Neue Perspektiven für den Balkon

Stolze Preisträger: Maximilian Mandat und Florian Aufreiter hinter dem imaginären Fenster, das vom Prototpy ihres Projets "Fassaden_Funder" gerahmt wird Foto Isabella Marboe

Die Lehrveranstaltung „Subjektive Räume / Raumutopien“ am Institut für Kunst und Gestaltung der TU Wien unter der Leitung von Norbert Lechner und Fridolin Welte stand im letzten Wintersemester ganz im Zeichen des Balkons: Unter dem Motto „Wohnbalkon-mein Lieblingsdraußen“ luden Norbert Lechner und Fridolin Welte ihre Studierenden ein, das Potential von FunderMax – Platten bei Balkonen im Rahmen eines Wettbewerbs so innovativ wie möglich auszuloten. FunderMax und das Start-up Xact Solutions unterstützten dieses Entwerfen mit ihrem fachlichen Know-How und sponserten insgesamt 1000 Euro Preisgeld für die Siegerprojekte des Wettbewerbs. Insgesamt 36 Studierende arbeiteten paarweise ihre Projekte dazu aus. Ihre Präsentationen auf zwei DIN A3-Tafeln wurden von  einer Jury am 26. Jänner begutachtet. Karin Müller-Reineke (Dipl.- Ing., Architektin, vana-architekten), Karin Harather (Ass. Prof. Mag. Art. Dr. Phil, Institut für Kunst und Gestaltung, TU Wien), Isabella Marboe (Dipl.-Ing., Architekturjournalistin), Michael Meixner (Leitung FunderMax und Geschäftsführer Wohnbalkon) und Ernst Huemer (Marketing & Werbung, FunderMax) diskutierten die Projekte in drei Rundgängen und wählten schließlich die Preisträger aus. Deren Entwürfe wurden tatsächlich im Werk von FunderMax in Wiener Neudorf prototypisch gebaut und bei der feierlichen Preisverleihung am Nachmittag des 31. Mai vor Ort präsentiert. Auch Geschäftsführer Johann Marchner war anwesend, um den Studierenden persönlich zu gratulieren.

Das Projekt „Fassaden-Funder“ von Florian Aufreiter und Maximilian Mandat wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Die beiden gingen von den Kastenfenstern bestehender Gründerzeithäuser aus, die oft über keine Balkone verfügen. Sie betrachteten die tiefe Leibung als Raum zwischen innen und außen als Ort mit großem Potential. „Fensterlaibungen in Altbauten haben oft eine größere Raumtiefe, die wir besser nutzbar machen wollten“, so Florian Aufreiter. Die beiden entwickelten Regalelemente aus Funder-Max-Platten, die man gleichermaßen als dreidimensionale Fensterläden auf einer Schiene vor das Fenster schieben kann: mit Pflanzen bestückt, wirken sie in geschlossenem Zustand als Sonnen- und Sichtschutz. Beiseite geschoben aber erweitern sie die Leibung um einen individuellen Freiraum und lassen so Balkon-Gefühl aufkommen. Schiebt man beispielsweise einen Schreibtisch innen in der Höhe der Leibung an das Fenster, entsteht im Handumdrehen eine Art Plattform im Grünen. „FunderMax Platten sind witterungsbeständig, wir haben extra dünne Querschnitte gewählt, damit sie sich auch leicht schieben lassen“, so Maximilian Mandat. „Außerdem gibt es sie in allen Farben, so lassen sie sich an bestehende Gebäude gut anpassen.“ Diese dreidimensionalen, begrünbaren Fensterläden sind einerseits als kostengünstige Erweiterung des Innenraums zu sehen, anderseits gestalten sie natürlich auch Fassaden auf eine sehr reizvolle und individuelle Weise. „Unsere Fassaden-Flunder sind ein architektonisches Mittel, um ein Haus zu verschönern“, meint Florian Aufreiter. „Sie wirken als Sonnenschutzelemente und bringen aber auch durch die Querdurchlüftung, wenn man das Fenster öffnet, das Gefühl von Garten in die Wohnung.“ Eine weitere Motivation, die Querschnitte ihres mobilen Mini-Balkon-Elements zu minimieren, bestand für die beiden darin, Verschnitte der FunderMax-Platten noch sinnvoll verwerten zu können. Der von den Arbeitern vor Ort gebaute, froschgrüne Protoyp beeindruckte einerseits natürlich in seiner überzeugenden, klaren Ästhetik, seiner frischen Farbe, aber auch in der Leichtigkeit, mit der er sich verschieben ließ. Das lag sowohl am leichtgängigen Rad, das auf einer Schiene über dem Fenster geführt wird, als auch an dem geringen Gewicht der sehr leichten Regal-Fensterflügel-Konstruktion.

„Wir wollten ein Möbel entwickeln, mit dem man Alltagstätigkeiten leicht ins Freie verlegen kann“, erklärt Mia Neustädter, die gemeinsam mit Hannah Fally aus FunderMax-Platten einen vielseitigen Sek/re/tär entwickelte. Das schlanke, schmale Möbel peppt jeden Balkon auf und erweitert sein Funktionsspektrum maßgeblich: So gibt es auf der Seite eine öffenbare Türe, um in seinem Inneren sehr unkompliziert Klappstühle und andere Balkonmöbel verstauen zu können. Außerdem verfügt der Sek/re/tär an seiner dem Balkon zugewandten Innenseite über eine weitere Klappe, die sich wunderbar als Schreibpult oder auch als kleiner Tisch verwenden lässt. „Hier kann man schnell eine Kleinigkeit essen oder am Laptop arbeiten“, sagt Hannah Fally. „Außerdem bietet der Sek/re/tär Sichtschutz, wenn man davor steht.“ Auch Pflanzen machen sich auf ihm sehr gut, passend zu seinem Design haben die beiden Studentinnen auch Blumentröge entwickelt, die man auf das Balkongitter hängen kann. Was die Jury am meisten am Sek/re/tär beeindruckte: dass er den Balkon im Handumdrehen zu einem Arbeits- oder Esszimmer im Freien aufwertet.

Vorbild für das Projekt „Klapp’s dir zu recht“ von Alina Schwarz und David Qiu war der gute, alte Lattenzaun, dem schon Christian Morgenstern sein berühmtes Gedicht gewidmet hat. Der Lattenzaun steht für Land, Naturnähe und Geborgenheit. „Unser Grundgedanke war die Multifunktionalität: wir wollten den Gartenzaun in die Höhe eines Balkons holen und um ein paar Funktionen erweitern“, so Alina Schwarz. „Wichtig war uns auch, Modelle zu entwickeln, die auf einfache Weise die Privatsphäre garantieren“, ergänzt David Qiu. Die beiden fädelten also gleichermaßen viele durchlöcherte Latten aus Funder-Max-Platten auf zwei Stahlstangen über die Breite eines Balkons auf, sodass sie eine blickdichte Brüstung bilden. Jede zweite Latte wurde an bestimmten Stellen in Sitzhöhe kürzer geschnitten und lässt sich nun einfach ausklappen: Von zwei horizontalen Leisten sicher in Position gehalten, lassen sich diese kurzen Elemente nun sehr leicht zu Sitz- oder Tischflächen ausklappen. Der gebaute Prototyp überraschte selbst die anwesenden Jurymitglieder in seiner überzeugenden Stabilität. Allerdings ist er sehr schwer: die Engmaschigkeit, das Format und damit das hohe Gewicht der Elemente dieses Pioniers sind sicher ein Punkt, den man noch optimieren kann. „Dieses Modell ist natürlich die einfachste Variante“, sagt David Qiu. „Wir haben beispielsweise auch noch ein Element mit Dach entworfen, an dem man eine Hängematte montieren könnte.“

 Auf Maja Szabó und Abigail Quintana übten die kristallinen Möglichkeiten des Dreiecks als gestalterische Grundform eine faszinierende Sogwirkung aus. „Wir sind von Dreiecken mit kleinen Löchern ausgegangen und haben uns überlegt, wo man so etwas brauchen könnte“, erklärt Maja Szabó. „Außerdem haben wir uns überlegt, wie man den Umraum in die Wohnung holen könnte.“ Die beiden Studentinnen entwickelten also kristallin anmutende Elemente mit kleinen Löchern, die man vor Balkonen oder Fenstern als Sonnen- und Sichtschutz anbringen kann. Da diese dreieckigen Formationen sehr dicht und lichtundurchlässig sind, eignen sie sich vor allem für tropische Gegenden, wo man die starke Sonne als Bedrohung empfindet und muslimische Frauen sich dem Blick der Außenwelt nicht aussetzen dürfen. Diesen kulturübergreifenden Ansatz empfand die Jury als anerkennungswürdig. Maja Szabó nahm mit großer Freude ihren Preis entgegen.