahnbrechenden Superstudio weckte ihre Leidenschaft für gutes Produktdesign, dem man in Florenz ständig begegnet. „Für mich gibt es keine klare Trennung zwischen Gebäude und Innenraum. Ich denke das Mobiliar automatisch mit, wenn ich einen Raum entwerfe.“ Ihr erstes Einfamilienhaus – das Botany House – plante sie gemeinsam mit Architekt Georg Bechter. Es zeichnet sich durch breite Fensterbänke, die auch Sitznischen sind und viele andere aufmerksame Details auf. 

Der Durchbruch gelang am Satellite des Salone del Mobile, wo Mair mit Horst Philipp und Georg Öhler als Designtrio Pudelskern ihre Lampe Granny präsentierte: Eine Hängelampe, deren Schirm aus einer selbstgestrickten Haube besteht. „Es ist eine Referenz an meine Großmutter. Eigentlich haben wir mit dem Material experimentiert: einer dicken Schafwolle der Ötztaler Manufaktur Regensburger, aus der sonst Teppiche gefertigt werden.“ Diese dicke Wolle brennt nicht. Natürlich strickte Mair den Prototypen selbst: Die sympathische Lampe mit der warmen, individuellen Ausstrahlung löste sofort Begeisterung aus. Casamania nahm sie in die Produktion. 

Mair gestaltete auch die Airport-Lounge in Innsbruck: Dort treffen nun Granny-Lampen, Geweihe, Tiroler Materialien wie Kupfer und Holz, sowie bequeme Hochlehner auf den Blick auf die Rollbahn. „Es gibt fast keine andere Reiseform, bei der man so eingeschränkt ist: Das beginnt beim klar begrenzten Gepäck und reicht bis zum Sitz im Flugzeug, wo man nicht einmal die Beine ausstrecken kann.“ Daher ist die Innsbrucker Airport-Lounge nun umso bequemer – und kommt bei ihrer internationalen Klientel bestens an. Mit Forcher, einem Tischlereibetrieb aus Lienz in vierter Generation entwickelte Mair eine Badewanne aus Holz. Forcher beauftragte sie nun mit der Planung einer neuen Halle und eines Büros in Verbindung zum alten Standort. Eine synthetische Aufgabe, wie geschaffen für Nina Mair. 

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Lesen Sie das Porträt „Kosmopolitin aus Tirol“ von Isabella Marboe auch in der architektur.aktuell Ausgabe 463 | 10.2018 |, Erscheinungstermin am 9. Oktober 2018, auf Seite 23.

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23. Oktober, 19 Uhr

Nina Mair spricht im Rahmen von architektur in progress
bei XAL Wien
Marxergasse 1B
1030 Wien

www.architektur-inprogress.at

 

Ein Video zu stand.punkt - NINA MAIR ARCHITECTURE + DESIGN:

https://www.architektur-aktuell.at/videos/stand-punkt-nina-mair-architecture-design