Venedig Architekturbiennale 2027

Kurator:innen des Österreich Pavillons stehen fest

Der Österreich Pavillon der Architekturbiennale Venedig 2027 wird zu einem Ort des Aushandelns. Mit dem Konzept Koncesija Konzession Concessione rückt ein interdisziplinäres, bosnisch österreichisches Kurator:innenteam Architektur in die Nähe von Diplomatie, Vermittlung und politischer Realität. Der Beitrag versteht den Pavillon nicht als abgeschlossene Ausstellung, sondern als offenen Prozess, der bestehende Verflechtungen sichtbar macht und neue ermöglicht.


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Der Österreich Beitrag zur Architekturbiennale Venedig 2027 wird von Adna Babahmetović, Ajna Babahmetović und Sebastian Höglinger kuratiert. Die Entscheidung wurde am 27. Jänner 2026 von Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler im AzW bekannt gegeben. Im Zentrum steht ein ungewöhnlicher Schritt. Der Hoffmann-Pavillon wird für die Dauer der Biennale symbolisch an Bosnien und Herzegowina in Konzession vergeben. Jenem Staat, der bis heute keinen eigenen Pavillon in den Giardini besitzt.

Der Titel verweist bewusst auf das Prinzip des Verhandelns. Konzession wird hier als räumliches und politisches Instrument verstanden. Der Pavillon wird zur Plattform für Austausch, Sichtbarkeit und Lobbying. Architektur wird nicht als Objekt, sondern als Medium gelesen. Als diplomatisches Parkett im besten Sinn.

Die Lobby als politisches Setting

Zentraler räumlicher Bezug ist die Hotellobby des historisch geprägten Holiday Inn in Sarajevo. Das Gebäude, entworfen von Ivan Štraus anlässlich der Olympischen Winterspiele 1984, steht für internationale Öffentlichkeit ebenso wie für die Brüche der jüngeren Geschichte. Diese Lobby wird im Pavillon fragmentarisch als in 1:1 Situation rekonstruiert. Geometrische Bodenmuster, Baldachine und Möblierung erzeugen einen Raum des Wartens, des Treffens und des Aushandelns.

Die Jury beschreibt diese Setzung als präzise Antwort auf aktuelle Fragen nationaler Repräsentation. Die Lobby wird zur Bühne für Summits, Gespräche, Filmprogramme und Veranstaltungen. Besucher:innen sind nicht bloß Publikum, sondern Teil eines fortlaufenden Prozesses. Der Pavillon wird so zum Knotenpunkt eines internationalen Netzwerks zwischen Österreich, Bosnien und Herzegowina und darüber hinaus.

Forschung als offener Prozess

Koncesija Konzession Concessione versteht sich explizit als Forschungsprojekt. In enger Zusammenarbeit zwischen der österreichischen und der bosnisch herzegowinischen Architekturszene werden alltägliche Realitäten des Bauens gesammelt, archiviert und diskutiert. Bosnien und Herzegowina wird als ausgehandelter Raum post-Dayton gelesen und zugleich als mögliches Modell für europäische Zukünfte.

Der Beitrag ist nicht statisch gedacht. Eine Abfolge von Veranstaltungen, Filmprogrammen und Diskussionsformaten prägt den Biennale-Zeitraum. Ein eigenes Filmprogramm entsteht in Kooperation mit dem Sarajevo Film Festival und der Viennale. Ziel ist unter anderem die Unterzeichnung eines Biennale Participation Request für eine offizielle Teilnahme Bosnien und Herzegowinas im Jahr 2029.

Die Jury würdigte das Konzept als politisch relevant, architektonisch präzise und realistisch umsetzbar. Besonders hervorgehoben wurden die bestehenden Netzwerke des Kurator:innenteams sowie der bewusste Verzicht auf formale Repräsentationsgesten zugunsten eines offenen, dialogischen Formats.

Mit diesem Beitrag positioniert sich Österreich nicht nur als Ausstellungsnation, sondern als Vermittlerin. Der Pavillon wird zum Raum, in dem Architektur, Geschichte und Gegenwart aufeinandertreffen. Nicht als Behauptung, sondern als Einladung zum Gespräch.

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