aut und Archiv für Baukunst, Innsbruck

Lois Welzenbacher: „Ein anderer Architekt der Moderne“

Lois Welzenbacher, Haus Schulz, Recklinghausen (D), 1928 – 29 – © Forschungsinstitut Archiv für Baukunst

Der Innsbrucker Architekt Rainer Köberl und der Fotograf Lukas Schaller waren im Frühling und Sommer 2014 viele Tage auf den Spuren Lois Welzenbachers unterwegs. Die Videos, die dabei entstanden sind, zeigt das Innsbrucker aut.architektur und tirol nun als Hommage an einen „anderen Architekten der Moderne“.


 

Neben dem Neoamerikaner Richard Neutra war Welzenbacher 1932 als einziger österreichischer Baukünstler bei der großen Ausstellung „The International Style: Architecture since 1922“ im New Yorker Museum of Modern Art mit dabei. Mit der von aut und Archiv für Baukunst der Innsbrucker Architekturfakultät gemachten Schau wird nun der 130. Geburtstag des gebürtigen Münchners gefeiert, der nach einem nicht abgeschlossenen Architekturstudium 1918 in Innsbruck sein erstes Büro eröffnet hat, ab 1947 auf einem Lehrstuhl für Architektur der Wiener Akademie der bildenden Künste gesessen ist und 1955 in Absam bei Innsbruck gestorben ist.

Ziel der Ausstellung ist es, Welzenbachers Baukunst abseits seiner Selbstinszenierung als klassisch Moderner zu beleuchten. Um ihn als sensiblen Umgeher mit landschaftlichen und atmosphärischen Kontexten vorzuführen, als ebenso sensiblen Spieler mit architektonischen Finessen und subtilen Transformator klassischer Elemente. Dass dies in dem von Rainer Köberl, Erich Wucherer und Thomas Giner vor 15 Jahren mit viel Gespür von einem Sud- in ein Architekturhaus verwandelten Welzenbacher’schen Adambräu passieren kann, ist wunderbar.

Lois Welzenbacher, Haus Settari, Bad Dreikirchen (I), 1922–23 – © Forschungsinstitut Archiv für Baukunst

Lois Welzenbacher, Haus Settari, Bad Dreikirchen (I), 1922–23 – © Forschungsinstitut Archiv für Baukunst

Ein sensibler Spieler mit architektonischen Finessen und subtiler Transformator klassischer Elemente

Edith Schlocker

 

Genauso wie die Art und Weise, mit der Köberl und Schaller in ihren Videos 16 noch einigermaßen original erhaltenen Welzenbacher-Bauten auf den Leib gerückt sind. Viel Zeit haben sich die beiden dafür genommen, lange haben sie bisweilen auf das richtige Licht, die ideale Stimmung für die Umrundung des jeweiligen Gebäudes gewartet. Die Kameraeinstellungen sind lange, die Architektur ist die unverrückbare statische Größe, um die herum sich das ganz normale Leben inklusive seiner Geräusche abspielt.  

Es sind die unterschiedlichsten Bauaufgaben, an denen Köberl Welzenbacher als einen „anderen Architekten der Moderne“ festmacht. Als Schöpfer von Bauten, der stilistisch nicht eindeutig schubladisierbar ist. Weil er ein Denker in jeweiligen Kontexten war, was etwa  das ehemalige Kurhotel Seeber in Hall formal so komplett anders daherkommen lässt wie seine einem romantischen Expressionismus verpflichteten ländlichen Villen oder die mit klassizistischen Versatzstücken spielende Villa Arnold in Wien. Während seine Bürohochhäuser oder auch das ehemalige Adambräu eher funktionalistische „Maschinen“ angelegt sind.

Lois Welzenbacher, Haus Welzenbacher, Absam, 1945 – © Lukas Schaller (Film-Still)

Lois Welzenbacher, Haus Welzenbacher, Absam, 1945 – © Lukas Schaller (Film-Still)

Im Archiv für Baukunst werden dagegen Entwürfe, Pläne, Fotografien und Modelle präsentiert, die die ganze Ambivalenz dieses „anderen Architekten der Moderne“ noch vertiefen. Integraler Teil der Schau ist aber auch eine von Rainer Köberl initiierte Web-Site, die u.a. vergriffene Publikationen über diesen Ausnahmearchitekten digital zugänglich macht.

Welzenbacher-Ausstellung des aut, bis 18.1.2020

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