Monika Heiss zu Farbdesign

Wasserrutschen, WCs und Werkstattmulden sind für die Farbdesignerin Monika Heiss besonders spannende Aufgaben. Noch öfter kommt ihre Fachexpertise bei Bahnhöfen, Schulen und Krankenhäusern zum Einsatz. Wir sprechen mit ihr über visuelle Überreizung, handgemachte Pigmente und den mancherorts mangelnden Mut zur Farbe in der Architektur.
Wenn es um RAL 9016 geht, gerät Monika Heiss in Rage. Tausende Kilometer solcher „billiger Weißtöne“ würden an Wände gewalzt oder sogar aufgespritzt, keine Rede davon, das Pigment mit dem Pinsel in die Wandoberfläche einzuarbeiten, um ihm Substanz zu verleihen, oder vorab über Farbnuancen nachzudenken. Sie selbst bewahrt 32 unterschiedliche Weißtöne auf großen Mustertafeln in ihrem Dornbirner Atelier auf, um in Abstimmung mit vielen Faktoren und Akteur:innen genau den richtigen Ton auszuwählen. Zum Beispiel ein Rügener Weiß, das aus der dortigen Kreide gewonnen wird. Oder – wenn es nicht um Weiß geht – ein Pariserblau, Persischorange oder Eisenoxidrot. Mit solchen handgemachten Pigmenten arbeitet die Farbdesignerin am liebsten, weil deren kristalline Bestandteile das Licht reflektieren und der Farbe „Körper“ verleihen. Trotzdem ist Heiss auf normierte Farbsysteme angewiesen, wie „Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen“ (RAL), „Natural Color System“ (NCS) oder die Palette von Le Corbusier, die sie so oft wie möglich einsetzt. Viel Wissen und handwerkliches Können seien durch die Industrialisierung der Farbherstellung verloren gegangen, bedauert sie.

Alles ist Farbe
Bevor es in einem Projekt aber an die Chemie geht, steht die tiefe Auseinandersetzung mit der Architektur im Mittelpunkt. Umgebung, Funktionen, Nutzer: innenbedürfnisse und die Materialität des Gebäudes bilden die Ausgangslage. Grundsätzlich gilt es dabei, zwischen Reizarmut und Überreizung auszubalancieren, denn beides kann aggressiv machen. In einem Raum, in dem sich Menschen lange aufhalten, würde Heiss etwa niemals grelle Farben einsetzen. Ganz anders in Durchgangszonen wie Stiegenhäusern und Entrees: Dort können kräftige Farben „die reinsten Aufweckszenarien sein“. Die vielfältigen Funktionen von Farbe, wie Atmosphäre, Orientierung und Sicherheitsgefühl, gilt es je nach Aufgabe gezielt einzusetzen. Und: Es gibt nichts, das keine Farbe hat, räumt sie mit einer verbreiteten Fehleinschätzung auf. Auch Sichtbeton, Glas oder Holz haben ein großes Spektrum an Farbigkeit. „Wir bezeichnen diese rohen Materialien fälschlich als Nicht- Farben und unterschätzen ihre diesbezügliche Wirkung.“ Farbe existiert ohnehin nie für sich allein, erst zusammen mit Licht und einem Trägermaterial wird sie überhaupt wahrnehmbar. „Farbgestaltung heißt ja nicht nur, Wände anzumalen. Für ein Gesamtkonzept arbeite ich mit unterschiedlichsten Bodenbelägen: Fliesen, Teppichen, Linoleum, Holz, mit Fensterund Türprofilen, Jalousien, Fassadenmaterialien und Textilien“, erklärt Monika Heiss. . .
Jetzt Heft bestellen und weiterlesen!
Der ganzen Beitrag gibt es in unserer neuen Ausgabe von architektur.aktuell 7-8/2026 zu lesen.
