Neuer Glanz für Otto Wagner: Hofpavillon Hietzing restauriert

Otto Wagner Hofpavillon Hietzing nach der Restaurierung; Foto: Wolfgang Thaler

Der Otto Wagner Pavillon Hietzing erstrahlt nach aufwändiger Instandsetzung wieder in

neuem Glanz. Mit der Wiedereröffnung ist eines der architektonischen

Schlüsselwerke der Wiener Moderne ab 21. Juni für die Öffentlichkeit

zugänglich.

 

Pavillon des k. u. k. Allerhöchsten Hofes“

Otto Wagner wurde 1894 mit der künstlerischen Gestaltung der Wiener Stadtbahn beauftragt:

nicht nur ein Höhepunkt im Schaffen des Architekten, sondern zugleich ein

Meilenstein in der Architekturgeschichte. Denn zum ersten Mal erfolgte die architektonische

Durchgestaltung eines Massenverkehrsmittels – gleichsam die ästhetische Überhöhung

eines konstruktiven Meisterwerks, ein Aufeinandertreffen von Ingenieurskunst

und Architektur „im modernsten Styl der Gegenwart“ (Neue Freie Presse). Bis heute

prägen Wagners Stationsgebäude, Trassen, Viadukte und Brücken das Stadtbild

Wiens.

Die Idee zu einem eigenen Stationsgebäude für den „k. u. k. Allerhöchsten Hof“ hatte

der Architekt selbst. Er verfolgte damit zwei Ziele: Zum einen wollte er, wie auch mit anderen

Projekten, die Aufmerksamkeit des Kaiserhauses auf sich lenken, zum anderen

ging es Wagner um die Nobilitierung seines eigenen Hauptwerkes. Erste Entwürfe entstanden

1896/97, sie mussten allerdings mit Rücksicht auf die barocke Architektur des

nahen Schloss Schönbrunn adaptiert werden. Schon das Äußere des im Frühjahr 1899

vollendeten Pavillons ist eine Synthese von imperialen Elementen (Kuppel, Wagenauffahrt,

Baldachin etc.) und reduzierter moderner Formensprache, wie sie etwa die betont

flächigen Fassaden darstellen.

 

Kostbares Interieur, exakt in Szene gesetzt

Das Innere ist geprägt von einer klaren Raumabfolge: Auf das nüchterne Entree mit

Terrazzoboden folgt der zentrale achteckige Wartesaal in kräftigen, warmen Farben.

Zur kostbaren Ausstattung dieses secessionistischen Interieurs zählen gestickte Wandbespannungen

mit Pflanzenmustern, ein Kamin aus Laaser Onyx, ein wirkungsvoller,

zugleich in der Form extrem reduzierter Luster sowie ein oktogonaler Teppich der Firma

Backhausen, der bereits 1989 im Zuge einer Sanierung rekonstruiert werden konnte.

Als Blickfang dient ein monumentales Bild von Carl Moll mit dem Titel „Blick auf Wien

aus der Ballonhöhe von 3000 m über der Schönbrunner Gloriette“. Aus der Sicht des

Adlers – und damit gleichsam zu Füßen des imperialen Herrschers – präsentiert sich

Wien als weit ausufernde, moderne Großstadt. Nicht zufällig werden jüngste Großprojekte

wie die Donauregulierung oder eben die neue Stadtbahn selbst auf der eindrucksvollen

Vogelschau akzentuiert.

Angrenzend zum Wartesaal befinden sich eine kleinere Loggia, die als kaiserliches Arbeitskabinett

dienen sollte (ebenfalls mit Terrazzoboden sowie Wandvertäfelungen),

sowie ein „Salon der Suite“ als weiterer Warteraum mit Blick auf die Stadtbahn. Im Zuge

der nunmehrigen Restaurierung konnte für diesen Raum ein apfelgrüner Teppich nach

dem Originalentwurf Otto Wagners rekonstruiert werden. Der Architekt hatte selbstverständlich

auch die komplette Einrichtung (hergestellt von der Firma Portois & Fix) entworfen,

diese ist allerdings nicht mehr erhalten. „Mit der Ausstattung des Hofpavillons

gestaltete Wagner ein modernes imperiales Interieur“, so Andreas Nierhaus. „Die Bestandteile

höfisch-feudaler Ausstattungstradition – polierte, zum Teil vergoldete Wandvertäfelungen, kostbare Stickereien und Teppiche, massive steinerne Kamine mit Spiegelaufsätzen

– wurden dabei konsequent in die Formensprache der `Moderne` übersetzt,

ohne allerdings in ihrer überkommenen repräsentativen Funktion grundsätzlich

hinterfragt zu werden.“

 

Der Pavillon als Medienereignis

Am 16. Juni 1899 besichtigte Kaiser Franz Joseph zum ersten Mal die Wientallinie sowie

die Wienflusseinwölbung. „Schon in Hietzing hatte der Hofpavillon das besondere

Wohlgefallen des Kaisers erweckt“, berichtete die „Neue Freie Presse“. Davon abgesehen

hat der Monarch die Stadtbahnstation nur noch ein weiteres Mal (am 12. April

1902) benutzt. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass der Hofpavillon Hietzing wenig

Bedeutung hatte – im Gegenteil. Seine eigentliche Bestimmung lag von vornherein in

der medialen Repräsentation von Wagners moderner Architektur. „Er war gebaut worden,

um fotografiert, beschrieben, publiziert zu werden und der Moderne ein imperiales

Gesicht und damit Gewicht zu geben“, so Andreas Nierhaus. Ein Beispiel dafür ist der

hymnische Artikel in der Secessionisten-Zeitschrift „Ver Sacrum“, wo es heißt: „Die Moderne

hat auf einem ihr bisher fremden Gebiete einen herrlichen und, man darf wohl

hoffen, folgenschweren Sieg errungen.“ Auch Otto Wagner selbst hob die Bedeutung

des Pavillons immer wieder hervor, nicht zuletzt durch zahlreiche Abbildungen in seiner

theoretischen Schrift „Moderne Architektur“.

 

Nachnutzung und Sanierung

Nach dem Ende der Monarchie diente der Pavillon lange Zeit als Bildhaueratelier, nach

1945 war er nicht zuletzt aufgrund von Bombenschäden „verwahrlost“. 1957 wurde das

Gebäude als Ausstellungsraum an das Österreichische Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum

vermietet. Seit 1987 ist der Wagner-Bau eine Außenstelle der Museen

der Stadt Wien (Wien Museum), von 1987 bis 1989 erfolgte eine Sanierung durch Adolf

Krischanitz.

Nach der jüngsten Instandsetzung präsentiert sich der Otto Wagner Pavillon Hietzing

heute wie bei seiner Eröffnung 1899. Intensive wissenschaftlich-denkmalpflegerische

Analysen und Recherchen bildeten die Basis zahlreicher Maßnahmen: So wurde etwa

das Dunkelgrün von Eisenteilen, Türen und Fenster ebenso rekonstruiert wie das blendende

Weiß des Fassadenputzes. Im Inneren erfolgte die Freilegung originaler Stuckoberflächen;

Vertäfelungen und Wandbespannungen wurden gereinigt, Eingriffe späterer

Überarbeitungen je nach Maßgabe beibehalten.

 

Die Wiedereröffnung für das Publikum erfolgt am Wochenende des 21. und 22. Juni mit

einem „Open House“ bei freiem Eintritt (jeweils 10 bis 18 Uhr).

 

Weitere Infos: www.wienmuseum.at