Mähren/Morava: Bauten, Menschen, Wege

Marktplatz Teltsch/Telc | Photo Haller & Haller

Marktplatz Teltsch/telc | Photo Haller & Haller

Die Sommerausstellung der Reihe „Architektur im Ringturm“ widmet sich bis zum 5. September einem entdeckenswerten Nachbarn.

Nur hundert Kilometer von Wien entfernt beginnt die tschechische Region Mähren, ein Gebiet, das ungeachtet seiner Nähe nur selten tatsächlich erkundet wird. Bekannt kommt es manchen zum Beispiel durch Robert Musils Beschreibung in „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ vor, auch als Herkunftsregion von Sigmund Freud oder Ernst Mach und Edmund Husserl, von Gregor Mendel, von Josef Hoffmann, Adolf Loos und Josef Maria Olbrich.

Die Kuratoren Adolf Stiller, Jan Sapák und Stephan Templ bereisten das Gebiet und sammelten vielschichtiges Material zu acht bemerkenswerten Städten, die sie gut geeignet finden, Mähren zu charakterisieren: Bad Luhatschowitz/Luhačovice, Zlabings/Slavonice, Teltsch/Telc, Trebitsch/Třebíč, Iglau/Jihlava, Kremsier/Kromĕříč, Nikolsburg/Mikulov und Znaim/Znojmo. Dabei ging es ihnen weniger um Einzelbauten als um Stadtensemble, deren Anlage zumeist aus der Renaissance oder dem Barock stammt. Exemplarische Bauten der Jahrhundertwende und der frühen 1930er Jahren vervollständigen das Bild, so das Volkshaus, das Jan Kotĕra nach seiner Ausbildung in Prag in Proßnitz/Prostĕjov plante. Wer die Ausstellung besucht, kann sich dank eines großen Prospekts des Zentrums von Teltsch/Telc gleich gegenüber dem Eingang wie auf dem Stadtplatz fühlen. Hohe Stellwände mit weiteren farbigen Großfotos und Schaupulte sind so angeordnet, dass sie den Eindruck unterstützen. An der rechten äußeren Wand hängen unter Glas zahlreiche schwarz-weiß-Aufnahmen aus den Archiven vor Ort, die zeigen, wie glücklich die Städte jeweils in die umgebende Landschaft eingebettet sind.

An der der linken Wand hängen Dokumente einer echten Entdeckung: In Kremsier/Kromĕříč steht eine weitläufige Heilanstalt für Nervenkranke, die 1905-1908 nach Plänen des Wagner-Schülers Hubert Gessner im Sezessionsstil gebaut wurde. Alle Pläne – Faksimiles sind in der Ausstellung zu sehen – sind zweisprachig beschriftet, die Pavillons tragen so anmutige Bezeichnungen wie: Unruhige/Wohnhaus für Ärzte/Bessere Stände. Hier ist vom Außenputz bis zum Gartenzaun fast alles im Original erhalten. In der Literatur kommt das Ensemble soweit bisher bekannt nicht vor, nun aber zumindest im ebenfalls zweisprachigen Katalog, der die Ausstellung begleitet. (ri)

Bis 5. September 2014

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